Frauenmord in Monheim: Ehemann gesteht – er erstickte Fatma, weil sie sich trennen wollte
Wenn man so was hört, verschlägt es einem die Sprache. Vor dem Landgericht Düsseldorf hat ein 43-Jähriger aus Monheim gestanden, seine eigene Frau umgebracht zu haben. Fatma (38) wollte die Scheidung – dafür hat er sie getötet. Er hat sie im Schlaf mit einem Kissen erstickt. Heimtückischer Mord, sagt die Staatsanwaltschaft. Ein weiterer Fall von Femizid, bei dem eine Frau sterben musste, nur weil sie eine Frau war und sich trennen wollte.
Kennen gelernt hatten sie sich vor Jahren in der Türkei, Fatma ist seinetwegen nach Deutschland gekommen. Aber aus Liebe wurde mit der Zeit die Hölle. In den Monaten vor der Tat ging gar nichts mehr. Fatma wollte raus, wollte weg von ihm, neu anfangen. „Sie hat mehrmals gesagt, dass sie die Scheidung einreichen wird“, hat der Angeklagte vor Gericht mit leiser Stimme erzählt. Genau das hat er offenbar nicht ausgehalten. Dazu kamen ständig Streitereien ums Geld – die Finanzen waren im Eimer. An dem Abend, als es passierte, gab es wieder Krach. Als Fatma dann schlief, hat er einfach das Kissen genommen und so lange zugedrückt, bis sie erstickt war.
Wenn man solche Geschichten hört, wird einem ganz anders. Aber so was passiert leider nicht nur einmal. In Deutschland werden jedes Jahr Hunderte Frauen von ihren Männern oder Ex-Partnern getötet oder schwer verletzt. Femizid ist ein weltweites Problem, das macht an keiner Grenze halt. In Lateinamerika zum Beispiel ist das Wort längst in aller Munde, weil die Zahlen dort so erschreckend hoch sind. Aber auch bei uns, in den eigenen vier Wänden, passiert es – im Wohnzimmer, in der Küche, im Schlafzimmer. Nur nennen wir es hier oft noch „Familiendrama“ oder „Beziehungstat“. Pure Verharmlosung. Ein Femizid ist kein Drama, das ist ganz einfach Mord.
Die Nachbarn in Monheim sind völlig fertig. „Die Fatma war so eine nette Frau, hat immer gegrüßt und gelächelt“, sagt eine ältere Dame aus dem Haus nebenan. „Wir haben nie was gehört, nie Geschrei. Das ist einfach nicht zu fassen.“ Und genau das ist das Heimtückische an solchen Taten: Sie passieren im Stillen, hinter verschlossenen Türen. Fatma hat sich niemandem anvertraut, keine Hilfe geholt – vielleicht, weil sie dachte, es wird schon wieder. Oder weil sie sich geschämt hat. Aber ihr Fall zeigt: Wenn eine Frau die Scheidung will, kann das lebensgefährlich sein. Die Zeit der Trennung ist statistisch gesehen der gefährlichste Moment in einer Gewaltbeziehung.
Was können wir daraus lernen? Nur mit dem Kopf schütteln reicht nicht. Wir müssen als Gesellschaft umdenken und vor allem helfen. Fachleute betonen immer wieder:
- Frühe Warnzeichen ernst nehmen: Wenn einer kontrolliert, eifersüchtig ist, die Frau runtermacht – das sind oft die ersten Anzeichen für spätere Gewalt.
- Beratungsangebote für Frauen ausbauen: Frauen müssen wissen, wo sie schnell und unkompliziert Hilfe bekommen, ohne Angst vor Bürokratie oder blöden Blicken.
- Auch mit den Tätern reden: Nur wenn Männer lernen, mit Wut und Konflikten ohne Gewalt umzugehen, können wir weitere Taten verhindern.
- Polizei und Justiz besser schulen: Jeder Einsatz bei häuslicher Gewalt muss ernst genommen werden – als das, was er ist: oft die letzte Warnung vor einem Femizid.
Der Prozess gegen den 43-Jährigen ist noch nicht vorbei. Ein psychiatrisches Gutachten soll klären, was in ihm vorgegangen ist. Fatma aber ist tot. Sie konnte nicht mehr weg. Ihr Schicksal muss uns alle wachrütteln. Denn solange Frauen in Deutschland Angst haben müssen, wenn sie sich trennen wollen, haben wir als Gesellschaft versagt. Femizid ist keine Privatsache. Das ist ein Verbrechen – und das geht uns alle an.
Wer Hilfe braucht: Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar unter 116 016 und online auf hilfetelefon.de. In akuten Notfällen sofort die 110 wählen.