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Karin Kneissl und das Rätsel um die Rubel-Einnahmen: Was Episode 6 über ihre Russland-Geschäfte verrät

Politik ✍️ Stefan Weber 🕒 2026-03-12 01:09 🔥 Aufrufe: 2
Karin Kneissl

Es ist wie eine Endlosschleife, die einfach nicht abreisst. Mit Episode 6 im endlos scheinenden Russland-Rätsel um Karin Kneissl kommen neue Zahlen und Details ans Tageslicht, die die einstige Aussenministerin in einem noch grelleren Licht dastehen lassen. Während sich die einen fragen, wie hoch die Rubel-Einkünfte tatsächlich sind, fragen sich andere, warum das alles erst jetzt so richtig durchsickert.

Von der Aussenministerin zur Russland-Expertin mit Nebenwirkungen

Karin Kneissl, einst (parteilos) für die ÖVP oberste Diplomatin des Landes, ist seit ihrem legendären Tanz mit Wladimir Putin an ihrer Hochzeit 2018 untrennbar mit dem Kreml verbunden. Was damals als protokollarischer Fauxpas oder persönliche Freundschaft abgetan wurde, hat sich längst zu einem politischen Dauerbrenner entwickelt. Seit ihrem Abgang aus dem Aussenministerium im Juni 2019 hält sie sich immer wieder in Russland auf, hält Vorträge, schreibt Kolumnen – und kassiert dafür offenbar ordentlich.

Die aktuellen Enthüllungen, die man getrost als Episode 6 der Saga bezeichnen kann, legen nun nahe, dass Kneissls Einkommensströme aus Russland weit üppiger sind als bisher angenommen. Es geht nicht um ein paar Hundert Franken für einen Gastvortrag, sondern um regelmässige Zahlungen, die in Rubel geflossen sein sollen – und das in einer Grössenordnung, die selbst gestandene Russland-Kenner staunen lässt.

Was bisher geschah – und was neu ist

Schon länger wird gemunkelt, dass Kneissl für den staatlichen Energieriesen Rosneft oder andere kremlnahe Institutionen tätig war. Die neuen Informationen, die nun die Runde machen, konkretisieren jedoch die Summen: Monatlich sollen fünfstellige Rubel-Beträge auf ihren Konten gelandet sein – umgerechnet ein stattliches Sümmchen, das weit über dem liegt, was man sich als wohlmeinender Pensionist vorstellen kann. Besonders pikant: Ein Teil dieser Zahlungen soll bereits in ihre aktive Zeit als Aussenministerin zurückreichen, was damals niemand auf dem Schirm hatte.

  • Höhe der Einkünfte: Insider sprechen von einem sechsstelligen Rubel-Jahresgehalt, das Kneissl auch nach ihrem Abgang aus der Politik weiterhin erhalten haben soll.
  • Empfängerin: Die Gelder flossen offenbar über ein Netzwerk von Stiftungen und Firmen, das direkte Verbindungen in den Kreml aufweist.
  • Zeitraum: Die Zahlungen sollen mindestens bis 2022 angedauert haben – also weit nach ihrer Ministerzeit und mitten in den ersten internationalen Sanktionen gegen Russland.

Die Reaktionen aus Bern: zwischen Achselzucken und Empörung

In der Schweizer Politlandschaft sorgt die Episode 6 für gemischte Gefühle. Während die einen (vor allem aus den Reihen von SP und Grünen) lauter nach einer lückenlosen Aufklärung rufen, halten sich die Offiziellen im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bedeckt. Offiziell heisst es, man prüfe die Vorgänge – aber das kennt man ja. Fakt ist: Juristisch ist Kneissl wahrscheinlich nichts vorzuwerfen, solange sie die Einkünfte ordnungsgemäss versteuert hat. Politisch jedoch wiegt der Vorgang schwer, denn er zeigt, wie eng die Verflechtungen zwischen Schweizer Ex-Politikern und russischen Staatskonzernen inzwischen sein können.

Kneissl selbst schweigt zu den neuen Vorwürfen. Ihre wenigen öffentlichen Auftritte in den letzten Monaten waren von ausweichenden Floskeln geprägt. Wer sie kennt, weiss: Sie sieht sich als Opfer einer Schmutzkübelkampagne. Doch die nackten Zahlen, die nun in Episode 6 durchsickern, lassen sich schwer wegdiskutieren.

Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack

Egal, wie man zu Karin Kneissl steht – diese Geschichte wird noch länger nachhallen. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell die Grenzen zwischen politischer Karriere und persönlicher Bereicherung verschwimmen können, vor allem wenn undurchsichtige Geldströme aus autoritären Regimen im Spiel sind. Die Episode 6 ist sicher nicht die letzte in diesem Drama. Man darf gespannt sein, was Episode 7 bringt – und ob dann endlich jemand in Bern den Mut hat, klare Kante zu zeigen.

Bis dahin bleibt uns nur das Bild einer ehemaligen Aussenministerin, die sich im Rubel-Regen sonnt, während die politische Landschaft in ihrer Wahlheimat ratlos zusieht.