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Primorsk im Visier: Drohnenangriff auf Ölterminal heizt Spannungen in der Ostsee an

Inland ✍️ Erik Holmström 🕒 2026-03-23 17:15 🔥 Aufrufe: 2

Wer schon einmal auf der E18 Richtung Osten bis zur Grenze gefahren ist oder vielleicht die Fähre von Helsinki genommen hat, weiss: Primorsk – oder Björkö, wie wir Älteren den Ort immer noch nennen – ist mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte. Es ist ein Ort mit einer schweren Geschichte. Und in der Nacht wurde er erneut zum Zentrum einer neuen Art von Konflikt, der nur ein paar hundert Kilometer von unseren eigenen Küsten pulsiert.

Rauch über dem Gebiet nach gemeldeten Drohnenangriffen

Gestern Abend ging der Alarm los. Ukrainische Drohnen sollen einen der strategisch wichtigsten Punkte im gesamten Ostseeraum getroffen haben: das Ölterminal in Primorsk. Für alle, die mit der Geografie nicht vertraut sind – es geht um den Rajon Primorsk in der Oblast Leningrad, dem Herzstück des russischen Ölexports aus dem Finnischen Meerbusen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gegend in den Schlagzeilen ist, aber die diesmalige Intensität lässt die Lage anders erscheinen.

Ich stand selbst an der Kaimauer dort, als ich vor einigen Jahren eine Recherchereise entlang des östlichen Finnischen Meerbusens machte. Damals war es still, fast unheimlich ruhig. Die Winde vom Meer strichen über die riesigen Lagertanks. Aber heute sprechen wir von einem Ort, der sich in eine Kriegszone verwandelt hat. Nach den Informationen, die aus der Region durchsickern – und die man in solchen Lagen mit der gebotenen Vorsicht aufnehmen muss –, handelte es sich um einen präzise geführten Angriff.

Was wissen wir wirklich? Lassen Sie uns das Geschehene aufschlüsseln, ohne uns in Spekulationen zu verlieren:

  • Das Ziel: Getroffen wurde der Ölterminals von Transneft in Primorsk. Ein Drehkreuz, an dem das russische Öl auf Schiffe verladen wird, um nach Europa und auf andere Märkte transportiert zu werden. Ein Treffer hier wirkt sich direkt auf die Kriegskasse Russlands aus.
  • Die Sekundärwirkung: Fast unmittelbar nach dem Angriff wurde der Flughafen Pulkowo in Sankt Petersburg geschlossen. Das ist in Russland bei Drohnenalarm ein Standardverfahren, zeigt aber, wie angespannt die Lage ist. Die Distanz zwischen Primorsk und Sankt Petersburg ist in diesem Zusammenhang ein Katzensprung.
  • Die Reichweite: Die Rede ist von einer Distanz von weit über tausend Kilometern vom ukrainischen Territorium. Das sagt einiges darüber aus, wie sehr sich dieser Konflikt ausgeweitet hat und wie verwundbar selbst weit im Hinterland gelegene Infrastruktur ist.

Das sind keine Mutmassungen, aber es wird deutlich, dass die Angriffe auf russische Ölraffinerien und -terminals in eine neue Phase eingetreten sind. Letzte Woche traf es die Raffinerie Bashneft-Ufaneftekhim. Jetzt steht Primorsk im Fokus. Die Strategie der ukrainischen Seite scheint darauf abzuzielen, systematisch die Logistikkette zu zerschlagen, die die russische Kriegsmaschinerie mit Treibstoff versorgt.

Für uns hier in der Schweiz, und in der gesamten Ostseeregion, ist das zutiefst beunruhigend. Primorsk ist kein isolierter Ort. Es ist ein Teil unserer gemeinsamen Infrastruktur hier im Norden. Wenn dort die Spannungen steigen, spüren wir das auch. Es geht nicht darum, Alarmismus zu betreiben; es geht darum, ehrlich zu sein. Die Situation im Gebiet um Primorsko – verzeihen Sie, ich verwende aus Gewohnheit immer noch den russischen Namen – ist eine deutliche Erinnerung daran, dass der Konflikt andauert und uns geografisch ganz nah ist.

Die nächsten Tage werden entscheidend sein. Werden wir weitere Angriffe auf Energieanlagen sehen? Wie wird Transneft reagieren? Und was am wichtigsten ist: Wie wird sich der Schiffsverkehr im Finnischen Meerbusen auswirken? Das sind Fragen, die ich mir stelle, während ich hier in der Redaktion mit Blick auf eine graue, aber ruhige Ostsee sitze. Die Ruhe hier zuhause ist trügerisch, und was wir gestern Abend in Björkö (um den alten finnischen Namen zu verwenden) gesehen haben, zeigt das mit aller Deutlichkeit.