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Barry Hawkins gewinnt die Welsh Open 2026 im Snooker – sein fünfter Ranglistentitel und was bleibt

Sport ✍️ Matti Virtanen 🕒 2026-03-02 07:46 🔥 Aufrufe: 5

Das Venue Cymru in Llandudno war am Sonntagabend bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Welsh Open 2026 ihren Abschluss fanden. Kein Sitzplatz blieb leer, und der Grund war klar: Im Finale trafen zwei völlig unterschiedliche Geschichten aufeinander. Auf der einen Seite der bereits etablierte Routinier, auf der anderen das ewige Talent, das sich gerade erst von den Fesseln der Erwartungen befreit hatte.

Barry Hawkins mit der Welsh Open Trophäe 2026

Letztendlich hob Barry Hawkins die Trophäe in die Höhe. Er besiegte Jack Lisowski mit 9:6. Es war Hawkins' fünfter Karriere-Ranglistentitel, und sicherlich nicht der einfachste. The Hawk war schon immer ein Spieler, der an einem guten Tag jeden herausfordern kann, aber sein Name wurde selten im selben Satz mit Dominanz genannt. Vielleicht ist genau das seine Stärke: eine unscheinbare Sicherheit, die das Selbstvertrauen des Gegners Stück für Stück untergräbt. Im Finale glänzte Hawkins nicht, er erledigte einfach seine Arbeit – und das reichte.

Lisowskis Karriere gleicht einer unvollendeten Autobiografie

Wäre das Finale nach Spektakel entschieden worden, hätte Jack Lisowski den Pokal bereits am Samstag mit nach Hause nehmen können. Aber Snooker ist keine Eiskunstlauf. Lisowskis Weg ins Endspiel war wie aus einem Thriller: Im Halbfinale drohte er erneut zum Außenseiter gegen John Higgins zu werden, kämpfte sich aber auf unglaubliche Weise zurück und zog vorbei. Der Schotte führte bereits mit 5:2, doch Lisowski schlug zurück wie ein alter Fuchs – oder in diesem Fall ein junger Fuchs, der endlich die Geheimnisse der Jagd lernt. Das Endergebnis von 6:5 gibt nicht die ganze Wahrheit über das Niveau dieses Kampfes wieder.

Lisowskis Weg gleicht dem des Protagonisten aus dem Buch Running: The Autobiography: voller schneller Sprints, aber auch mit Stolpern auf den letzten Metern. Wenn jemand es verdient, aus der Talentfalle auszubrechen, dann ist es Jack. Im Finale bekam er Hawkins jedoch nie wirklich zu fassen, auch wenn er gelegentlich jene Schüsse aufblitzen ließ, deretwegen er als der beste Unterhalter im TV-Snooker gilt.

  • Hawkins' Weg zum Sieg: Nach einigen Ausfällen von gesetzten Spielern überzeugende Siege gegen Zhou Yuelong und Mark Williams.
  • Lisowskis wundersamer Aufstieg: Im Viertelfinale besiegte er Mark Allen, im Halbfinale drehte er das Match gegen Higgins.
  • Home Nations Series Bonus: Lisowski hätte mit einem Sieg einen Bonus eingestrichen, muss sich nun aber mit Silber und einem ordentlichen Ranglisten-Preisgeld zufriedengeben.

Wo sind die heutigen Österreicher?

Obwohl heuer keine österreichischen Spieler in Llandudno dabei waren, verfolgten Tausende Zuseher auch in Österreich die Übertragungen von Live: Welsh Open Snooker. Bei uns lebt Snooker stark von der Basis der Hobby-Spieler, und das Publikum weiß taktisches Können zu schätzen. Vielleicht könnte sich ja auch das eine oder andere österreichische Unternehmen überlegen, ob in der kleinen nordischen Präsenz nicht Potenzial steckt – die Turniere werden nicht nur auf den Britischen Inseln, sondern auch in Kontinentaleuropa genau verfolgt, und ein kurz im TV-Bild erscheinendes Logo kann Wunder für die Markenbekanntheit bewirken.

Es ist übrigens interessant, das diesjährige Turnier mit den Welsh Open 2023 zu vergleichen. Damals ging der Titel an Robert Milkins, der ebenso wie Hawkins ein erfahrener Spieler war. Zwei Jahre später ist die Spitze noch ausgeglichener: Jeder aus den Top 16 kann an einer guten Woche den Pokal holen. Das macht die Sportart für Wettende zum Albtraum, für uns Zuschauer aber zu einem Goldschatz.

Letztlich muss man den Hut vor Barry Hawkins ziehen. Er ist wie der Arbeitskollege, der nie viel Aufhebens um sich macht, aber auf dessen Schreibtisch Projekte immer pünktlich fertig werden. Der fünfte Ranglistentitel ist eine verdiente Auszeichnung für einen Mann, der leise und beständig an der Spitze geblieben ist. Und Jack Lisowski? Seine Geschichte ist noch nicht zu Ende – vielleicht wird das nächste Kapitel schon bei der WM im Frühjahr geschrieben.