Startseite > Sport > Artikel

Premier League Darts 2026: Claytons Gicht-Triumph in Nottingham und Humphries‘ Erlösung gegen Littler

Sport ✍️ Klaus Richter 🕒 2026-03-13 03:57 🔥 Aufrufe: 2
Jonny Clayton mit dem Siegerpokal der Premier League Darts in Nottingham

Manchmal schreibt dieser Sport Geschichten, die man sich nicht ausdenken kann. Die Premier League Darts 2026 machte am sechsten Spieltag in Nottingham Station, und was die 10.000 Zuschauer in der ausverkauften Motorpoint Arena erlebten, war purer Tungsten-Wahnsinn. Während der eine kaum geradeaus laufen konnte, feierte er den größten Triumph des Abends. Und der amtierende Weltmeister musste sich erstmal seinem großen Rivalen geschlagen geben, bevor er endlich einen lang ersehnten Fluch brechen konnte.

Der humpelnde Held: Jonny Claytons Gicht-Spektakel

Stellen Sie sich vor, Sie sollen auf höchstem Niveau gegen die besten Dartspieler der Welt antreten, aber jeder Schritt zur Bühne fühlt sich an, als würden Sie über glühende Kohlen laufen. Genau das war die Realität von Jonny Clayton an diesem Donnerstagabend. Der Waliser, Spitzname "The Ferret", litt unter einem akuten Gichtanfall im Knöchel. Während er über die Bühne humpelte, dachten alle, seine Nacht wäre gelaufen. Doch Clayton bewies einmal mehr seine eiserne Mentalität.

"Ich hatte überhaupt keine Erwartungen an heute Abend", gab Clayton nach seinem Triumph unumwunden zu. "Ich leide an Gicht, in den Knöcheln, und heute Abend war es etwas schwierig mit der Art, wie ich gelaufen bin. Mein Arm war okay, so wie es aussah, und das ist das Einzige, was zählt". Und was für ein Arm das war! Trotz der Schmerzen, die schlimmer wurden, je länger er auf dem Stuhl saß und der Fuß ruhigstellte, spulte der 51-Jährige ein Programm nach dem anderen ab.

Im Viertelfinale entzauberte er zunächst den Niederländer Michael van Gerwen mit 6:3. Im Halbfinale folgte mit einem weiteren 6:3 der nächste dicke Brocken, Stephen Bunting. Und dann, im Finale, legte er gegen eine wandelnde Wand namens Luke Humphries nach und fegte ihn regelrecht mit 6:1 von der Bühne. Mit einer beeindruckenden Double-Quote von 67 Prozent ließ er dem Weltranglistenzweiten keine Chance – und das alles mit höllischen Schmerzen.

Mit diesem Sieg krönte sich Clayton nicht nur zum ersten Spieler der Premier League Darts 2026, der einen zweiten Night-Sieg einfahren konnte (nach seinem Triumph in Glasgow), sondern baute seine Führung in der Tabelle auf unglaubliche acht Punkte aus.

Humphries bricht den Bann gegen Littler – und verzweifelt dann an Clayton

Während Clayton die Schmerzen wegsteckte, gab es für Luke Humphries eine emotionale Achterbahnfahrt. "Cool Hand Luke" hatte seit fast einem Jahr – genauer gesagt seit Mai 2025 – kein Pflichtspiel mehr gegen sein junges Supertalent Luke Littler gewinnen können. Fünf Niederlagen in Folge gegen den Teenager standen zu Buche. Bis zu dieser Halbfinal-Begegnung in Nottingham.

In einem hochklassigen Spiel, in dem Humphries zwischenzeitlich eine 108er-Average spielte, kämpfte er sich gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Littler durch. Als er bei 5:2 führung und schon Matchdarts in der Hand hatte, drohte das alte Muster ihn einzuholen. Littler kämpfte sich auf 5:4 heran, die Arena kochte. Doch Humphries blieb eiskalt. Mit einem atemberaubenden 128er Checkout machte er den Sack im entscheidenden Leg zu und riss die Faust in Richtung der Ränge – eine Erlösung war ihm ins Gesicht geschrieben.

"Es ist großartig, besonders hier in Nottingham", strahlte Humphries nach dem 6:5-Sieg. "Als die Menge so laut war und er aufholte, habe ich einfach versucht, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Den 130er Checkout von ihm zu kassieren, war hart, aber ich bin stolz, wie ich zurückgekommen bin und dieses 128er Finish gesetzt habe". Die Freude währte jedoch nur kurz. Im Finale gegen den humpelnden, aber furchtlos aufspielenden Clayton war dann der Wurm drin. Mit nur 13 Prozent verwerteten Doppeln hatte Humphries keine Chance und musste sich mit 1:6 geschlagen geben. Sein erster Finaleinzug in dieser Saison endete mit einer Lehrstunde.

Der 'Nuke' zündet, aber explodiert nicht

Luke Littler kam als frischgebackener UK-Open-Sieger und Gewinner der Vorwoche in Cardiff nach Nottingham. Der 19-jährige Weltranglistenerste wollte nachlegen und seinen ersten Premier League Darts 2025-Schwung mitnehmen. Im Viertelfinale lieferte er sich ein monumentales Duell mit Gerwyn Price. Beide Spieler bewarfen das Board mit 180ern, Price glich mit Checkouts von 151 und 152 zwischenzeitlich aus, doch Littler behielt in einem nervenaufreibenden Decider die Oberhand und gewann 6:5. Dass er sich dabei von vereinzelten Pfeifkonzerten aus dem Publikum nicht beirren ließ, sondern diese sogar mit einer Jubelgeste quittierte, zeigte seine mentale Reife.

Im Halbfinale gegen Humphries war dann Endstation. Trotz einer Aufholjagd musste er sich seinem Landsmann geschlagen geben. Die Chance auf den zweiten Sieg in Folge war dahin. In der Tabelle rangiert er nun mit 11 Punkten auf Platz zwei, aber der Abstand zu Clayton beträgt bereits acht Zähler.

Die Tabelle und der Blick voraus

Während die Spitze langsam Konturen annimmt, wird es am anderen Ende der Tabelle richtig bitter. Josh Rock, das nordirische Ausnahmetalent, das in dieser Saison sein Premier-League-Debüt gibt, wartet weiterhin auf seinen ersten Punkt. Gegen Stephen Bunting kassierte er ein 1:6 und damit die sechste Niederlage im sechsten Spiel – ein Fehlstart, den so keiner erwartet hatte.

Die aktuelle Top 4 der Premier League Darts 2026 Tabelle sieht nach sechs von 16 Spieltagen wie folgt aus:

  • 1. Jonny Clayton – 19 Punkte
  • 2. Luke Littler – 11 Punkte
  • 3. Gerwyn Price – 9 Punkte
  • 4. Gian van Veen – 9 Punkte

Der Karren steckt tief im Schlamm. Aber wir kennen ja alle das Sprichwort: In der Premier League Darts ist nichts unmöglich. Letztes Jahr brauchte Stephen Bunting bekanntlich bis zum neunten Spieltag, um überhaupt mal zu gewinnen. Also, Kopf hoch, Josh!

Weiter geht die Reise in einer Woche, am 19. März, in der 3Arena in Dublin. Dort trifft unter anderem Gian van Veen auf Michael van Gerwen und Stephen Bunting auf Luke Littler. Und dann, am 26. März, macht die Tour endlich Halt in der Uber Arena in Berlin! Ich kann es kaum erwarten, die deutsche Hauptstadt in ein Tollhaus zu verwandeln.

Bis dahin: Keep on Darts!