Pistons demontieren 76ers (131-109): Spielanalyse und Schlüsselmomente
Es gibt Spiele, bei denen man schon beim Aufwärmen riecht, dass eine Zeitenwende ansteht. Das gestrige in der Little Caesars Arena war so eines. Die Detroit Pistons haben die Philadelphia 76ers mit einer unverschämten Autorität regelrecht 131-109 zerlegt. Das ist kein gewöhnlicher Sieg: Es ist der zweite Erfolg in Folge für die Mannschaft aus der Motor City nach einer Serie von vier Niederlagen, die erste Zweifel aufkommen liess. Und das gegen ein Team, das zwar verletzungsbedingt geschwächt ist, aber immer noch Namen in seinen Reihen hat, die in dieser Liga Gewicht haben. Denn ja, Philadelphia vermisste seinen Big Man, aber das war gestern eine Frage des Teams, des Hungers und des totalen Basketballs.
Die Demontage: Eine offensive Maschine namens Detroit
Wenn man eine ehrliche Zusammenfassung des Spiels machen will, springt einem als Erstes die verblüffende Leichtigkeit ins Auge, mit der die Pistons den Ball laufen liessen. Es gab Momente im zweiten Viertel, mit einem 38-24-Zwischenspurt, da hatte man das Gefühl, sie spielten gegen ein G-League-Team. Die Verteidigung der Sixers, von Nick Nurse einstudiert, versuchte alles: automatische Wechsel, Zonen, ständige Hilfe... aber nichts konnte den lokalen Vorsprung auch nur ankratzen. Die Mannschaft aus Detroit traf 52% aus dem Feld und 45% von der Dreierlinie – Zahlen wie aus einem Videospiel.
Wer eine schnelle Erklärung sucht, wie diese Schlacht zustande kam, der sollte sich die Arbeit der Centers anschauen. Das Fehlen von Embiid machte sich vor dem eigenen Korb mehr bemerkbar als vor dem gegnerischen. Die Pistons konnten in der Zone machen, was sie wollten – sowohl beim Punkten als auch beim Generieren von zweiten Chancen. Besonders die Arbeit von Duren und Stewart war chirurgisch präzise: lautlose Einschüchterung und Rebounds nach Lehrbuch.
Grimes, Payne und die Show der Jungen
Individuell gab es Namen, die ein Plakat verdienen. Quentin Grimes hatte eine dieser Nächte, die einen mit dem Basketball versöhnen: 31 Punkte, 7 Assists und 5 Dreier, mit einer Entscheidungsfindung, die an die grossen Shooting Guards der Liga erinnerte. Von der Bank kam Cam Payne mit dem grossen Löffel: 20 Punkte und eine Energie, die ansteckend wirkte. Aber wenn es einen Namen gibt, der in Detroit mit Hoffnung in die Zukunft blicken lässt, dann ist das VJ Edgecombe. Der Rookie, der schon Andeutungen gemacht hatte, explodierte gestern regelrecht: 15 Punkte, 5 Rebounds und 2 Steals, mit einer defensiven Aktivität, die einem eine Gänsehaut bereitet. "Dieser Junge wird etwas Besonderes", vertraute mir eine Quelle aus der Umkleide von Detroit an, während sie ihre Sachen packten.
Auf der Seite von Philadelphia war es Tyrese Maxey, der die Möbel rettete. Er beendete das Spiel mit 27 Punkten und 6 Assists, kämpfte aber stets gegen den Strom. An seiner Seite hatte Paul George einen grauen Abend: 15 Punkte und 5 Ballverluste, belastet von Fouls und mangelndem Rhythmus. Ohne Embiid verliert das Team sein Gerüst, und das war gestern deutlicher denn je zu spüren.
- Quentin Grimes (DET): 31 Punkte, 7 Assists, 5 Dreier. Der Abend seines Lebens.
- Cam Payne (DET): 20 Punkte, 4 Rebounds, 3 Assists. Der perfekte Joker.
- VJ Edgecombe (DET): 15 Punkte, 5 Rebounds, 2 Steals. Die Zukunft ist schon da.
- Tyrese Maxey (PHI): 27 Punkte, 6 Assists. Allen gegen alle.
- Paul George (PHI): 15 Punkte, 4 Rebounds, 5 Ballverluste. Weit, weit weg von seinem Niveau.
Wie man diese Moralimpulse nutzen kann
Die grosse Frage ist jetzt: Wie nutzt man diesen Sieg, um etwas Solides aufzubauen? Die Pistons haben zwei Siege in Folge eingefahren, und dieser – gegen ein Team mit echten Playoff-Ambitionen (w wenn auch dezimiert) – muss der Wendepunkt sein. J.B. Bickerstaff hat den Schlüssel gefunden: Grimes und Cade Cunningham (18 Punkte und 8 Assists gestern Abend) verstehen sich perfekt, und die Bank liefert. Wenn sie dieses Niveau halten können, ist der Einzug ins Play-in keine Utopie.
Für die Sixers ist die Botschaft bitterer. Die Verteidigung war ein löchriges Sieb und die Abhängigkeit von Maxey war zu gross. Nick Nurse hat Hausaufgaben, und die Rückkehr von Embiid ist dringend nötig. Aber in der NBA vergisst man eine Nacht wie die gestrige nicht. Detroit hat gelöwenstark aufgeschrien – und das mit Autorität. Die alten Rocker sterben nie, sie gönnen sich nur eine Verschnaufpause, um stärker zurückzukommen.