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Pau Cubarsí sieht Rot: Wie eine Nacht jugendlichen Übermuts zur Champions-League-Krise für Barça wurde

Fußball ✍️ James Fletcher 🕒 2026-04-08 22:37 🔥 Aufrufe: 1
Pau Cubarsí verlässt nach der Roten Karte den Platz

Es gibt Nächte, die eine Saison prägen – und dann gibt es solche, die eine Karriere definieren. Für Pau Cubarsí wird der Dienstagabend im Estadi Olímpic Lluís Companys leider aus den falschen Gründen als Letzteres in Erinnerung bleiben. Kurz vor dem Halbzeitpfiff musste das junge Barca-Schild die frühe Dusche nehmen und ließ seine Teamkollegen gegen ein gnadenloses Atlético Madrid im Stich.

Lassen Sie uns die Szene rekonstruieren: 41. Minute. Hochspannung. Julian Álvarez – beim Spiel seines Lebens – spielt einen butterweichen Pass durch die Nadelöhr. Giuliano Simeone ist blitzschnall durchgestartet, hat nur noch Grünfläche und den Keeper vor sich. Pau Cubarsí ist der letzte Mann. Er muss eine Entscheidung treffen. Er tut es. Er hackt dem Stürmer von hinten auf die Fersen, Simeone fällt wie von der Kanone geschossen.

Schiedsrichter Istvan Kovacs zückt zunächst den Karton. Gelb. Aufatmen, oder? Eine Lebensader für die Katalanen. Doch halt. Der VAR, dieses allsehende Auge am Himmel, hat andere Pläne. Christian Dingert im Keller schaut sich die Szene noch einmal an – und da war klar, dass das Blatt sich wendet.

Kovacs trabt zum Monitor. Wir alle kennen diesen Gang. Es ist der Gang des Untergangs. Ein Blick, ein kurzes Gespräch – und die Karte wechselt die Farbe. Von Gelb zu Blutrot. Pau Cubarsí ist raus. Vereitelung einer klaren Torchance. Es ist hart, es ist niederschmetternd, aber nach den Regeln? Die meisten Neutralen in der Kneipe würden zustimmend nicken.

Warum die Fußballgötter es gerade auf Barca abgesehen haben:

  • Die direkte Bestrafung: Als ob der Platzverweis nicht schon schlimm genug wäre, schnappt sich Julian Álvarez den fälligen Freistoß. Oberer Winkel. Unhaltbar. 1:0 zurück – und in Unterzahl. Ein Doppelschlag, der jeder Mannschaft den Wind aus den Segeln nehmen würde.
  • Der erschwerende Faktor: Cubarsí ist kein Rüpel. Er ist 19 Jahre alt, hat gerade seinen Vertrag bis 2029 verlängert. Er ist die Zukunft der spanischen Abwehr. Das war keine Absicht, sondern schlicht... Verzweiflung.
  • Die Sperre: Und jetzt kommt der eigentliche Hammer. Da es eine glatte Rote wegen Torchancenvereitelung war, ist Pau Cubarsí für das Rückspiel im Metropolitano gesperrt. Da hilft auch kein Einspruch.

Der Junge tut einem leid. Die Zahlen lügen nicht – seine Ballkontakte und Passquote liegen im 93. Perzentil aller Innenverteidiger. Er ist nicht nur ein Grätscher, er ist ein Spielmacher aus der Abwehr. Ihn für das Rückspiel zu verlieren, ist womöglich ein größerer Schlag als das Gegentor heute Abend.

Als er vom Platz ging, sah man die Fassungslosigkeit in seinen Augen. Pau Cubarsí ist normalerweise so abgeklärt, so reif für sein Alter. Doch heute Nacht wurde ihm dieser jugendliche Elan – genau das, was ihn so stark macht, wenn er aus der Kette herausgeht – zum Verhängnis. Eine Lehrstunde im härtesten Klassenzimmer, das man sich vorstellen kann: Champions-League-K.o.-Fußball.

Was bedeutet das für Hansi Flick? Er muss improvisieren. Mit Íñigo Martínez und dem Rest der Abwehrkette müssen sie ohne ihr Kronjuwel ins Wanda reisen. Können sie die Burg halten? Oder wird dieser eine Moment der Verzweiflung von Pau Cubarsí zum Sinnbild für Barcelonas europäisches Aus? Eines ist sicher: Das Rückspiel ist jetzt um einiges brisanter geworden.