Gina Carano im exklusiven Gespräch: MMA-Legende über 'In The Blood', ihr Leben in den Dolomiten und den Zustand der Kampfsport-Szene
Wenn man in den späten 2000er-Jahren Kampfsport verfolgt hat, dann weiß man: Der Name Gina Carano stand nicht einfach für eine Kämpferin – sie war das Gesicht des Frauen-MMA, lange bevor die UFC überhaupt eine Bantamgewichtsklasse hatte. Die Frau, die sie "Crush" nannten, headlinte Shows im Fernsehen, als die meisten Promoter Frauenkämpfe noch als exotische Nummer abtaten. Nachdem sie den Käfig gegen Filmsets und in letzter Zeit gegen die alpine Ruhe Norditaliens eingetauscht hat, bricht Carano jetzt endlich ihr Schweigen.
In einem intensiven und offenen Gespräch, das diese Woche veröffentlicht wurde, nahm sich die 42-Jährige Zeit, um über alles zu sprechen: von ihrem Vermächtnis im Ring bis zu ihrem unerwarteten neuen Lebensabschnitt, der sie mit Koffer in den Dolomiten leben lässt. Es ist die Art von Gespräch, auf die Fans jahrelang gewartet haben – keine PR-Floskeln, nur klare Worte von einer Frau, die immer ihren eigenen Weg gegangen ist.
Vom Pioneer nach Hollywood und zurück in die Berge
Caranos Weg verlief alles andere als geradlinig. Nachdem sie mit einer Rekordbilanz (12-1-1) aus dem aktiven Wettkampfgeschehen ausstieg, stürzte sie sich kopfüber in die Schauspielerei, landete Rollen neben Schwergewichten wie Dwayne Johnson und später im Action-Thriller 'In The Blood' von 2014 – ein Film, in dem sie ihre eigenen Stunts performte und alle daran erinnerte, warum sie einst als die härteste Frau der Welt galt. Doch in letzter Zeit hat sie die Scheinwerfer Hollywoods gegen die anspruchsvollen Pfade der italienischen Alpen eingetauscht.
"Ich musste durchatmen", gab sie während des Gesprächs zu, als sie über ihre Dreharbeiten zu einem Projekt in den Dolomiten sprach. "Diese rohe Energie der Berge hat etwas – sie klärt den Kopf. Man denkt nicht an Drehbücher oder Verträge; man denkt nur daran, den nächsten Grat zu erreichen." Das ist weit weg vom Johlen der Menge im Mandalay Bay, aber für Carano scheint es genau der richtige Ort im Moment zu sein.
Der Zustand des Kampfsports: Eine ernüchternde Einschätzung
Natürlich kann man sich nicht mit Gina Carano zusammensetzen, ohne über den Sport zu sprechen, der sie berühmt gemacht hat. Und sie nahm kein Blatt vor den Mund. Als sie nach der aktuellen Landschaft des Mixed Martial Arts – insbesondere der UFC – gefragt wurde, verfinsterte sich ihr Blick. Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Veteranen von der Organisation entfremdet fühlen, die sie mitaufgebaut haben. Erst letzten Monat nahm ihre Zeitgenossin Ronda Rousey kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Promotion im Hinblick auf langfristige Unterstützung und Respekt als "einen der schlechtesten Orte für Kämpfer".
Carano nickte zustimmend. "Ronda hat nicht unrecht", sagte sie. "Wir haben für diese Firma geblutet – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir waren diejenigen, die Risiken eingingen, unsere Gesundheit riskierten, und ja, das Geld war eine Zeit lang gut. Aber was kommt danach? Wo ist die Rente? Wo ist die Krankenversicherung für die Leute, die in diesem Käfig fast gestorben sind? Es ist ein knallhartes Geschäft, und ich glaube, vielen in der neuen Generation ist nicht bewusst, wie schnell einen das System verschlucken und wieder ausspucken kann."
Sie hielt inne und fügte mit einem süffisanten Lächeln hinzu: "Wahrscheinlich bin ich deshalb gerade glücklicher beim Wandern in den Dolomiten, als auf einer Pressekonferenz zu sitzen."
Was kommt als Nächstes für Gina Carano?
Was hält die Zukunft also für die Frau bereit, die einst eine Veranstaltung headlinte, die über eine Million Pay-per-View-Käufe generierte? Laut ihrem Umfeld ist in naher Zukunft nicht mit einem Comeback im Käfig zu rechnen – auch wenn sie einen Grappling-Kampf "just for fun" nicht ausschloss. Stattdessen konzentriert sie sich darauf, eigene Inhalte zu produzieren, mit besonderem Interesse an Geschichten, die Action mit authentischer emotionaler Tiefe verbinden. Eher weniger Superheldenfilme, eher so etwas wie 'In The Blood' trifft alpinen Noir.
Hier ein kurzer Überblick, worauf Carano aktuell ihren Fokus legt:
- Produzieren: Entwicklung eines Herzensprojekts, das in den italienischen Alpen spielt und das sie als "Fargo mit Kletterausrüstung" beschreibt.
- Schreiben: Arbeit an einer Autobiografie, die ihr Leben vom Käfig bis zur Leinwand abdeckt, inklusive einiger "unbekannter Geschichten" über die Anfänge des Frauen-MMA.
- Engagement: Stille Unterstützung von Initiativen, die sich für eine bessere Versorgung von Kämpfern nach ihrer aktiven Karriere einsetzen.
Und wie sieht es mit der Möglichkeit aus, wieder ganz ins Rampenlicht zurückzukehren? "Sag niemals nie", grinste sie. "Aber wenn, dann zu meinen Bedingungen. Ihr werdet mich nicht dabei sehen, wie ich einem Gürtel oder einem Gehaltsscheck hinterherjage. Wenn ich wieder ins Rampenlicht trete, dann weil die Geschichte es wert ist, erzählt zu werden."
Für eine ganze Generation von Fans, die mit ihr aufgewachsen ist und sie dominieren sah, ist das mehr als genug. Gina Carano hat den Käfig vielleicht hinter sich gelassen, aber ihre Stimme – und ihre einzigartige Perspektive auf den Kampfsport – war noch nie so wichtig wie heute.