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Brand an Bord der USS Gerald R. Ford: Der mächtigste Flugzeugträger der Welt auf dem Prüfstand im Roten Meer

Militär ✍️ Philippe Brejon 🕒 2026-03-18 00:51 🔥 Aufrufe: 1

Es gibt Bilder, die aussagekräftiger sind als jede offizielle Verlautbarung. Dieses hier, aufgenommen vom Flugdeck der USS Gerald R. Ford, als ein MH-60 Knighthawk im schrägen Licht startet, strahlt schiere Macht aus. Doch hinter den Kulissen durchlebt der amerikanische Gigant einen ganz anderen Sturm.

Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford auf See

Waschraum in Flammen, 600 Matrosen an Deck

Es ist der 12. März 2026. Die USS Gerald R. Ford (CVN-78) ist im Rahmen der Operation Epic Fury, dieser massiven Militärantwort gegen den Iran, im Roten Meer im Einsatz. Plötzlich Alarm. Die Rauchmelder. Die Gänge füllen sich mit Rauch. Das Feuer ist in den Lüftungsschächten des Hauptwaschraums ausgebrochen. Nichts «Glorreiches», nur ein Brandherd, der hätte eskalieren können.

Was die ersten Mitteilungen der US-Marine als kleineren Zwischenfall darstellten – «zwei Matrosen leicht verletzt, das Schiff voll einsatzfähig» – dauerte in Wirklichkeit über dreissig Stunden. Dreissig Stunden Kampf gegen die Glutnester in den Luftkanälen. Die Bilanz: Über 600 Matrosen aus ihren Kojen evakuiert, einige mussten auf dem nackten Boden in Werkstätten oder unter den Flugdecks schlafen, die zu Notquartieren umfunktioniert wurden. Keine Schwerverletzten, aber die Moral wurde hart auf die Probe gestellt.

Das nukleare Monstrum und seine Verletzlichkeiten

Die USS Gerald R. Ford ist der teuerste und fortschrittlichste Flugzeugträger, der je gebaut wurde. Nuklearantrieb, 100'000 Tonnen, 75 Flugzeuge und das berühmte EMALS-System zum Katapultieren der Jets. Ein technologisches Aushängeschild. Doch diese Komplexität hat ihren Preis. Der Brand offenbarte die Schwachstellen ihrer integrierten Architektur: Sobald die Flammen ins Lüftungssystem eindringen, ist das ganze Schiff vernetzt. Eine echte Herausforderung für die Sicherheitsteams.

Und das ist nicht die erste Panne. Der aktuelle Einsatz scheint endlos – bald zehn Monate ununterbrochen auf See, ein Rekord seit Jahrzehnten. Ganz zu schweigen von den wiederkehrenden sanitärtechnischen Problemen. Das Vakuumsystem der Toiletten, eine Technologie, die von Kreuzfahrtschiffen übernommen wurde, ist regelmässig überlastet. In den Rohren wurden Stofffetzen und sogar Seile gefunden. Die Techniker schrubben 19-Stunden-Schichten, um die Toiletten zu entstopfen. Das Bild des allmächtigen Onkel Sam bekommt Kratzer.

Vom Roten Meer in die Karibik – die Jagd nach dem Iran

Was dieses Schiff so strategisch macht, ist seine Mobilität. Bevor es den Iran im Golf jagte, war die Trägerkampfgruppe der Ford vor Venezuela im Einsatz zur Bekämpfung des Drogenhandels. Sie durchquerte den Suezkanal, legte auf Kreta an und durchstreift heute das Rote Meer, um jeden Versuch einer Blockade der Strasse von Hormus zu verhindern.

Der Kontext ist brisant. Die USA und Israel befinden sich offiziell im Krieg mit Teheran, und die Ford ist das Kernstück der Streitmacht. Natürlich liessen es sich die Iraner nicht nehmen, den Brand zu kommentieren: «Das ist erst der Anfang, eure Probleme sind hausgemacht.» Kriegspropaganda, sicher, aber sie sitzt bei einer erschöpften Besatzung.

Das Gespenst der USS John D. Ford

Wenn man ein wenig in der Geschichte gräbt, entdeckt man, dass der Name «USS Ford» nicht neu ist. In den 1920er-Jahren durchstreifte ein Zerstörer namens USS John D. Ford (DD-228) bereits die Chinesischen Meere. Dieses kleine Schiff der Clemson-Klasse, mit nur vier Kanonen bewaffnet, trotzte 1942 in der verheerenden Schlacht in der Javasee der japanischen Flotte. Es überlebte, steckte Schläge ein und beendete seine Karriere als Truppentransporter.

Es gibt eine verblüffende Parallele zwischen diesem unverwüstlichen «kleinen Ford» und dem heutigen Giganten. Beide haben Feuer, Erschöpfung und Feinde getrotzt. Als ob in der DNA der US Navy der Name Ford für Widerstandsfähigkeit stünde. Der alte Zerstörer wurde 1947 verschrottet. Der Flugzeugträger hingegen hat gerade bewiesen, dass er einen Schlag einstecken und im Einsatz bleiben kann.

Die Waschmaschine – des Pentagons Achillesferse?

Letztlich erinnert uns diese Episode an eine einfache, aber oft vergessene Wahrheit: Ein Flugzeugträger, selbst mit Nuklearantrieb, bleibt eine schwimmende Stadt mit 5000 Seelen. Mit ihren Rohrleitungen, Waschmaschinen, Pannen und schmutziger Wäsche. Der Unterschied ist, dass hier die schmutzige Wäsche mitten im Kriegsgebiet gewaschen wird, unter der Drohung ballistischer Raketen und Drohnen. Der Waschraumbrand der Ford ist kein pikantes Detail, er ist ein Alarmzeichen. Er zeigt die Grenzen der Hypertechnologie auf, wenn der menschliche Faktor – und seine Erschöpfung – ins Spiel kommt. Und er bringt eine Frage wieder aufs Tapet, die nur dieses Schiff stellen kann: Wie weit kann man die Maschine treiben, bevor sie kaputtgeht?

Zusammengefasst, das Wichtigste:

  • Der Vorfall: Grosser Brand in der Waschraumlüftung am 12. März, nach 30 Stunden unter Kontrolle.
  • Die menschlichen Kosten: Zwei Matrosen leicht verletzt, aber über 600 Personen aus ihren Schlafplätzen ausquartiert.
  • Der Kontext: Die USS Gerald R. Ford ist seit fast 10 Monaten im Kampfeinsatz gegen den Iran (Operation Epic Fury).
  • Die Vorgeschichte: Das Schiff leidet bereits unter wiederkehrenden Problemen mit seinem Abwassersystem.
  • Das Vermächtnis: Eine andere USS Ford, der Zerstörer John D. Ford, überlebte 1942 erbitterte Kämpfe.