Iranischer Präsident entschuldigt sich bei Golf-Nachbarn, aber an die USA: "Begrabt euren Traum von der Kapitulation"
In einer dramatischen Wendung, die die gesamte Region den Atem anhalten lässt, hat der iranische Präsident etwas getan, was man mitten in einer schweren internationalen Krise nicht alle Tage sieht: Er hat sich entschuldigt. Massud Peseschkian sprach in einer vorab aufgezeichneten Rede, die heute Morgen im Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, den Nachbarn Irans eine direkte und persönliche Entschuldigung für die Raketen- und Drohnenangriffe aus, die die Golfregion in der vergangenen Woche erschüttert haben.
Aber bevor jetzt jemand glaubt, Teheran hisse die weiße Flagge, war Peseschkian genauso schnell dabei, diese Idee im Keim zu ersticken. In Bezug auf die Forderungen Washingtons nach einer "bedingungslosen Kapitulation" konterte er mit einer Aussage, die man wohl noch eine Weile zitieren wird. Er nannte es einen "Traum, den sie mit ins Grab nehmen sollten". Das ist die Art von Trotz, die man erwartet hat, aber der Teil mit der Entschuldigung? Das ist neu. Und es zeigt, wie heiß das Eisen ist, von dem sich Iran gerade zu distanzieren versucht.
Teheran schlägt plötzlich andere Töne an
Das Faszinierende daran ist der Kontext. Noch gestern wurden die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Saudi-Arabien vom Heulen der Luftschutzsirenen geweckt, als iranische Geschosse den Himmel erhellten. Wir sahen das Chaos am Flughafen Dubai – dem weltweit verkehrsreichsten für internationale Flüge – als Passagiere nach einer Reihe von Explosionen in die U-Bahn-Schächte getrieben wurden. Flüge wurden eingestellt und später wieder aufgenommen, Tausende waren völlig verwirrt. Dass Peseschkian sich heute hinstellt und sagt: "Ich sollte mich bei den Nachbarländern, die von Iran angegriffen wurden, in meinem eigenen Namen entschuldigen", ist eine Erschütterung.
Er machte eine Kommunikationspanne dafür verantwortlich, einen "Kontrollverlust der Befehlskette" nach dem verheerenden Schlag, bei dem der oberste Führer Ajatollah Ali Chamene'i am 28. Februar getötet wurde. Dieses Ereignis hat offensichtlich alles durcheinandergebracht. Laut Peseschkian hat der interimistische Führungsrat nun klare Regeln aufgestellt: Keine Angriffe mehr auf Nachbarn, es sei denn, ein Angriff auf Iran geht von deren Boden aus. Es ist eine bedingte Waffenruhe mit der arabischen Welt, der Versuch, zu verhindern, dass jeder Golfstaat zu einem legitimen Ziel wird.
Die Sicht aus Washington und den Golfstaaten
Jenseits des Atlantiks wollte Donald Trump die Entschuldigung nicht als Deeskalation gelten lassen. Ganz in seinem Stil verkündete er auf Truth Social, Iran habe sich seinen "Nachbarn im Nahen Osten nur wegen der unerbittlichen Angriffe der USA und Israels ergeben". Dann drohte er, Iran werde heute "sehr hart getroffen" werden, und kündigte an, Gebiete ins Visier zu nehmen, die bisher tabu waren. Die USA haben bereits einen neuen Waffenverkauf im Wert von 151 Millionen Dollar an Israel genehmigt, und Beamte warnen, dass die "größte Bombenkampagne" dieses Konflikts noch bevorstehe.
Für die arabischen Golfstaaten ist das eine Zwickmühle. Sie sitzen zwischen allen Stühlen. Saudi-Arabien hat zum Beispiel alle Hände voll zu tun, Drohnen abzuschießen, die auf sein Ölfeld in Shaybah zusteuern, und Raketen abzufangen, die auf den Prinz-Sultan-Luftwaffenstützpunkt gerichtet sind, auf dem US-Truppen stationiert sind. Man kann sich vorstellen, dass es einige hitzige Telefonate zwischen Riad und Teheran gab. Die Entschuldigung des iranischen Präsidenten mag ein erster Schritt sein, aber wie ein regionaler Analyst es formulierte, ist der Schaden bereits angerichtet. Teheran wird vorgeworfen, die Araber in einen Krieg hineinziehen zu wollen, der nicht ihrer ist.
