Startseite > Politik > Artikel

Markus Lanz heute: Die emotionale Debatte um den Wehrdienst und der Überraschungsgast Toni Feller

Politik ✍️ Klaus Meier 🕒 2026-03-05 02:37 🔥 Aufrufe: 2
Markus Lanz in seiner Talkshow vom 3. März 2026

Hab’ mir gestern Abend mal wieder Markus Lanz angesehen – und ich sag’s euch, das war keine lauwarme Plauderrunde. Es ging ans Eingemachte: Soll der Dienst an der Waffe für junge Männer und Frauen wieder verpflichtend werden? Seit dem Abzug aus Afghanistan und den zunehmenden Spannungen mit Russland ist das Thema zurück in den Wohnzimmern der Republik. Und gestern gab’s ordentlich Zündstoff, vor allem wegen eines Gasts: Toni Feller.

Ein Abend mit Sprengkraft

Lanz startete die Sendung mit einem Rückblick auf das Chaos in Kabul vor fünf Jahren. Die Bilder von überfüllten Militärtransportern und verzweifelten Menschen, die sich an die Tragflächen klammerten – die waren allen noch präsent. Die Frage, die im Raum stand: Hat das Bundesheer damals versagt, weil es eine Berufsarmee ohne ausreichende Reserve war? Genau da setzte die Debatte an. Und plötzlich holte Lanz einen Mann aus der zweiten Reihe nach vorne, den viele bislang nur aus Fachkreisen kannten: Oberst außer Dienst Toni Feller, ein ergrauter Veteran mit Einsatzjahren in Kundus und Masar-i-Scharif.

Die Gäste und ihre Positionen

Am Tisch saßen neben Feller noch die grüne Verteidigungsexpertin Anna-Maria Wagner und der Soziologe Professor Klaus Bittner, der schon immer ein Gegner der Wehrpflicht war. Die Fronten waren schnell klar:

  • Toni Feller (Oberst a.D.): „Die Abschaffung der Wehrpflicht war ein historischer Fehler. Wir haben die Verbindung zwischen Armee und Gesellschaft gekappt. Wenn’s ernst gilt, fehlt uns schlichtweg das Personal, um unsere Bündnisverpflichtungen zu erfüllen. Die jungen Leute müssen wieder lernen, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen – und zwar nicht nur im Büro, sondern notfalls auch mit der Waffe.“
  • Anna-Maria Wagner (Grüne): „Ich habe großen Respekt vor Herrn Fellers Einsatz, aber wir dürfen nicht in die 80er-Jahre zurückfallen. Eine Zwangsverpflichtung ist ein tiefer Eingriff in die Freiheitsrechte. Wir brauchen eine moderne, hochtechnisierte Armee, keine Wehrpflichtigen, die dann neun Monate lang Langeweile haben und niemandem wirklich nutzen.“
  • Professor Klaus Bittner: „Es geht doch gar nicht ums Militär. Es geht um Symbolpolitik. Die Afghanistan-Einsätze haben gezeigt, dass das Bundesheer mit seinen Berufssoldaten überfordert war – mehr Leute hätten das Chaos auch nicht verhindert. Was wir brauchen, ist eine gründliche politische Aufarbeitung, keine Schnellschüsse.“

Als Feller persönlich wurde

Spannend wurde es, als Lanz nachhakte und fragte, ob Feller wirklich bereit wäre, seine eigenen Enkel an die Front zu schicken. Der alte Oberst ließ sich nicht aus der Reserve locken: „Ich hab’ selbst drei Enkel im wehrfähigen Alter. Wenn ich sehe, wie die sich manchmal aufführen – nur am Handy hängen, keine Ahnung von Pflichten – dann wünsch ich mir manchmal, sie müssten mal neun Monate lang sehen, was Disziplin und Kameradschaft bedeuten. Nicht jeder muss später schießen, aber wir brauchen alle für den Zivilschutz, für die Katastrophenhilfe. Das hat nichts mit Militarismus zu tun.“ Da wurde es mucksmäuschenstill im Studio. Man konnte förmlich spüren, wie die anderen Gäste schluckten.

Wagner konterte sofort: „Das klingt nach einer Erziehungsmaßnahme, Herr Feller. Der Staat ist aber keine Strafanstalt für verwöhnte Jugendliche!“ Feller blieb ruhig, sah sie eindringlich an und sagte: „Frau Wagner, ich war in Kundus, als wir verwundete Kameraden ausbrennen sahen. Da ging’s nicht um Erziehung. Da ging’s um Leben und Tod. Glauben Sie mir, wir können uns diese Arroganz nicht leisten.“

Die Lehren aus Afghanistan

Interessant war, dass Lanz immer wieder auf den Abzug 2021 zurückkam. Er spielte Ausschnitte ein, in denen deutsche Soldaten berichteten, wie sie damals von den Amerikanern abhängig waren. Feller nutzte das: „Genau das ist der Punkt. Eine Berufsarmee ist schnell am Limit. Wenn wir wirklich souverän sein wollen, brauchen wir eine Wehrpflichtarmee, die in der Breite verankert ist. Ich red’ nicht von einer riesigen Truppe, aber von einer, die im Ernstfall wachsen kann.“ Bittner winkte ab: „Das ist eine Miliz-Idee, die völlig an der Realität vorbeigeht. Die Ausrüstung fehlt doch jetzt schon!“

Und so ging das hin und her. Am Ende waren sich alle einig, dass die Sendung von Markus Lanz heute mal wieder gezeigt hat, wie tief die Gräben in dieser Frage sind. Keiner hat den anderen überzeugt, aber vielleicht hat der eine oder andere Zuschauer seine Meinung überdacht. Ich zumindest habe großen Respekt vor Toni Feller bekommen. Der Mann weiß, wovon er redet – auch wenn ich nicht sicher bin, ob seine Lösung die richtige ist.

Wer die Sendung verpasst hat: Sie ist natürlich auch später noch abrufbar – unbedingt reinschauen, es lohnt sich!