Der Zauberer im Kreml: Jude Laws Putin entfacht Debatte – hier sind die ersten Reaktionen
Wenige Rollendarstellungen waren im Vorfeld derart aufgeladen. Als feststand, dass Jude Law für Olivier Assayas in Der Zauberer im Kreml in Wladimir Putins Haut schlüpfen würde, waren die Erwartungen hoch. Nun liegen die ersten Kritiken der Schweizer Filmjournalisten vor – und das entstehende Bild ist so komplex wie die Hauptfigur selbst. Es ist ein Film, der sich einfachen Antworten verweigert und stattdessen ein Porträt eines Mannes zeichnet, der sich hinter den dicken Mauern der Macht versteckt.
Wir begleiten eine fiktive Version Putins, von seiner Zeit als relativ unbekannter Bürokrat im korrupten St. Petersburg der 90er-Jahre bis zu seinem endgültigen Aufstieg zum starken Mann der Nation. Assayas, der Meister der Darstellung fragmentierter Identitäten, verwebt historische Ereignisse mit einer fast klaustrophobischen Präsenz. Es ist weit mehr als eine traditionelle Filmbiografie, vielmehr eine surreale und mitunter erschreckende Reise in ein Gemüt, das von Paranoia und Machtgier geformt wurde.
Ein Zauberer ohne Tricks
Jude Law imitiert nicht. Er kopiert nicht Putins Gangart oder Mimik wie ein Abziehbild. Stattdessen tut er etwas weitaus Schwierigeres – er verkörpert die Seele. Mit einer eiskalten Ruhe und einem Blick, der innerhalb eines Herzschlags von leer zu bedrohlich wechseln kann, erschafft er eine Figur, die sowohl erschreckend als auch, wider Erwarten, mitunter erbärmlich wirkt. Ein führender Kritiker des Landes beschreibt es so, dass Law es schaffe, zugleich komisch und grausam zu sein, oft in derselben Szene. Es ist ein Balanceakt, der hätte scheitern können, hier aber zum absoluten Dreh- und Angelpunkt des Films wird.
Hängenbleiben tun nicht die großen politischen Spiele, sondern die stillen Momente. Die Szenen, in denen wir ihn allein in einem trostlosen Badezimmer sehen, oder wenn er seine Berater mit der gleichen Neugier betrachtet wie eine Schlange eine Maus. Die Inszenierung lässt uns erahnen, dass der größte Trick des Zauberers vielleicht darin besteht, die Welt – und vielleicht sich selbst – davon zu überzeugen, dass er die vollständige Kontrolle hat.
Was sagen die Kritiker?
Die Schweizer Kritiker sind sich einig, dass dies ein Film ist, den man ernst nehmen muss, auch wenn die Meinungen über das Endergebnis etwas auseinandergehen. Hier sind die durchgängigen Themen in den Besprechungen:
- Jude Laws Leistung: Wird unisono als etwas ganz Besonderes gefeiert. Er trägt den Film auf seinen Schultern und macht die Figur sowohl faszinierend als auch abstossend.
- Regie und Ton: Assayas mischt Satire, Psychodrama und Politthriller mit sicherer Hand. Das Ergebnis ist jedoch, so einige, stellenweise unausgeglichen.
- Erzählperspektive: Der Film basiert lose auf dem kontroversen Buch gleichen Namens und hat bereits vor der Premiere Debatten ausgelöst. Mehrere Kritiker merken an, dass es ihm gelingt, nuancierter zu sein als seine Vorlage.
- Gesamteindruck: Hier gehen die Meinungen auseinander. Ein Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nennt ihn ein "monotones Drama", das nie so richtig abhebe, während andere ihn als eines der wichtigsten Filmwerke des Jahres sehen. Ein anderer gewichtiger Beobachter hebt hervor, wie der Film die absurden und schonungslosen Mechanismen der russischen Macht einfängt.
Unabhängig davon, wo man in seiner Beurteilung landet: Der Zauberer im Kreml ist ein Film, der provoziert und fesselt. Er ist ein Gesprächsthema, das noch lange nach dem Abspann nachhallen wird. Für uns, die von der Psychologie der Macht fasziniert sind, ist dies ein Muss im Kino. Es kommt selten vor, dass ein zeitgenössischer Anführer mit solcher Komplexität dargestellt wird, ohne dabei verherrlicht oder vereinfacht zu werden. Es ist ein Film für jene, die es wagen, dem Zauberer selbst in die Augen zu blicken.