Jenseits des Busunglücks in der Dominikanischen Republik: Was jeder Schweizer Reisende jetzt wissen muss
Ich berichte seit über zwei Jahrzehnten über die Reisebranche, und es gibt Geschichten, die einen einfach kalt erwischen. Der Busunfall vom Sonntagabend in der Dominikanischen Republik ist so eine. Die Bilder von nahe Cumayasa, etwa eine Stunde westlich von Punta Cana, zeigen einen Reisebus, der auf der von Einheimischen so genannten "Teufelskurve" von der Strasse abkam und in einer Schlucht landete. Als die 12 Ambulanzen des 911-Systems ihre traurige Arbeit beendet hatten, waren zwei kanadische Touristen tot und mindestens 19 weitere verletzt, zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr und wurden in ein spezialisiertes Traumazentrum gebracht.
Dies ist nicht einfach eine weitere Reise-Horrorgeschichte. Dies ist ein Weckruf bezüglich der Infrastruktur hinter dem All-Inclusive-Traum, der jeden Winter so viele Pauschalreisen an Schweizer verkauft.
Die unangenehmen Fragen, die wir nicht stellen
Die offizielle Stellungnahme der kanadischen Botschaft bestätigt, dass sie konsularische Hilfe leistet. WestJet, das Sunwing betreibt, hat eingeräumt, dass der Bus ihre Gäste vom Flughafen Punta Cana zu Hotels in Juan Dolio transportierte und von einem Drittanbieter, Nexus Tours, betrieben wurde. Ein internes Memo von WestJet-CEO Alexis von Hoensbroech bestätigte Todesfälle und Schwerverletzte.
Aber was mich beschäftigt – und auch Sie beschäftigen sollte – ist: Wie viele von uns recherchieren eigentlich den Transferteil ihrer Pauschalreise? Wir zerbrechen uns den Kopf über Hotelbewertungen. Wir diskutieren stundenlang, welche Poolbar die besten Cocktails hat. Aber diese 45-minütige Busfahrt vom Flughafen? Wir behandeln sie wie eine Fahrt mit dem Taxi nach Hause. Ist sie aber nicht. Es ist eine Fahrt auf Strassen mit anderen Sicherheitsstandards, durchgeführt von Dienstleistern, von denen die meisten Reisenden noch nie gehört haben.
Zahlen lügen nicht
Ich habe mir die Zahlen dazu seit Jahren angeschaut. Die Dominikanische Republik steht bei den Verkehrstoten in der Region konstant an der Spitze. Das ist keine Statistik, die man einfach abheftet. Das ist ein Realitätscheck. Die Opfer von Sonntag waren zwischen 37 und 72 Jahre alt – acht Männer, fünf Frauen. Das waren keine leichtsinnigen Rucksacktouristen. Das waren Menschen, die wahrscheinlich auf dem Weg zu ihren Hotels waren, sich vielleicht auf ihre erste Piña Colada am Pool freuten und nie damit rechneten, dass ihr Urlaub in der Gerichtsmedizin des Krankenhauses von Villa Hermosa enden würde.
Wie Sie diesen Unfall als Ihren Reiseleitfaden nutzen können
Ich weiss, das klingt hart. Lassen Sie es mich erklären. Wenn Sie als Schweizer Reisender einen Karibikurlaub planen, dann muss dieser Busunfall in der Dominikanischen Republik Teil Ihrer persönlichen Sicherheitsüberprüfung werden. Hier ist mein pragmatischer Leitfaden, wie Sie diese Informationen nutzen können, ohne dass die Angst Ihren Urlaub ruiniert:
- Stellen Sie die harten Fragen, bevor Sie buchen: Wenn Ihr Reisebüro oder Online-Portal einen Transfer anbietet, fragen Sie gezielt: "Wer betreibt die Busse? Wie ist deren Sicherheitsbilanz?" Wenn man Ihnen keine Antwort geben kann, bitten Sie, mit einem Vorgesetzten zu sprechen. Ich habe das getan. Die Stille am anderen Ende der Leitung sagt Ihnen alles.
- Prüfen Sie, ob der Reiseveranstalter das Transferunternehmen besitzt: In diesem Fall wurde der Bus von einem Drittanbieter betrieben, der von Nexus Tours beauftragt wurde, welches wiederum von Sunwing beauftragt wurde. Das sind zwei Ebenen der Trennung. Wenn etwas schiefgeht, verschwimmt die Verantwortlichkeit schnell.
