Jessie Buckley schreibt Geschichte: Oscar-Gewinn und erste irische Hauptdarstellerin mit einer Oscar-Trophäe
Jetzt ist es also so weit. Die Irin Jessie Buckley schrieb am Sonntagabend Geschichte, als sie als erste Frau ihres Heimatlandes den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann. Die 36-jährige gebürtige Killarney-Frau nahm die Trophäe für ihre Rolle als Agnes Shakespeare im Film Hamnet entgegen – und ja, viele im Saal blieben bei diesem Moment nicht trocken.
Buckley selbst schien völlig in ihrem Element zu sein – ihre Rede begann mit einem herzhaften Lachen und endete mit einem Volltreffer mitten ins Herz: «In Grossbritannien ist heute Muttertag, also möchte ich diesen Preis dem schönen Chaos des Mutterherzens widmen.» Sie dankte ihrer acht Monate alten Tochter Isla, die wahrscheinlich «von Milch geträumt» habe, und ihrem Ehemann Freddie Sorensen, mit dem sie «noch 20'000 weitere Kinder» machen wolle. Die Rede war pure Buckley – bodenständig, emotional und perfekt getimt.
Der Weg von Killarney nach Hollywood
Viele erinnern sich vielleicht nicht mehr daran, dass Buckleys Karriere in einer ganz anderen Startgrube begann. Sie war gerade 18, als sie im britischen Talentwettbewerb I'd Do Anything den zweiten Platz belegte, in dem eine neue Nancy für das Musical Oliver! gesucht wurde. Der Sieg ging woanders hin, aber Buckley traf eine Entscheidung, die den Rest ihres Lebens prägen sollte: Sie gab sich nicht mit einer Ersatzrolle zufrieden, sondern bewarb sich an der Royal Academy of Dramatic Art in London und schloss dort als waschechte Schauspielerin ab.
Vor ihrem Durchbruch verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt mit Auftritten im vornehmen Londoner Club Annabel's, wo, wie sie selbst sagte, «die Reichen nicht zuhörten». Dort jedoch verfeinerte sie jene Fähigkeiten, die später die Bank sprengen sollten.
Die Jahre der wilden Rose und des Biests
Buckleys Filmdebüt gab sie 2017 im Thriller Beast, in dem sie Moll spielte, eine junge Frau auf der brutalen Insel Wight. Schon damals war klar, dass hier ein Stern am Aufgehen war. Im darauffolgenden Jahr kam die Rolle, bei der die ganze Welt aufhorchte: Wild Rose. Buckleys Darstellung der schottischen Ex-Sträfling und Country-Träumerin Rose-Lynn Harlan war so elektrisierend, dass sie eine Bafta-Nominierung einbrachte.
Und das Beste daran – Buckley kann wirklich singen. Sie hat acht Klavier-, Klarinetten- und Harfenabschlüsse der Royal Irish Academy of Music. Der Wild Rose-Soundtrack schaffte es an die Spitze der Charts, und sie trat sogar am Glastonbury-Festival auf. Diese Frau ist keine «Schauspielerin, die ein bisschen singt» – sie ist eine Musikerin, die zufällig auch eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation ist.
Von Tschernobyl ins Rampenlicht Hollywoods
Falls es noch jemand bezweifelt hatte: 2019 schlug sie endgültig zu. In der Miniserie Chernobyl spielte Buckley Lyudmilla Ignatenko, die Frau des Feuerwehrmanns Vasily. Es war eine Rolle, die dem Zuschauer einiges abverlangte – die Szene, in der sie versucht, ins Krankenhaus zu ihrem sterbenden Mann zu gelangen, gehört zu den erschütterndsten des Jahrzehnts.
Zur gleichen Zeit war sie auch im Film Judy an der Seite von Renée Zellweger und in der vierten Staffel von Fargo zu sehen. 2021 brachte ihr The Lost Daughter die erste Oscar-Nominierung (Beste Nebendarstellerin) ein, und es war Olivia Colman, die Buckley als junge Leda unbedingt dabei haben wollte.
Seitdem gab es Women Talking, in dem sie Mariche aus der mennonitischen Gemeinschaft spielte, und Alex Garlands Psychothriller Men, in dem sie das gesamte Gewicht des Films auf ihren Schultern trug.
Was bleibt?
Buckley ist der Beweis dafür, dass aus einer Country-Sängerin eines Talentwettbewerbs die angesehenste Schauspielerin der Welt werden kann, wenn sie nur talentiert und hartnäckig genug ist. Ihre Rollenwahl war stets mutig – sie suchte nie nach sicheren Sympathiepunkten, sondern nach komplexen, zerbrochenen und zutiefst menschlichen Frauen, die direkt den Seiten eines Virginia Woolf-Romans entsprungen sein könnten.
Und jetzt ist es offiziell: Jessie Buckley ist Oscar-Preisträgerin. Und wir alle wissen, dass dies erst der Anfang ist.
Buckleys wichtigste Rollen im Überblick:
- Beast (2018) – Filmdebüt, bei dem sie sofort ihre Krallen zeigte.
- Wild Rose (2018) – Die Durchbruchrolle als Country-Sängerin.
- Chernobyl (2019) – Lyudmilla, die Frau des Feuerwehrmanns, die Millionen berührte.
- The Lost Daughter (2021) – Die junge Leda, die die Oscar-Nominierung einbrachte.
- Women Talking (2022) – Mariche als Teil eines großartigen Ensembles.
- Hamnet (2025) – Agnes Shakespeare, die Rolle, die den ersten irischen Oscar für die beste Hauptdarstellerin der Geschichte holte.