Irina Olsen über ihre Scheidung: "Ich hätte gehen sollen, als ich noch Geld auf dem Konto hatte"
Im dänischen Fernsehen gibt es selten solche Momente der Ehrlichkeit, dass man fast den Kaffee verschluckt. Aber genau so einen Moment erlebten wir kürzlich, als Irina Olsen im Studio eines großen dänischen Senders Platz nahm und über ihre Scheidung sprach. Der Satz, der in den sozialen Medien bereits ein Eigenleben entwickelt hat, lautet: "Ich hätte gehen sollen, als ich noch Geld auf dem Konto hatte." Peng. Damit hat sie sich sozusagen in die dänische Geschichte der denkbar schlechtesten Zeitpunkte, einen Mann zu verlassen, eingeschrieben.
Seien wir ehrlich: Wer war nicht schon in einer Beziehung, dachte "ich haue ab", wollte aber vorher noch die Finanzen regeln? Der Unterschied ist nur, dass die meisten von uns das nicht in der Hauptsendezeit laut aussprechen. Irina tat es und öffnete damit ein Fass voller Wiedererkennung – und eine gehörige Portion Debatte.
Geld, Scheidung und kalter Entzug
Es ist kein Geheimnis, dass Geld der Dritte im Bund in vielen Beziehungen ist. Besonders, wenn sie schiefgehen. Irina Olsen erzählte ehrlich, dass sie länger geblieben ist, als gut für sie war, weil das Konto leer war. Das ist die klassische Frauenfalle: Wir bleiben, weil wir es uns nicht leisten können zu gehen. Und wenn wir es endlich tun, stehen wir da mit einem Umzugskarton und einem Bankdarlehen, das wir vom Sofa einer Freundin aus neu verhandeln müssen.
Ihre Aussage hat viele zum Nicken gebracht. Ich sprach gestern mit einer Freundin, die sagte: "Bei mir war es genau dasselbe. Ich wartete, bis ich genug gespart hatte, und trotzdem war er überrascht." Es ist genau dieser Mechanismus, den Irina beleuchtet: Dass Frauen ihren Ausstieg oft wie eine militärische Operation planen, während Männer – verzeiht die Verallgemeinerung – es merken, wenn das Haus leer ist.
Gage für die Teilnahme – na und?
Dann kam die zweite Neuigkeit: Mehrere Medien konnten bestätigen, dass der Sender Irina für ihre Teilnahme bezahlt hat. Und schwupp, gab es Leute, die die Nase rümpften. "Sie bekommt Geld dafür, über ihre Scheidung zu sprechen?" Ja, willkommen in der Fernsehbranche, meine Damen und Herren. Das tun alle, die sich in die Sitze von Talkshows setzen. Das ist kein öffentlicher Dienst, das ist Unterhaltung. Die Frage ist eher: Warum sollte sie kein Geld bekommen? Sie legt doch ihre Seele und Verletzlichkeit auf dem Tablett dar. Das ist mindestens genauso hart wie in einer Reality-Show zu sein – und dort werden sie auch bezahlt.
Das Interessante ist nicht der Betrag, sondern dass wir überhaupt überrascht sind. Denn wenn bekannte Menschen ihr Innerstes nach außen kehren, dann doch wohl kaum, weil ihnen gerade der Gesprächspartner fehlt. Es ist Arbeit. Und Irina hat ihren Job gut gemacht. Sie hat uns dazu gebracht, über etwas zu reden, das wir sonst verstecken: Dass Geld eine Rolle spielt, auch in der Liebe.
Drei Dinge, die Irinas Interview uns gelehrt hat:
- Finanzielle Ungleichheit hält Frauen gefangen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis Gehälter und Pensionen so verteilt sind, dass beide gleichberechtigt gehen können.
- Es ist in Ordnung, in einer Beziehung über Geld zu sprechen. Es ist sogar notwendig, wenn man nicht damit enden will, heimlich die Flucht zu planen.
- Die Fernsehbranche ist ein Geschäft. Selbst die ehrlichsten Interviews sind eine Ware. Und das macht sie nicht weniger wertvoll.
In der Debatte wurde gefragt: Warum fällt es uns so schwer, wenn Frauen über ihre Scheidung "auspacken"? Gute Frage. Denn wenn ein Mann von einer teuren Scheidung erzählt, dann oft mit einem Achselzucken und einer Geschichte über einen teuren Anwalt. Wenn eine Frau es tut, wird ihre Glaubwürdigkeit erst mal auf einer Goldwaage gewogen. Irina selbst hat gesagt, sie hätte gehen sollen, als noch Geld da war – aber das ist ja genau der Punkt: Dass viele Frauen diesen Luxus nicht haben. Sie müssen bleiben, sparen und dann schließlich den Sprung wagen. Das hat sie getan. Und sie hat darüber gesprochen.
Ob man das nun zu viel, zu wenig oder zu spät fand, sei jedem selbst überlassen. Aber dass es eine dringend nötige Unterhaltung angestoßen hat, daran besteht wohl kein Zweifel. Und hey – wenn man ein bisschen Geld dafür bekommen kann, dass man uns klüger macht, dann sei es drum. Dann kann Irina zumindest sagen, dass sie ging, als das Geld da war. Dieses Mal aus dem Studio.