Die goldene Ära der türkischen Nationalmannschaft – Steuert die „Sternenflotte“ erneut auf Europas Gipfel zu?
Wenn Sie internationalen Fußball etwas genauer verfolgen, dann wissen Sie: Kein Land verkörpert eine so glühende Leidenschaft für das Spiel wie die Türkei. Die „Sternenflotte“ (Ay-Yıldızlar) war schon immer eine unberechenbare Größe – sie kann explodieren und alles mitreißen, aber auch mal völlig enttäuschen. Langweilig wird es mit ihr jedenfalls nie. Und jetzt, an der Schwelle zu den Turnieren der kommenden Jahre, verdichten sich die Anzeichen, dass dieses türkische Team wieder für eine Explosion gut sein könnte.
Bronze, mit der niemand gerechnet hat
Wir erinnern uns alle an den Sommer 2002. Die Türkei hatte zuletzt ein halbes Jahrhundert zuvor, 1954, an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Und dann kam alles anders. Die Mannschaft von Şenol Güneş marschierte in Japan und Südkorea bis ins Halbfinale, wo erst am späteren Weltmeister Brasilien Endstation war. Das Spiel um Platz drei gegen Gastgeber Südkorea wurde 3:2 gewonnen. Ganz Türkei erinnert sich noch an Hakan Şükürs Tor – es fiel in der zehnten Sekunde der Partie und ist bis heute der schnellste Treffer der WM-Geschichte. Eine Sensation, die den türkischen Fußball endgültig auf der Weltkarte verankerte.
Europameisterschaftsdrama und ein neuer Aufschwung
Gerade dachte man, alles gesehen zu haben, da kam das Jahr 2008. Bei der EM in der Schweiz und Österreich schlug die Türkei wieder zu. Im Viertelfinale gegen Kroatien stand man bereits vor dem Aus, bis Semih Şentürk in der 122. Minute den Ball ins Netz köpfte. Ein unglaublicher Ausgleich, der Millionen Zuschauer sprachlos machte. Die Türkei gewann das Elfmeterschießen und zog ins Halbfinale ein, wo Deutschland dann eine Nummer zu groß war. Danach wurde es ruhiger um die Mannschaft – die Qualifikation für Weltmeisterschaften gelang lange nicht. Doch jetzt, so scheint es, weht wieder ein anderer Wind.
Drei Gründe, warum man die Türkei jetzt ernst nehmen sollte
- Erfahrung kehrt an die Seitenlinie zurück: 2019 übernahm wieder ein Meistertrainer das Ruder: Şenol Güneş, genau der Mann, der das Team bereits 2002 zum WM-Bronze führte. Er weiß genau, wie man aus dieser Mannschaft das letzte Quäntchen Energie herauskitzelt.
- Eine neue Generation drängt nach: Junge türkische Talente schlagen jetzt in den großen europäischen Ligen durch. Sie wurden in der heimischen, knallharten Süper Lig geprägt und brennen jetzt darauf, sich zu beweisen.
- Der Heimvorteil wirkt wieder: Nachdem der türkische Fußballverband die Strukturen geordnet hat, sind die Heimspiele wieder zu einer Festung geworden. Die brodelnde Atmosphäre überträgt sich auf das gesamte Team.
In der FIFA-Weltrangliste klettert die Türkei stetig nach oben. Im Juli 2024 lag sie bereits auf Platz 26. Das ist noch nicht die Weltspitze, aber der Trend stimmt. Es warten harte Qualifikationskämpfe, aber diese Mannschaft hat das Zeug für ganz große Überraschungen. Auch wir in Österreich haben gute Erinnerungen an Begegnungen mit der Türkei – und es ist immer etwas Besonderes, wenn die „Sternenflotte“ zu Gast ist. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Türkei endlich bereit ist, dorthin zurückzukehren, wo sie hingehört: in die absolute Weltspitze des Fußballs.