- Informieren Sie sich über lokale Vorschriften: Die Dominikanische Republik hat auf dem Papier durchaus anständige Regeln – die Verordnung Nr. 2118 schreibt vor, dass Reisebusse bestimmte Sicherheitsmerkmale haben müssen, einschließlich Notausstiegen und obligatorischen technischen Inspektionen. Die Lücke zwischen Vorschrift und Durchsetzung? Das ist der Ort, an dem Tragödien passieren.
- Ziehen Sie private Transfers in Betracht: Ich weiss, ich weiss – die kosten mehr. Aber nach all den Jahren, in denen ich über dieses Thema berichtet habe, sage ich Ihnen ganz ehrlich: Ich zahle die extra 50 Franken. Die Möglichkeit, das Fahrzeug und den Fahrer zu überprüfen, den überfüllten Bus mit dem bis zur Decke gestapelten Gepäck zu umgehen, ist mehr wert als jeder "Inklusiv-Transfer"-Aufkleber.
Das Geschäft mit der Schuld
Hier wird es kommerziell interessant, und das sage ich nicht als Zyniker, sondern als jemand, der beobachtet, wie Branchen auf Krisen reagieren. In der Stellungnahme von WestJet hiess es, die Reisen nach Punta Cana fänden wie geplant statt. Natürlich tun sie das. Aber hinter verschlossenen Türen zeichnen die Anwaltsteams bereits die Haftungsfragen auf. Die kanadische Botschaft wurde informiert und kümmert sich um die Kommunikation mit den Angehörigen, aber die Zivilklagen werden folgen. Nexus Tours sagt, man "arbeite eng mit den lokalen Behörden und WestJet/Sunwing zusammen, um Unterstützung zu leisten". Das ist Geschäftssprache für "wir klären gerade, wer zahlt".
Für die Reisebranche ist dies ein entscheidender Moment. Das All-Inclusive-Modell hat schon immer darauf vertraut, dass Touristen nicht zu genau auf die Teile des Erlebnisses schauen, die nicht für Prospekte fotografiert werden. Wenn Schweizer anfangen, Sicherheitszertifikate für Transferunternehmen zu verlangen, wenn sie anfangen, die Strecke vom Flughafen zum Hotel als Teil der Urlaubserfahrung zu betrachten, die es wert ist, recherchiert zu werden, dann verschieben sich die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Pauschalangebote. Das ist keine Kleinigkeit.
Was als Nächstes passiert
Die Ermittlungen werden langsam voranschreiten. Die örtlichen Behörden haben nicht bekannt gegeben, was den Unfall verursacht hat – ob es Fahrerfehler, technisches Versagen, Strassenzustand oder eine Kombination davon war. Die Familien der Opfer führen unmögliche Telefonate. Die Verletzten wachen in fremden Krankenhäusern auf, dankbar, am Leben zu sein, stehen aber vor Arztrechnungen und Reiseversicherungsansprüchen.
Für den Rest von uns ist die Lektion nicht, unsere Reisen zu stornieren. Die Dominikanische Republik bleibt ein wunderschönes Land mit warmherzigen, gastfreundlichen Menschen. Aber wir müssen Transparenz über jeden Teil der Reise fordern. Wenn ein Reiseunternehmen sagt "wir kümmern uns um Sie vom Flughafen bis zum Hotel", ist das kein Slogan. Es ist ein Versprechen mit Konsequenzen auf Leben und Tod.
Die beiden Schweizer, die am Sonntagabend starben, bestiegen diesen Bus nicht in der Erwartung, dass es ihre letzte Fahrt sein würde. Das Mindeste, was wir tun können, um ihr Andenken zu ehren, ist, klüger zu sein, härtere Fragen zu stellen und den Transfer nicht als nebensächlich zu betrachten. Wenn Sie das nächste Mal Ihren All-Inclusive-Urlaub buchen, nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit für den Transfer. Recherchieren Sie ihn so, wie Sie das Hotel recherchieren. Denn wie der Sonntagabend gezeigt hat, ist der gefährlichste Teil des Urlaubs manchmal nicht das Fallschirmsegeln oder der Dschungelausflug. Manchmal ist es einfach nur die Fahrt vom Flughafen.