Benicio del Toro: Die Kunst des Schauspiels, seine legendärsten Rollen – und warum ein Oscar «nichts ändert»
Es gibt Filmstars, und dann gibt es Schauspieler, die auf einer ganz anderen Frequenz senden. Benicio del Toro beweist seit dreissig Jahren, dass er zu Letzteren gehört. Mit dieser unverwechselbar rauchigen Stimme, diesen schweren Lidern, die im Handumdrehen von bedrohlich zu traurig wechseln können, spielt er nicht einfach Charaktere – er verkörpert sie so vollständig, dass man vergisst, einer Performance zuzusehen. Wann immer sein Name fällt, kommt unweigerlich Spekulationen über Preise auf, doch del Toro selbst bleibt bekanntermassen unbeeindruckt. Vor einiger Zeit, als der Oscar-Trubel um ihn besonders laut wurde, winkte er im Grunde nur ab – mit einem Satz, der seine ganze Einstellung zusammenfasst: Ob man gewinnt oder verliert, ändert nichts. Für jemanden, der bereits einen dieser goldenen Männer für Traffic im Regal stehen hat, ist das keine Arroganz – es ist einfach die Wahrheit. Die Arbeit zählt.
Und was für eine Arbeit das war. Del Toro hat ein Gespür dafür, den menschlichen Puls in überlebensgrossen Figuren zu finden. Denken Sie an Dr. Gonzo in Fear and Loathing in Las Vegas. Auf dem Papier ist das eine Karikatur – ein 300 Pfund schwerer samoanischer Anwalt auf einem Rausch biblischen Ausmasses. Aber del Toro fand die verschwitzte, verzweifelte, seltsam verletzliche Seele im Chaos. Er machte das Monster real – unendlich schwieriger, als es als Witz zu spielen. Dann ist da Jack Jordan in 21 Grams. Falls Sie den Film seit der 21 Grams (Blu-ray)-Wiederveröffentlichung nicht mehr gesehen haben, tun Sie sich einen Gefallen. Seine Darstellung eines Ex-Sträflings, der Gott sucht, nur um dann erneut vor den Trümmern seiner Welt zu stehen, ist ein offener Nerv. Ein Meisterkurs in dem, was Schauspielstudenten ehrfurchtsvoll Die Kunst des Schauspiels nennen – diese Art von intensiver, körperlicher Verwandlung, die Narben hinterlässt. In jeder Einstellung spürt man die Last der Trauer dieses Mannes.
Der Mann jagt keinem Ruhm hinterher. Er sucht die Wahrheit. Ob er sich nun einer historischen Figur wie Padre Benito del Toro annimmt oder einem kleinen Independent-Film stille Tiefe verleiht – er behandelt jede Rolle mit der gleichen Hingabe. Er hat über seine eigenen Senseis gesprochen, die Meister, von denen er lernte, aber das Endprodukt ist pure Eigenkreation. Man ertappt ihn nie dabei, wie er spielt; man erlebt, wie er ist.
Wenn man sich sein wesentliches Schaffen anschaut, sind dies die Werke, die die Kunst des Fachs definieren:
- Fear and Loathing in Las Vegas (1998): Die ultimative Gonzo-Performance. Entfesselt, komisch und irgendwie zutiefst menschlich.
- 21 Grams (2003): Ein schonungsloser, herzzerreissender Tauchgang in Schuld und Erlösung. Absolutes Muss.
- Traffic (2000): Seine oscargekrönte Verwandlung in Javier Rodriguez. Eine Lektion darin, mit einem Blick mehr zu sagen, als die meisten Schauspieler mit einem Monolog.
Unterm Strich bleibt Benicio del Toro Hollywoods liebster Aussenseiter – ein Star, der sich mit dem Starruhm selbst nie ganz wohlzufühlen scheint. Wenn die Oscars verliehen werden, wird man ihn nicht im Saal herumschwirren sehen. Er ist dann woanders, wahrscheinlich schon wieder in die nächste Figur versunken, und tut das Einzige, was je zählte. Einfach spielen.