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Der Zauberer im Kreml: Jude Laws Putin löst Diskussionen aus – hier sind die ersten Reaktionen

Kultur ✍️ Erik Andersson 🕒 2026-03-13 08:36 🔥 Aufrufe: 1
Jude Law in Der Zauberer im Kreml

Wenige Rolleninterpretationen waren im Vorfeld so aufgeladen. Als feststand, dass Jude Law für Olivier Assayas' Der Zauberer im Kreml in die Haut von Wladimir Putin schlüpfen würde, waren die Erwartungen enorm. Nun liegen die ersten Kritiken österreichischer Filmjournalisten vor, und das sich abzeichnende Bild ist so komplex wie die Hauptfigur selbst. Es ist ein Film, der sich einfachen Antworten verweigert und stattdessen das Porträt eines Mannes zeichnet, der hinter den dicken Mauern der Macht verborgen ist.

Wir folgen einer fiktiven Version Putins, von seiner Zeit als relativ unbekannter Bürokrat im korrupten St. Petersburg der 90er Jahre bis zu seinem endgültigen Aufstieg zum starken Mann der Nation. Assayas, ein Meister der Darstellung fragmentierter Identitäten, verwebt historische Ereignisse mit einer fast klaustrophobischen Präsenz. Es ist weit mehr als eine traditionelle Filmbiografie, vielmehr eine surreale und mitunter erschreckende Reise in ein von Paranoia und Machtgier geformtes Bewusstsein.

Ein Zauberer ohne Tricks

Jude Law liefert keine Imitation ab. Er kopiert nicht einfach Putins Gangart oder Mimik. Stattdessen tut er etwas weitaus Schwierigeres – er verkörpert die Seele. Mit eisiger Ruhe und einem Blick, der innerhalb eines Herzschlags von leer zu bedrohlich wechseln kann, erschafft er eine Figur, die sowohl erschreckend als auch, wider Erwarten, mitunter erbärmlich wirkt. Bei einem der renommiertesten Kritiker des Landes heißt es, Law schaffe es, gleichzeitig komisch und grausam zu sein, oft in ein und derselben Szene. Ein Balanceakt, der hätte scheitern können, hier aber zum absoluten Kern des Films wird.

Was hängen bleibt, sind nicht die großen politischen Spiele, sondern die stillen Momente. Die Szenen, in denen wir ihn einsam in einem verlassenen Badezimmer sehen, oder wenn er seine Berater mit der gleichen Neugier betrachtet wie eine Schlange eine Maus. Die Regie lässt uns erahnen, dass der größte Trick des Zauberers vielleicht darin besteht, die Außenwelt – und vielleicht sich selbst – davon zu überzeugen, dass er die absolute Kontrolle hat.

Was sagen die Kritiker?

Die österreichischen Kritiker sind sich einig, dass dies ein Film ist, den man ernst nehmen muss, auch wenn die Meinungen über das Endergebnis etwas auseinandergehen. Hier sind die wiederkehrenden Themen in den Besprechungen:

  • Jude Laws Leistung: Wird unisono als außergewöhnlich gefeiert. Er trägt den Film auf seinen Schultern und macht die Figur gleichermaßen faszinierend wie abstoßend.
  • Regie und Ton: Assayas mischt Satire, Psychodrama und Politthriller mit sicherer Hand. Das Ergebnis ist allerdings, so einige Stimmen, mitunter uneinheitlich.
  • Erzählperspektive: Der Film basiert lose auf dem kontroversen Buch gleichen Namens und hat bereits vor der Premiere für Diskussionen gesorgt. Mehrere Kritiker merken an, dass er differenzierter sei als seine Vorlage.
  • Gesamteindruck: Hier gehen die Meinungen auseinander. In einer Kritik des ORF wird er als "monotones Drama" bezeichnet, das nie so richtig abhebe, während andere ihn als eines der wichtigsten Filmwerke des Jahres sehen. Ein anderer gewichtiger Kritiker hebt hervor, wie er die absurden und schonungslosen Mechanismen der russischen Macht einfängt.

Unabhängig davon, wo man in seiner Beurteilung landet: Der Zauberer im Kreml ist ein Film, der provoziert und fesselt. Er ist ein Gesprächsthema, das noch lange nachdem der Abspann gelaufen ist, nachwirken wird. Für uns, die von der Psychologie der Macht fasziniert sind, ist er ein absolutes Muss im Kino. Selten sieht man einen zeitgenössischen Führer mit solcher Komplexität porträtiert, ohne dabei verherrlicht oder vereinfacht zu werden. Es ist ein Film für jene, die es wagen, dem Blick des Zauberers selbst zu begegnen.