Oranje-Frauen zeigen Meistermentalität in Polen: warum dieser Sieg mehr als drei Punkte ist

Ich stand am vergangenen Wochenende in Polen an der Seitenlinie. Es war kein Abend, den man schnell vergisst. Jill Roord brachte die Oranje-Frauen kurz nach der Pause in einem nervenaufreibenden WM-Qualifikationskracher in Führung. Das 1:0 reichte am Ende, um die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen, aber wer genau hinsah, erkannte, dass dieser Sieg viel tiefer geht als ein paar Punkte in der Tabelle. Das war ein Statement.
Teamchef Arjan Veurink hatte vorab seine Karten offen auf den Tisch gelegt. Er wollte Charakter sehen, Widerstände überwinden, und genau das habe ich in diesem stickigen Stadion in Polen gesehen. Polen ist zuhause immer unangenehm, mit einem physisch starken Team, das bis zur letzten Minute jagt. Aber diese Generation niederländischer Fußballerinnen ist inzwischen von einer Meistermentalität durchdrungen, die ihren Ursprung im glorreichen Sommer 2017 hat.
Wer erinnert sich nicht an die Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2017 im eigenen Land? Dieser Triumph war der Katalysator für alles, was danach kam. Plötzlich wollten Mädchen im ganzen Land nichts lieber als Fußball spielen, und die Spielerinnen etablierten sich in Europa. Das Spiel gegen Polen war ein perfektes Beispiel dieser Reifung: nicht immer schön, aber effektiv und mit einem unbezähmbaren Willen.
Mehr als Fußball: der Aufstieg des Frauensports
Der Erfolg der Oranje-Frauen steht nicht allein. Wer die breitere Sportentwicklung verfolgt, sieht eine Welle. Nehmen wir zum Beispiel die Volleyball-Weltmeisterschaft der Frauen 2022. Die niederländischen Volleyballerinnen zeigten, dass sie mit der Weltspitze mithalten können, und inspirierten damit ebenso wie die Fußballerinnen eine neue Generation. Diese Sichtbarkeit ist Gold wert, auch für Sponsoren.
Waren Unternehmen vor zehn Jahren noch zögerlich, in Frauensport zu investieren, stehen sie heute Schlange. Und das zu Recht. Die Einschaltquoten des Spiels gegen Polen logen nicht: Mehr Menschen sahen diesen Qualifikationskracher als so manches Eredivisie-Duell. Das ist genau der Punkt, an dem der kommerzielle Motor anspringt. Marken wie ING, Philips und ABN AMRO beginnen zu verstehen, dass Investitionen in Frauenfußball nicht nur gesellschaftlich verantwortungsvoll sind, sondern sich auch einfach richtig rentieren.
Die Konkurrenz schläft nicht
Dennoch dürfen wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Die Gegner werden stärker. Man sehe sich die Rumänische Fußballnationalmannschaft der Frauen an – einst ein Maßstab für uns, heute ein Team, das uns auf Trab hält. Oder die Entwicklungen in Osteuropa: Die Ungarische Fußballnationalmannschaft (Herren) kämpft seit Jahren mit Schwankungen, aber die Frauenteams in der Region profitieren von besseren Einrichtungen und mehr Aufmerksamkeit. Sogar die Weißrussische Fußballnationalmannschaft arbeitet im Stillen daran. Der Abstand wird kleiner, daher zählt jeder Punkt.
Was diesen Sieg in Polen so wertvoll macht, ist, dass er zeigt, dass die Oranje-Frauen auch an einem schlechteren Tag gewinnen können. Das ist der nächste Schritt in der Professionalisierung. Früher verloren wir solche Spiele, heute retten wir sie über die Ziellinie.
- Jill Roord – Matchwinnerin mit ihrem Tor in Polen, erneut wichtig im Mittelfeld.
- Arjan Veurink – der Coach, der genau weiß, wann er reizen und wann er schützen muss.
- Nächste Hürde – Rumänien zuhause in der Arena, die Chance, die Konkurrenz endgültig abzuschütteln.
Und dann ist da noch die Parallele zu den Männern. Während die Ungarische Fußballnationalmannschaft nach Identität sucht und die Weißrussische Fußballnationalmannschaft unter politischer Isolation leidet, zeigen unsere Oranje-Frauen, dass Stabilität und eine klare Vision sich auszahlen. Sie sind das Aushängeschild einer niederländischen Fußballkultur, die immer geschlechtsneutraler denkt. Und das ist nicht nur gut für den Sport, sondern auch für den Geldbeutel von Vereinen, Verbänden und Investoren.
In den kommenden Monaten werden wir sehen, ob dieses Team den nächsten Schritt machen kann. Die WM lockt, und mit Leistungen wie in Polen wächst auch die kommerzielle Anziehungskraft weiter. Ich prophezeie, dass wir bald nicht mehr über 'Frauenfußball' als Nische sprechen, sondern einfach über Fußball. Und genau darauf wartet der Markt.
Eines ist sicher: Nach dem Abend in Polen freue ich mich noch ein bisschen mehr auf das Heimspiel gegen Rumänien. Die Oranje-Frauen sind in Fahrt, und ich glaube nicht, dass sie noch jemand stoppen kann.