Stephen Graham ist überall: Vom Psychothriller „Heel“ bis zum Horror-Meister Stephen Graham Jones
Momentan kommt man am Namen Stephen Graham nicht vorbei – und das ist verdammt gut so. Während wir ihn im Kino in einer seiner unangenehmsten Rollen seiner Karriere sehen, erobert ein anderer Stephen Graham Jones mit einem der originellsten Vampirromane seit Jahrzehnten die Bestsellerlisten. Verwirrt? Kommen Sie mit, wir bringen Licht ins Dunkel und stellen zwei Künstler vor, die denselben Namen tragen, aber jeweils auf ihrem eigenen Gebiet auf absolutem Top-Niveau spielen.
Ein Familienvater in der Hölle: „Heel“ ist genau so düster, wie Sie es sich erhoffen
Zuerst müssen wir über den Film sprechen, der am 6. März in den Kinos gestartet ist. Stephen Graham („Adolescence“, „Boiling Point“) ist zurück, und diesmal ist er unheimlicher denn je. In „Heel“ (der ursprünglich beim Filmfestival in Toronto im letzten Herbst den Titel „Good Boy“ trug) spielt er Chris, einen Familienvater, der in einem scheinbar friedlichen Vorstadthaus lebt. Zusammen mit seiner Frau Kathryn (eine unheimlich gute Andrea Riseborough) entführt er den jungen, gewalttätigen 19-jährigen Tommy (Anson Boon). Das Ziel? Ihn im Keller anketten und die Gewalt aus ihm „herauszu reformieren“.
Dies ist nicht Ihr üblicher Rachethriller. Regisseur Jan Komasa („Corpus Christi“) erschafft ein klaustrophobisches Psychodrama, in dem die Grenzen zwischen Opfer und Henker verschwimmen. Für diejenigen unter uns, die Graham seit „This Is England“ verfolgen, ist es fasziniernd zu sehen, wie er seine Fähigkeit, Verletzlichkeit darzustellen – dieselbe Verletzlichkeit, die ihm im Januar einen wohlverdienten Golden Globe für „Adolescence“ einbrachte – nutzt, um etwas zutiefst Beunruhigendes zu schaffen. Man hasst Chris, aber man kann nicht anders, als hinzusehen. Die Kritiker sind sich einig in ihrem Lob für die Chemie zwischen Graham und Riseborough. Dies ist ein Film, der sich ins Mark setzt.
Von der Leinwand zur Buchseite: Eine ganz andere Art von Horror
Während Sie „Heel“ verdauen, ist es der perfekte Zeitpunkt, in die Literatur einzutauchen. Denn wer googelt und auf Stephen Graham Jones (ja, mit Nachnamen) stößt, dem erwartet eine ganz andere, aber ebenso intensive Erfahrung.
Sein neuester Roman, „The Buffalo Hunter Hunter“, erschien im März letzten Jahres und wurde bereits als Meisterwerk abgestempelt. Er wurde als „Moby-Dick des Horrors“ bezeichnet, und es ist nicht schwer zu verstehen, warum. Jones, Professor und Mitglied der Blackfeet-Nation, liefert eine vielschichtige Geschichte. Über ein Tagebuch aus dem Jahr 1912 lernen wir Good Stab kennen, einen Blackfoot-Indianer, der einem Priester in der Beichte sein Leben erzählt – und wie er zu etwas Nicht-Menschlichem wurde. Es ist eine Erzählung über Kolonialismus, Rache und Blut, und es ist vielleicht die intelligenteste Vampirgeschichte seit „Interview mit einem Vampir“.
Jones spielt mit dem Format auf eine Weise, die einem ein Kribbeln über den ganzen Körper jagt. Er selbst sagte in einem Interview, dass er jedem Erzähler seine eigenen „Schreibregeln“ gegeben habe – der eine nutzt Semikola, der andere lange Gedankenstriche – um die Stimmen auseinanderzuhalten. Es ist diese Art von Handwerkskunst, die das Buch gleichzeitig episch und persönlich wirken lässt.
Zwei Künstler, ein roter Faden
Es ist eigentlich ziemlich berührend zu sehen, wie beide Stephen Grahams mit ihren Wurzeln arbeiten. Der Schauspieler, der aus Kirkby in Liverpool stammt und in seiner Emmy-Dankesrede sagte: „So etwas passiert einem Kind wie mir nicht“, fand über eine lokale Videothek den Weg zur Filmseele. Er war stets volksnah, bodenständig, und in „Heel“ stellt er das Heimische komplett auf den Kopf.
Der Autor Jones nutzt seine Erfahrungen aus dem Blackfeet-Reservat, um eine Welt zu erschaffen, in der übernatürliche Wesen nicht nur Monster sind, sondern Träger von Geschichte und Traumata. Das ist eine Tiefe, die einen das Buch noch lange nach dem Zuklappen nicht loslassen lässt.
Wenn Sie Ihre Kunst gerne mit roher Nervenstärke und echten Gefühlen serviert bekommen, dann erleben wir gerade eine goldene Ära.
Zusammengefasst: Was müssen Sie sich unbedingt ansehen?
- Im Kino: „Heel“ mit Stephen Graham. Nehmen Sie jemanden an die Hand, das wird ein intensiver Kinobesuch.
- Im Bücherregal: „The Buffalo Hunter Hunter“ von Stephen Graham Jones. Perfekt für alle, die historische Epen mit einer vampirischen Wendung lieben.
- Bonus: Haben Sie „Adolescence“ auf Netflix noch nicht gesehen? Tun Sie es. Sehen Sie, wie Graham sich sowohl als Autor als auch als Schauspieler einen Emmy erspielt und -geschrieben hat. Es ist die perfekte Einstimmung auf „Heel“.
Egal, ob Sie Fan von unangenehmen Filmen oder literarischem Horror sind, der Name Graham liefert im Frühjahr 2026 die Ware ab. Laufen Sie, gehen Sie nicht.