Streumunition zielt erneut auf Zivilisten: Der unvergessliche Tag in Mykolajiw und Charkiw im Jahr 2022
Der Krieg ist nicht vorbei. Der schwarze Rauch, der im Februar 2022 den Himmel über Charkiw verdunkelte, und das Grauen der Streumunition, die Wohngebiete in Mykolajiw traf, haben bis heute tiefe Wunden im Boden der Ukraine hinterlassen. Durch die jüngste Verschärfung der Angriffe der russischen Armee im Osten und Süden der Ukraine ist das Wort „Streumunition“ wieder in den Fokus der internationalen Gemeinschaft gerückt. Aber woran wir uns erinnern müssen, ist nicht nur die Bezeichnung einer Waffe, sondern die tragischen Geschichten der Zivilbevölkerung, die sie hinterlassen hat.
Das Tabu der internationalen Gemeinschaft missachtet: Das Grauen ignoriert das 'Übereinkommen über Streumunition'
Streumunition ist eine Waffe, die Hunderte kleinerer Bomben verteilt, um gleichzeitig eine große Fläche anzugreifen. So verheerend ihre Zerstörungskraft ist, so haben über 100 Staaten das Übereinkommen über Streumunition unterzeichnet und damit den Einsatz, die Herstellung und die Weitergabe dieser Waffe vollständig verboten. Der Krieg in der Ukraine jedoch hat schonungslos gezeigt, wie wirkungslos ein solches Tabu in der Realität sein kann. Besonders in der Anfangszeit des Jahres 2022, so wurde es vor Ort berichtet, habe die russische Armee wahllos Streumunition auf die großen Städte der Ukraine abgefeuert, darunter Charkiw und Mykolajiw.
Charkiw im Februar 2022 und der Aufschrei von Mykolajiw
Der Streumunition Beschuss Charkiw im Februar 2022, kurz nach Kriegsbeginn, war die reine Hölle auf Erden. Die Streumunition schlug unterschiedslos in Wohngebieten, Schulen und Krankenhäusern ein und verwandelte sichere Räume der Zivilbevölkerung über Nacht in Stätten des Massakers. Nur wenige Monate später wiederholte sich die gleiche Tragödie in der Schwarzmeerstadt Mykolajiw. Die damals vor Ort überlieferten Szenen des Streumunition Beschusses von Mykolajiw zeigten eindringlich die zahlreichen Opfer in der Nähe von Parks und Spielplätzen. Dies war nicht mehr nur eine militärische Auseinandersetzung, sondern lieferte unausweichlich Kritik als eindeutiges Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung.
Ein Fluch, der im Boden zurückbleibt: Die Zeitbombe der 'Blindgänger'
Das grössere Problem jedoch ist, dass es bis heute andauert. Die grösste Gefahr von Streumunition geht von den Blindgängern aus. Viele der unzähligen kleinen Bomben explodieren beim Aufprall nicht sofort, sondern bleiben unbehoben in Feldern und Dörfern vergraben. Es ist, als wären Millionen von Landminen über das ganze Land verstreut worden. Berichten zufolge kommt es selbst vier Jahre nach Kriegsbeginn in den Aussenbezirken von Charkiw und Mykolajiw immer wieder zu Unfällen, bei denen Zivilisten beim Bewirtschaften ihrer Felder oder beim Sammeln von Altmetall versehentlich einen Blindgänger berühren und dabei ums Leben kommen. Schreckliche Vorfälle, bei denen Kinder sie für Spielzeug halten, machen allen Bewohnern dieses Landes die Angst vor dem nie endenden Krieg aufs Neue bewusst.
Was die Streumunition hinterlassen hat, sind zerstörte Städte, Menschen, die nicht zurückkehren können, und Blindgänger, die das Land noch für Jahrzehnte bedrohen werden. Das Grauen des Krieges ist keine Geschichte, die man nur aus der Ferne auf einem Bildschirm verfolgt. Genau in diesem Moment, jetzt, sind immer noch Menschen durch die Splitter der Streumunition von jenem Tag im Jahr 2022 in Lebensgefahr.
- Die Grausamkeit der Streumunition: Unterschiedslose Tötung auf grosser Fläche, Untergrabung des Prinzips des Schutzes von Zivilisten
- Bedrohung für zukünftige Generationen: Langfristige Sicherheitsgefahr durch Blindgänger, Verwüstung von landwirtschaftlichen Flächen
- Fehlen einer internationalen Reaktion: Neuerliche Debatte über die Wirksamkeit des Übereinkommens über Streumunition
Kann man sagen, der Krieg sei vorbei? Zumindest der Tag, an dem der Himmel und der Boden der Ukraine vollständig sicher sind, ist noch nicht gekommen. Die Streumunition von damals verharrt immer noch in diesem Boden und setzt ihr stummes Morden fort.