Richard Osman verlässt «House of Games»: Der Verlust für die BBC ist ein Milliardengewinn für die Kriminalliteratur

Fast ein Jahrzehnt lang war Richard Osmans House of Games der stille Kronjuwel im BBC-Tagesprogramm. Clever, ohne arrogant zu wirken, herzlich, aber nie kitschig – es war das fernsehliche Äquivalent zu einem geliebten Kaschmirpullover. Umso mehr Wellen schlägt die Nachricht, dass Osman nun nach neun Jahren endgültig als Moderator zurücktritt. Der Mann selbst zeigte sich wie gewohnt grosszügig und bedankte sich auf seine bedachte Art beim Publikum. Doch die Insider, mit denen ich gesprochen habe, zeichnen ein klareres Bild: Es ist nicht so, dass dieser Mann ausgebrannt ist; vielmehr setzt er jetzt voll auf eine Karte.
Die Zahlen lügen nicht: Bücher statt Plaudereien
Nennen wir es beim Namen. Richard Osman ist still und heimlich zu einem der lukrativsten literarischen Vermögenswerte des Landes geworden. Seine Thursday Murder Club-Reihe hat sich nicht nur gut verkauft; sie hat die Bestsellerlisten erobert und die Aufmerksamkeit Hollywoods erregt. Wenn man auf einem derart erfolgreichen Franchise sitzt, muss man irgendwo Abstriche machen. Und dieser Abstriche ist der Fernsehjob, den er, ehrlich gesagt, bereits perfektioniert hatte. Die Spin-Off-Serie Richard Osmans House of Games Night hat bewiesen, dass das Format Potenzial hat, doch der Mann selbst hat offensichtlich ein anderes Ziel vor Augen. Man verlässt nicht ein garantiertes Millionenpublikum, wenn man nicht etwas Grösserem nachjagt.
Die Folgewirkung: Wer ist hier der eigentliche Gewinner?
Und hier wird es kommerziell interessant. Osmans vollwertige Rückkehr an den Schreibtisch ist nicht nur eine gute Nachricht für seinen eigenen Verlag. Die gesamte Sparte der Kriminalliteratur wird bald den positiven Effekt zu spüren bekommen. Betreten Sie eine beliebige Buchhandlung, und Sie werden sehen, wie sich die Regale unter der Last von Schwergewichten wie The Proving Ground: Ein Fall für Mickey Haller und The Killing Stones: Ein Fall für Jimmy Perez biegen. Das sind die Bücher, zu denen die Leser greifen, nachdem sie Osmans neuesten Band verschlungen haben. Er ist das Einstiegstor in die anspruchsvolle Kriminalliteratur, und seine gesteigerte Produktivität bedeutet mehr Leser, die in das Ökosystem eingespeist werden, von dem Autoren wie Connelly und Cleeves leben. Die Anzugträger in den Verlagen – diejenigen, die normalerweise in Panik verfallen, wenn ein grosser Name still wird – heben jetzt still die Gläser. Sie wissen: Osmans Fokus bedeutet eine steigende Flut für das gesamte Genre.
Die BBC hat ein Problem
Für den Sender ist es jedoch ein echtes Problem. Richard Osmans House of Games war nicht einfach nur eine Sendung; es war ein Pflichttermin für eine Zielgruppe, die bei Werbekunden sehr begehrt ist. Diese Chemie zu ersetzen – diese besondere Mischung aus sanftem, wissendem Witz – ist keine einfache Sache, bei der man nur ein neues Gesicht präsentieren muss. Die Gerüchte aus dem New Broadcasting House deuten darauf hin, dass man bereits hektisch Nachfolger vorsprechen lässt, aber ich wette auf einen langen und holprigen Übergang. Neun Jahre Publikumsvertrauen kann man nicht über Nacht herstellen.
Was wir hier wirklich erleben, ist die letzte Phase einer bemerkenswerten beruflichen Neuausrichtung. Osman kam durchs Fernsehen, machte sich einen Namen als der grosse Mann mit den Fakten und verlässt jetzt die Bühne, um hauptberuflich zum literarischen Schwergewicht zu werden. Es ist ein Schritt, der gleichermassen kommerziell wie kreativ Sinn ergibt. Fachleute sind überzeugt, dass sein nächstes Buch – was auch immer es sein wird – sein bisher erfolgreichstes sein wird. Und irgendwo in einem BBC-Büro starrt ein Programmplaner auf eine Lücke im 16-Uhr-Sendeplatz und fragt sich, wie um alles in der Welt man einen Mann ersetzen soll, der bereits zum Inventar gehörte.
- Die offene Stelle: Das BBC-Tagesprogramm hat eine Lücke in einem seiner Aushängeschilder, und es ist kein offensichtlicher Nachfolger in Sicht.
- Die Nutzniesser: Krimiautoren aller Couleur – von Connelly bis Cleeves – werden von Osmans verstärktem literarischen Fokus profitieren.
- Das Fazit: Der Wert der persönlichen Marke Richard Osman ist durch die Entscheidung für Bücher und gegen das Fernsehen gerade enorm gestiegen.