Nordkorea gegen China: Stahlrosen sichern sich in einem packenden Spiel in Sydney den Gruppensieg in Gruppe B
Wer am Montagabend nicht gebannt vor dem Bildschirm im Western Sydney Stadium saß, hat ein wahres Fußballfest verpasst. In einer Partie, die alles bot – rasantes Tempo, sehenswerte Abschlüsse und eine VAR-Entscheidung, die eine Seite zur Weißglut trieb –, entrissen die Titelverteidigerinnen aus China einer starken nordkoreanischen Mannschaft mit 2:1 den Sieg. Dieses Ergebnis sichert den Stahlrosen nicht nur den ersten Platz in der Gruppe B, sondern beschert den Matildas auch ein Viertelfinale in Perth, das die Arena zum Beben bringen wird.
Eine erste Halbzeit für die Geschichtsbücher
Seien wir ehrlich: Niemand erwartete, dass sich diese beiden asiatischen Schwergewichte etwas schenken würden, und sie enttäuschten nicht. Nordkorea ging um die halbe Stunde in Führung, als Han Jin-Hong die rechte Seite herunterstürmte und einen perfekten Ball auf Kim Kyong-Yong legte, die ihn nur noch einschieben musste. Ein so klinischer Abschluss, wie man ihn vom Neuntplatzierten der Weltrangliste erwartet. Aber diese chinesische Mannschaft unter Ante Milicic hat eines: Charakter. Nur zwei Minuten später waren sie wieder auf Augenhöhe. Eine schöne Kombination befreite Außenverteidigerin Chen Qiaozhu, und sie hämmerte das Leder aus der Distanz ins untere Eck. Das Spiel war wieder offen.
Der VAR-Sturm, der die Uhr anhalten ließ
Dann kam der Moment, über den man noch die ganze Woche sprechen wird. Tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte kam ein hoher Freistoß zur Verteidigerin Zhang Chengxue, die quer zur quirligen Wang Shuang ablegte. Sie schob den Ball an der Torhüterin vorbei, aber sofort ging die Fahne des Linienrichters hoch – Abseits. Das Chaos war perfekt. Die VAR-Überprüfung fühlte sich an wie eine Ewigkeit, doch als der Schiedsrichter auf den Mittelpunkt zeigte, kochte Sydney. Das Tor zählte. Die nordkoreanischen Spielerinnen waren außer sich, weigerten sich, das Spiel wiederaufzunehmen und verschwanden noch vor dem Halbzeitpfiff wütend im Spielertunnel.
So etwas sieht man nicht alle Tage. Es war reines Theater und verschob die gesamte Dynamik des Spiels.
Kampf in der zweiten Halbzeit und ein volles Haus in Aussicht
Die Nordkoreanerinnen kamen mit Feuereifer aus der Kabine und jagten dem Ausgleich hinterher. Sie dachten, sie hätten ihn in der 80. Minute erzielt, als Star-Stürmerin Choe Il-Son einnetzte, nur um dann wieder von der Linienrichter-Fahne ausgebremst zu werden. China hielt dagegen, überstand die Druckphase und sicherte sich den 2:1-Sieg und die Tabellenführung.
Dieses Ergebnis bedeutet, dass die Schlacht Nordkorea gegen China nicht nur um die Prestige ging – sie zeichnet die gesamte K.o.-Phase neu. Für die Matildas ist es ein harter Brocken. Anstatt einen möglicherweise einfacheren Weg zu haben, müssen sie sich nun auf heimischem Boden in Perth am Freitagabend mit einer angeschlagenen, aber Weltklasse- nordkoreanischen Mannschaft messen. Der Gewinner dieser Partie zieht nicht nur ins Halbfinale ein, sondern sichert sich auch das Ticket für die Frauen-WM 2027 in Brasilien.
China hingegen umgeht das Gastgeberland und trifft auf den Zweitplatzierten der Gruppe C – wahrscheinlich Chinese Taipei oder Vietnam – eine auf dem Papier weitaus weniger abschreckende Aufgabe.
Warum Newcastle der geheime Trumpf gewesen sein könnte
Man muss die Vorbereitung loben. Vor all dem Sydney-Drama waren die Stahlrosen in Newcastle und haben am Darling Street Oval und am No.2 Sportsground hart gearbeitet. Co-Trainer Ivan Jolic erwähnte damals, dass die Anlagen ihnen das perfekte "Zuhause auf Zeit" für die Vorbereitung boten. Wenn man sieht, wie sie der Physis und dem Druck Nordkoreas standhielten, wurde in dieser Zeit im Hunter-Gebiet eindeutig ein solides Fundament gelegt. Es ist eine Erinnerung daran, dass Turniersiege nicht nur am Spieltag, sondern in den stillen Wochen davor errungen werden.
Der weitere Weg: Darauf sollte man achten
Für neutrale Zuschauer hat dieses Turnier gerade nochmal einen Zahn zugelegt. Hier ist die Analyse der Konsequenzen:
- Für Nordkorea: Sie werden wegen der VAR-Entscheidung kochen, aber sie müssen schnell das Blatt wenden. Gegen ein aufgeheiztes Matildas-Team vor feindlichem Publikum in Perth anzutreten, ist eine riesige Herausforderung, aber wenn jemand Wut in Leistung ummünzen kann, dann dieser Kader.
- Für China: Milicics Mannschaft hat Momentum und einen relativ ruhigeren Weg ins Halbfinale. Wang Shuang sieht stark aus, und die Abwehr zeigte trotz des frühen Gegentores echte Widerstandsfähigkeit.
- Für die Matildas: Das ist der ultimative Test. Joe Montemurro nannte das Unentschieden gegen Südkorea einen "Ausrutscher", aber jetzt treffen sie auf eine nordkoreanische Mannschaft, die wohl sogar noch stärker ist. Es ist ein Sudden Death, und sie werden in absoluter Bestform sein müssen.
Der Montagabend in Sydney hat uns daran erinnert, warum wir diesen Sport lieben. Es war schnell, leidenschaftlich und hatte eine Prise Kontroverse, die die Diskussionsforen zum Glühen bringt. Jetzt richtet sich der Blick gen Westen. Nordkorea gegen Australien in einem K.o.-Finale? Ich bin dabei.