Schleichprotest: Darum sind heute in ganz Norwegen die Straßen blockiert
Heute riecht es an den Hauptverkehrsstraßen nach Diesel und Frust. Wer die Entwicklungen der letzten Wochen verfolgt hat, für den kommt es vielleicht nicht überraschend – aber nun ist er also im Gange: der „Schleichprotest“. Ich verfolge die Autoindustrie und das Verkehrsgeschehen seit über zehn Jahren und ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt einen derart organisierten Widerstand erlebt haben. Es handelt sich nicht um einen zufälligen Stau, sondern um geplante, langsam fahrende Proteste, die den Berufsverkehr am Morgen und am Nachmittag in großen Teilen Süd-Norwegens prägen werden.
Was genau ist der „Schleichprotest“?
Dabei handelt es sich um eine Basisbewegung, die aus Frust über Mautgebühren und die Steuerpolitik entstanden ist. Es geht um einen Aufstand, insbesondere von Dieselfahrzeugbesitzern, die sich von allen Seiten in die Enge getrieben fühlen. Der „Schleichprotest“ ist ein Leitfaden für zivilen Ungehorsam, bei dem die Teilnehmer weit unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit fahren, um Staus zu verursachen, ihren Unmut sichtbar zu machen und die Hauptverkehrsadern praktisch lahmzulegen. Wenn Sie wissen wollen, wie sich das konkret auf Sie auswirkt: Es bedeutet, dass Sie extra viel Zeit einplanen sollten. Das ist keine spontane Aktion; sie wird über geschlossene Social-Media-Gruppen organisiert, und am Wochenende wurden Karten veröffentlicht, wo und wann es passieren soll.
Das wissen wir über die heutigen Proteste
Die Pläne sind seit einiger Zeit bekannt. Nach dem, was ich von Leuten gehört habe, die mit der Logistik vertraut sind, handelt es sich um mindestens ein Dutzend Aktionen, verteilt auf die meistbefahrenen Fernstraßen. Dahinter stecken dieselben Kreise, die schon für den Diesel-Aufstand im frühen Winter verantwortlich waren. Damals waren sie unzufrieden mit den Signalen aus dem Regierungsviertel – und jetzt legen sie nach. Im Raum Stavanger, im Großraum Oslo und entlang der E18 in Vestfold wird berichtet, dass die Fahrzeugkolonnen bereits unterwegs sind.
Ich habe heute mit mehreren Autofahrern gesprochen, die im Stau stecken, und der Frust geht auf beiden Seiten um. Während die Aktivisten argumentieren, dass dies der einzige Weg sei, um Gehör zu finden, sind die normalen Pendler besorgt, ob sie es rechtzeitig zur Arbeit oder in den Kindergarten schaffen. Die Polizei hat klargestellt, dass sie nicht eingreifen wird, solange keine gefährlichen Situationen entstehen, also scheint es, dass sich das den ganzen Tag hinziehen könnte.
- Wo: Hauptverkehrsstraßen in Oslo, Bergen, Stavanger, Trondheim und entlang der E6/E18.
- Wann: Die Spitzenzeiten sind auf die Morgenstunden (07:00–09:00) und den Nachmittag (15:00–18:00) gelegt.
- Wie: Kolonnenfahrt mit 30–40 km/h, obwohl 80 km/h oder mehr erlaubt sind.
- Warum: Forderung nach niedrigeren Mautgebühren und Rücknahme der Steuererhöhungen auf Diesel.
So manövrieren Sie durch das Stau-Chaos
Wenn Sie heute unbedingt unterwegs sein müssen, gilt eigentlich nur eine Schleichprotest-Leitfaden-Regel: Geduld und Umleitung. Ich habe eben noch einen Blick auf die Verkehrskarte geworfen, und es ist deutlich zu sehen, dass sich die roten Stau-Strecken ausbreiten. Meine Empfehlung ist, sich über die Verkehrsnachrichten im Radio oder auf den Live-Kanälen auf dem Laufenden zu halten. Das ist die Art von Protest, die anhält; es ist keine kurzzeitige Blockade.
Für diejenigen, die sich eine Bewertung zum Schleichprotest wünschen, also wie das Ganze funktioniert, muss ich sagen: Es ist beeindruckend organisiert. Aber die Frage ist, ob es den gewünschten Effekt erzielt. Die Regierung hat bisher wenig Reaktion gezeigt, aber wenn Leute ihren Stundenlohn verlieren und Kinder zu spät in den Kindergarten kommen, wird der Druck auf die Politik schnell enorm. Das ist ein klassisch norwegischer Konflikt zwischen der Logistik des Alltags und politischen Prinzipien.
Wie geht es weiter?
Der Hintergrund für den Aufruhr ist, dass viele das Gefühl haben, ihnen wurde ein Dieselauto mit Versprechungen von Umweltfreundlichkeit verkauft, nur um dann im Nachhinein finanziell bestraft zu werden. Jetzt reicht es ihnen. Ähnlich wie bei den Bauernprotesten im letzten Jahr nutzen sie die Straße als ihre größte Verhandlungsressource. Ich vermute, das ist erst der Anfang, wenn die Parteien sich nicht an einen Tisch setzen. Die Bewegung hat bereits angedeutet, dass dies bis zum Sommer eine wöchentliche Angelegenheit werden könnte.
Für Sie persönlich: Packen Sie sich ein Vesper, tanken Sie voll (auch wenn es teuer ist) und suchen Sie sich einen guten Podcast raus. Denn heute, zumindest heute, sind es die Langsamfahrer, die auf Norwegens Straßen den Ton angeben.