Zenia Stampe in Gummistiefeln: So spaltet die Schweinedebatte Bornholm und die Landwirtschaft
Zenia Stampe in Gummistiefeln, umgeben von Schweinen und mit Schlamm bis zu den Knien. Das war das Bild, als die politische Führerin der Radikalen am Mittwochnachmittag mit Lebensmittelminister Jacob Jensen (V) zusammentraf – nicht auf Christiansborg, sondern mitten in einem Schweinestall. Denn wenn der Wahlkampf so richtig Fahrt aufnimmt, kann man nicht einfach am Schreibtisch sitzen und über Agrarpolitik reden. Man muss raus und sie spüren.
Es war ein eher unkonventioneller Rahmen für eine politische Debatte. Aber das Thema hätte kaum traditioneller dänisch sein können: die Zukunft der Schweineproduktion. Zenia Stampe, die nie einen Hehl aus ihrer grünen Agenda gemacht hat, sollte erklären, wie man Ambitionen für eine geringere und bessere Produktion mit einer Industrie vereinbaren kann, die die Grundlage für Tausende von Arbeitsplätzen ist. Und hier wurde es richtig interessant.
Denn während die Debatte in den Ställen über Tierwohl und Klima ging, prallt dasselbe Thema auf Bornholm auf eine ganz andere Realität. Hier fürchtet man, dass politische Entscheidungen in Kopenhagen der Insel lebenswichtige Arbeitsplätze kosten könnten. Wenn ein tatsächlicher Stopp für die Erweiterung oder die Einrichtung neuer Schweinebestände eingeführt wird, droht Danish Crowns Schlachthof in Rønne die Schweine zum Schlachten auszugehen. Und im schlimmsten Fall könnte das die Schließung bedeuten.
Der Vorsitzende von Bornholms Landwirtschaft & Ernährung hat bereits Alarm geschlagen: Ein solcher Eingriff würde die Insel härter treffen als die meisten anderen Orte. Denn Bornholm ist nicht nur eine Ferieninsel – es ist auch eine Insel, auf der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion die Räder am Laufen halten. Und der Schlachthof in Rønne ist einer der ganz großen Eckpfeiler.
Zwei Frauen, zwei Wirklichkeiten
Während Zenia Stampe im Stall stand und für eine Zukunft mit weniger, aber nachhaltigeren Schweinen argumentierte, saß vielleicht eine ganz andere Frau zu Hause auf Bornholm und dachte über ihre Zukunft nach. Es ist der klassische Konflikt zwischen der grünen Transformation und den lokalen Arbeitsplätzen. Und genau jetzt prallen die beiden Welten im Wahlkampf aufeinander.
- Zenia Stampe betont, dass wir weniger, aber teureres Fleisch produzieren sollten – gerne biologisch – damit der Landwirt davon leben kann und das Klima es verkraftet.
- Lebensmittelminister Jacob Jensen (V) sieht dagegen Lösungen in Technologie und Effizienzsteigerung: weniger Emissionen pro Schwein, damit die Produktion aufrechterhalten werden kann.
- Auf Bornholm kämpft man darum, Arbeitsplätze zu erhalten, und fürchtet, dass die Kompromisse der Hauptstadt der Insel am Ende die Lebensader kosten.
Ich verfolge die dänische Politik seit über zwanzig Jahren, und ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der Venstre und die Radikalen fast wie verlängerte Arme voneinander waren. Heute stehen sie auf verschiedenen Seiten des Schweinepfads. Diese Wahl wird nicht nur eine Auseinandersetzung um die Macht – es wird eine Auseinandersetzung darum, in welche Richtung sich die dänische Landwirtschaft drehen soll. Und egal, was man von Zenia Stampes Politik hält, muss man anerkennen, dass sie es geschafft hat, die Debatte aus den warmen Büros hinaus in die konkreteste Realität der dänischen Landwirtschaft zu verlegen.
Also, wenn Sie das nächste Mal im Supermarkt vor einer Packung Bacon stehen und wählen, denken Sie daran: In jeder einzelnen Scheibe steckt ein politischer Kampf. Und mitten in diesem Kampf steht Zenia Stampe – mit den Gummistiefeln fest im Boden verankert.