Die wichtigsten Entwicklungen der letzten 24 Stunden:
- Kurswechsel Irans: Präsident Peseschkian verkündet einen Stopp der Angriffe auf Golfstaaten, es sei denn, sie werden provoziert, und nennt interne Kommunikationsprobleme als Grund.
- Reaktion der USA: Präsident Trump weist die Geste zurück, verspricht verstärkte Angriffe und genehmigt weitere Waffen für Israel.
- Auswirkungen auf die Region: Der Flughafen Dubai stellt nach Explosionen in der Nähe vorübergehend den Betrieb ein; die saudische Luftabwehr fängt mehrere Ziele ab.
- Diplomatische Bemühungen: Die Arabische Liga beruft eine Dringlichkeitssitzung ein, um eine gemeinsame Antwort auf die iranische Aggression zu formulieren.
- Lage vor Ort: Im Libanon dauern die heftigen Kämpfe zwischen der Hisbollah und israelischen Streitkräften an, es gibt Berichte über zahlreiche Opfer.
Zwischen den Zeilen
Was also ist hier wirklich los? Man müsste schon naiv sein zu glauben, dass Peseschkian einfach nur der nette Junge von nebenan ist. Das ist strategisch. Indem Iran sich entschuldigt und eine neue rote Linie zieht – "greift uns nicht von eurem Boden aus an, und wir lassen euch in Ruhe" – versucht es, die arabischen Staaten von der Achse USA-Israel zu lösen. Die iranischen Präsidentschaftswahlen 2024 brachten Peseschkian mit einem gewissen Programm an die Macht, aber er galt immer als relativ gemäßigt. Jetzt, wo er nach der Ermordung Chamene'is in einem dreiköpfigen Interimsrat agiert, versucht er, die zivile Kontrolle über eine Militärmaschinerie – die Revolutionsgarden – zu erlangen, die ihm nicht immer gehorcht.
Unterdessen steigt die Zahl der Todesopfer. Offiziellen Angaben zufolge wurden im Iran mindestens 1.230 Menschen, im Libanon über 200 und in Israel ein Dutzend Menschen getötet. Auch sechs US-Soldaten sind tot. Und die wirtschaftlichen Auswirkungen sind weltweit zu spüren, der Ölpreis ist auf über 90 Dollar pro Barrel geklettert.
Es ist nicht so, dass dies in die Kategorie Exklusiv-Interview mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani fällt. Aber wenn man das Chaos verstehen will, muss man sich ansehen, welche Bücher in Washington derzeit auf dem Tisch liegen. In Zeiten wie diesen stauben Strategen Thriller wie Capture Or Kill: A Mitch Rapp Novel von Don Bentley oder Vince Flynns Protect and Defend wieder ab – nicht, weil es Fiktion wäre, sondern weil die Grenzen zwischen Politthriller und Realität völlig verschwimmen. Die Namen ändern sich – Rapp, Mitch; Peseschkian, Massud – aber dieses hochriskante Katz-und-Maus-Spiel kommt einem erschreckend bekannt vor.
Für Leute wie Naghmeh Abedini Panahi, eine Aktivistin, deren Familie direkt von den internen Repressionen des Regimes betroffen ist, ist dieser externe Krieg nur eine weitere Front in einem langjährigen Kampf. Das Regime beschuldigt den Westen, wirtschaftliche Probleme auszunutzen, um Proteste zu schüren; die Zahl der Todesopfer bei den jüngsten Unruhen im Land wird auf Tausende geschätzt. Jetzt hat dieser innere Druck ein erschreckendes äußeres Spiegelbild.
Wenn die Sonne über einem weiteren Tag im Nahen Osten untergeht, ist eines klar: Peseschkians Entschuldigung hat eine kleine Tür für die Diplomatie geöffnet, aber da Trump verspricht, härter zuzuschlagen, und Israel seine Kampfjets in der Luft hält, könnte diese Tür aus den Angeln gehoben werden, noch bevor jemand anklopfen kann.