Isack Hadjar: Red Bulls neues Supertalent steht in Melbourne vor der Feuertaufe
Der Albert Park Circuit hat schon immer erbarmungslos aufgezeigt, wer zur Spitzenklasse gehört und wer nicht. Am Freitag hat die Strecke Isack Hadjar nun gebührend in Melbourne willkommen geheissen. Der 21-jährige Franzose mit algerischen Wurzeln sass für seine ersten richtigen Runden im Rahmen des Australien-Grand-Prix im Cockpit des neuen Visa Cash App Racing Bulls – und sein Fazit fiel schonungslos ehrlich aus. «Es war einfach sehr holprig», gab er zu, als er an der Garagenwand lehnte. Sein Gesicht spiegelte die aufrichtige Frustration eines Rookies wider, der von sich selbst mehr verlangt, als es jeder Experte je tun könnte.
Machen wir uns nichts vor: Der Platz im Red Bull ist nicht einfach nur ein weiteres Cockpit. Es ist der Schleudersitz. Es ist der Sitz, der Schlagzeilen produziert und schon so manche Karriere frühzeitig beendet hat. Wenn dich der Energy-Drink-Riese auf den Schultern klopft – besonders wenn dein Teamkollege dann ein gewisser Max Verstappen ist –, dann vergrössert sich nicht nur das Brennglas; es schlägt sein Zelt direkt auf deinem Frontflügel auf. Hadjar ist sich dessen bewusst. Man sieht es an seiner Art, wie er sich im Fahrerlager bewegt – eine Mischung aus purem Talent und der Last von Milton Keynes auf seinen Schultern.
Ein Freitagstraining mit Final-Charakter
Vergessen wir für einen Moment die Zeitenlisten. Was an Isack Hadjars Freitag wirklich zählte, war seine Ehrlichkeit. Er touchierte die Mauern, kämpfte auf dem schmierigen Belag um Grip und wirkte wie der sprichwörtliche Neuling, der eine Strecke lernt, die selbst den kleinsten Fehler bestraft. Aber das Entscheidende ist: Er stellte sich der Situation. Kein Schuldiger im Auto gesucht, keine Ausreden wegen des Winds. Er nannte es holprig, weil es holprig war. In einem Sport, wo PR-Sprech oft die Wahrheit überdeckt, ist eine solch direkte Selbsteinschätzung so erfrischend wie ein kühles Bier an einem 40-Grad-Tag auf der Rennstrecke.
Das grosse Ganze? Der Junge ist schnell. Er bekam den Anruf ins Werksteam nicht, weil er immer auf Nummer sicher geht. Er bekam ihn, weil er ein Tempo hat, das Ingenieure staunen lässt. Aber Melbourne ist keine Simulator-Sitzung. Es ist schnell, es ist holprig und es frisst die Vorsichtigen zum Frühstück. Sein grösstes Problem am Freitag war nicht das Setup oder die Strategie – es war der Kampf, das Biest auf einer Strecke zu bändigen, die bedingungslosen Einsatz fordert.
Was für Hadjar an diesem Wochenende wirklich auf dem Spiel steht
Im Red Bull-Kosmos ist jede Runde ein Bewerbungsgespräch. Hier ist, worum der 21-Jährige kämpft, während wir uns dem Qualifying nähern:
- Der Schatten des Teamkollegen: Verstappen fährt Zeiten, die wie von einem anderen Stern wirken. Hadjar muss ihn nicht schlagen, aber er darf nicht von ihm überrundet werden. Der Abstand ist entscheidend.
- Die Streckenentwicklung: Der Albert Park hat am Freitag massiv an Grip gewonnen. Hadjar muss die Setup-Änderungen über Nacht umsetzen können – eine Herausforderung, die die zukünftigen Stars von den späteren Mittelständlern der F1 trennt.
- Der mentale Kampf: Das Samstag-Qualifying hier ist ein Drahtseilakt. Ein Fehler in Q1 und du schaust von der Seite zu. Für einen Rookie in einem Top-Auto ist der Druck, in dieser einen Runde zu liefern, immens.
Die Fans rund um die Strecke tragen bereits seine Farben. Im Fahrerlager waren etliche mit der neuen era Visa Cash App Racing Bulls Isack Hadjar 9SEVENTY Stretch-Snap Cap zu sehen – der Junge ist bereits ein Merchandising-Magnet. Aber die eigentliche Schlagzeile wird sein, ob er diesen Hype in einen sauberen Sonntag ummünzen kann.
Das Fazit aus dem Fahrerlager
Als ich mich am Freitag von der Garage entfernte, blieb mir ein Bild im Kopf: der Blick in Isack Hadjars Augen. Er ist angeschlagen, klar. Wer wäre das nicht nach einem holprigen ersten Tag? Aber er ist nicht gebrochen. Er verarbeitet, lernt auf die harte Tour, dass ein F1-Wochenende ein Marathon ist, kein Sprint. Wenn er seine Runden bereinigen, den Rhythmus finden und das Auto von den Mauern fernhalten kann, könnte dieses Debüt der Beginn von etwas Grossartigem sein. Wenn nicht, nun ja, das Red-Bull-Programm wartet auf niemanden. Der Samstag kann gar nicht früh genug kommen.