Israel verschärft Vorgehen gegen Hisbollah – Zehntausende im Libanon auf der Flucht

Neue Phase im Konflikt: "Rettet euer Leben"
Israel hat nach eigenen Angaben eine neue Phase der Operation gegen die Hisbollah im Libanon eingeleitet. Am Montag wurden Zehntausende Zivilisten im Süden Beiruts und in anderen Teilen Südlibanons aufgefordert, ihre Häuser sofort zu verlassen. "Rettet euer Leben, evakuiert jetzt", lautete der Befehl des israelischen Militärs, das zeitgleich seine Luftangriffe auf die sogenannte Infrastruktur der Hisbollah verstärkte. Auf den Fluchtwegen südlich von Beirut sind Autos zu sehen, die überladen mit Menschen und Habseligkeiten in einem verzweifelten Versuch sind, der Gewalt zu entkommen. Ein einheimischer Helfer vor Ort beschreibt das Chaos: "Es herrscht völlige Panik. Die Leute wissen nicht, wohin sie sollen, sie fahren einfach los."
Hintergrund: Explosionen und gezielte Tötungen
Die jüngste Eskalation folgt auf eine Reihe schwerer Schläge gegen die Hisbollah. Erst vor ein paar Wochen wurde der Libanon von einer koordinierten Welle von Explosionen erschüttert, die sich gegen Mitglieder der Organisation richteten. Die Angriffe mit elektronischen Geräten 2024, wie sie bereits genannt werden, brachten Tausende Pager und Walkie-Talkies in den Taschen von Hisbollah-Anhängern zur Detonation – eine ausgeklügelte Geheimdienstoperation, die weithin dem israelischen Geheimdienst zugeschrieben wird. Die Angriffe töteten Dutzende und verletzten Tausende, und legten große Teile des Kommunikationsnetzes der Hisbollah lahm. Eine mit der Sicherheitsapparatur vertraute Quelle bestätigt, dass der Anschlag lange geplant war und darauf abzielte, maximales Chaos zu stiften.
Nur Tage später wurde bestätigt, dass der Generalsekretär der Hisbollah, der charismatische und langjährige Führer Hassan Nasrallah, bei einem israelischen Luftangriff im Süden Beiruts getötet wurde. Nasrallah, der die Bewegung über drei Jahrzehnte führte, war der Stratege hinter dem Aufbau der Hisbollah und eine Ikone des Widerstands gegen Israel. Sein Tod ist ein ungemein harter Schlag für die Organisation, die nun um den Erhalt ihrer Führungsstruktur und Moral kämpft. Innerhalb der Partei ist nun von einer Zeit der Dunkelheit die Rede, aber auch davon, dass die Rache blutig sein wird.
"Das ist unser Alltag" – Leben unter dem Bombenhagel
Vor Ort im Südlibanon beschreiben die Menschen einen Alltag, der von ständigem Tod und Zerstörung geprägt ist. Ein Mann, der gerade aus der Grenzstadt Marjayoun geflohen ist, sagt: "Wir wachen von Bomben auf, schlafen mit Bombendonner ein und versuchen, zwischen den Schlägen zu überleben. Das ist jetzt unser Alltag, aber es macht es nicht leichter." Die israelischen Angriffe haben allein in der letzten Woche schätzungsweise eine halbe Million Menschen aus ihren Häusern vertrieben, und viele von ihnen schlafen jetzt in Schulen, Parks oder auf offenen Feldern in Beirut und anderen Städten. Die Ressourcen sind so gut wie nicht vorhanden, und Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.
Wichtige Ereignisse der jüngsten Eskalation
- Mitte September 2024: Tausende Pager und Kommunikationsgeräte explodieren im Libanon und in Syrien, gezielt gegen Hisbollah-Mitglieder. Mindestens 37 Tote und über 3.000 Verletzte.
- Ende September 2024: Ein hochrangiger Hisbollah-Kommandeur wird bei einem Luftangriff auf Beirut getötet.
- 27. September 2024: Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah wird bei einem massiven israelischen Bombenangriff auf den Süden Beiruts getötet.
- 30. September 2024: Israel erlässt Evakuierungsbefehle für Teile des Südens Beiruts und Südlibanons und leitet eine "neue Phase" ein – was von vielen als bevorstehende Bodenoffensive gedeutet wird.
Was passiert jetzt? Die Gefahr eines großen Konflikts
Mit der Hisbollah ins Wanken geraten und Israel, das seine Militärkampagne fortsetzt, stellt sich die Frage, ob die Region auf einen umfassenden Krieg zusteuert. Die Hisbollah hat über viele Jahre ein umfangreiches Raketenarsenal aufgebaut, und die Gruppe hat bereits Hunderte Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Gleichzeitig hat sich der Iran, der Hauptunterstützer der Hisbollah, bisher zurückgehalten, direkt einzugreifen. Aber diplomatische Quellen in der Region deuten an, dass ein breiter Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon der zündende Funke sein könnte, der weitere Parteien in den Konflikt hineinzieht. Für die Libanesen, die bereits unter einer schweren Wirtschaftskrise leiden, bedeutet der Krieg eine neue Katastrophe. Die Flüchtlinge aus dem Süden kommen in einem Beirut an, das selbst bombardiert wurde und in dem die Hilfe bei weitem nicht ausreicht. "Wir haben keinen Ort, wo wir hin können", sagt eine ältere Frau, die wir am Stadtrand treffen. "Wir wollen einfach nur in Frieden leben, aber hier gibt es keinen Frieden."