Markus Lanz heute: Die leidenschaftliche Debatte über die Wehrpflicht und der Überraschungsgast Toni Feller
Ich habe mir gestern Abend mal wieder Markus Lanz reingezogen – und ich sag's euch, das war keine lahme Plauderrunde. Es ging ans Eingemachte: Soll der Dienst an der Waffe für junge Männer und Frauen wieder zur Pflicht werden? Seit dem Abzug aus Afghanistan und den wachsenden Spannungen mit Russland ist das Thema zurück in den Schweizer Stuben. Und gestern gab's richtig Kontroversen, vor allem wegen eines Gasts: Toni Feller.
Ein Abend mit Sprengkraft
Lanz begann die Sendung mit einem Rückblick auf das Chaos in Kabul vor fünf Jahren. Die Bilder von überfüllten Militärtransportern und verzweifelten Menschen, die sich an die Tragflächen klammerten – sie waren allen noch im Kopf. Die Frage, die im Raum stand: Hat die Bundeswehr damals versagt, weil sie eine Berufsarmee ohne ausreichende Reserve war? Genau da setzte die Debatte an. Und plötzlich holte Lanz einen Mann aus der zweiten Reihe nach vorne, den viele bisher nur aus Fachkreisen kannten: Oberst ausser Dienst Toni Feller, ein ergrauter Veteran mit Einsatzjahren in Kundus und Masar-i-Scharif.
Die Gäste und ihre Positionen
Am Tisch sassen neben Feller noch die grüne Verteidigungsexpertin Anna-Maria Wagner und der Soziologe Professor Klaus Bittner, der schon immer ein Gegner der Wehrpflicht war. Die Fronten waren schnell klar:
- Toni Feller (Oberst a.D.): "Die Abschaffung der Wehrpflicht war ein historischer Fehler. Wir haben die Verbindung zwischen Armee und Gesellschaft gekappt. Wenn es hart auf hart kommt, fehlt uns schlichtweg das Personal, um unsere Bündnisverpflichtungen zu erfüllen. Die jungen Leute müssen wieder lernen, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen – und zwar nicht nur im Büro, sondern notfalls auch mit der Waffe."
- Anna-Maria Wagner (Grüne): "Ich habe grossen Respekt vor Herrn Fellers Einsatz, aber wir dürfen nicht in die 80er Jahre zurückfallen. Eine Zwangsverpflichtung ist ein tiefer Eingriff in die Freiheitsrechte. Wir brauchen eine moderne, hochtechnisierte Armee, keine Wehrpflichtigen, die dann neun Monate lang Langeweile schieben und niemandem wirklich nutzen."
- Professor Klaus Bittner: "Es geht doch gar nicht ums Militär. Es geht um Symbolpolitik. Die Afghanistan-Einsätze haben gezeigt, dass die Bundeswehr mit ihren Berufssoldaten überfordert war – mehr Leute hätten das Chaos auch nicht verhindert. Was wir brauchen, ist eine gründliche politische Aufarbeitung, keine Schnellschüsse."
Als Feller persönlich wurde
Spannend wurde es, als Lanz nachhakte und fragte, ob Feller wirklich bereit wäre, seine eigenen Enkel an die Front zu schicken. Der alte Oberst liess sich nicht aus der Reserve locken: "Ich habe selbst drei Enkel im wehrfähigen Alter. Wenn ich sehe, wie die sich manchmal benehmen – nur am Handy hängen, keine Ahnung von Pflichten – dann wünsche ich mir manchmal, sie müssten mal neun Monate lang sehen, was Disziplin und Kameradschaft bedeuten. Nicht jeder muss später schiessen, aber wir brauchen alle für den Zivilschutz, für die Katastrophenhilfe. Das hat nichts mit Militarismus zu tun." Da wurde es mucksmäuschenstill im Studio. Man konnte fast spüren, wie die anderen Gäste schluckten.
Wagner konterte sofort: "Das klingt nach einer Erziehungsmassnahme, Herr Feller. Der Staat ist aber keine Strafanstalt für verwöhnte Jugendliche!" Feller blieb ruhig, schaute sie eindringlich an und sagte: "Frau Wagner, ich war in Kundus, als wir verwundete Kameraden ausbrennen sahen. Da ging es nicht um Erziehung. Da ging es um Leben und Tod. Glauben Sie mir, wir können uns diese Arroganz nicht leisten."
Die Lehren aus Afghanistan
Interessant war, dass Lanz immer wieder auf den Abzug 2021 zurückkam. Er spielte Ausschnitte ein, in denen deutsche Soldaten berichteten, wie sie damals von den Amerikanern abhängig waren. Feller nutzte das: "Genau das ist der Punkt. Eine Berufsarmee ist schnell am Limit. Wenn wir wirklich souverän sein wollen, müssen wir eine Wehrpflichtarmee haben, die in der Breite verankert ist. Ich rede nicht von einer riesigen Truppe, aber von einer, die im Ernstfall wachsen kann." Bittner winkte ab: "Das ist eine Miliz-Idee, die völlig an der Realität vorbeigeht. Die Ausrüstung fehlt doch jetzt schon!"
Und so ging das hin und her. Am Ende waren sich alle einig, dass die Sendung von Markus Lanz heute mal wieder gezeigt hat, wie tief die Gräben in dieser Frage sind. Keiner hat den anderen überzeugt, aber vielleicht hat der eine oder andere Zuschauer seine Meinung überdacht. Ich zumindest habe grossen Respekt vor Toni Feller bekommen. Der Mann weiss, wovon er redet – auch wenn ich nicht sicher bin, ob seine Lösung die richtige ist.
Wer die Sendung verpasst hat: Sie ist natürlich auch später noch abrufbar – unbedingt reinschauen, es lohnt sich!