La Ronde bekommt neuen Vermieter: Was der EPR-Properties-Deal für Montreals Freizeitpark bedeutet
Wenn Sie in der letzten Woche am Parc Jean-Drapeau vorbeigekommen sind und einen Blick auf die hoch aufragende Strecke des Goliath erhascht haben, dann kennen Sie sicher dieses typische Frühlingskribbeln im Bauch – die Vorfreude auf süße Küchlein und den flauen Magen-Moment in der ersten Abfahrt. Doch hinter den Kulissen von La Ronde hat sich so einiges getan, und das hat nichts mit dem Beben des Vampire zu tun. Der Park, seit der Expo 67 ein Fixpunkt der Montrealer Sommer, hat einen neuen Vermieter.
Six Flags, der langjährige Betreiber, hat den Kult-Freizeitpark an einen großen amerikanischen Immobilien-Investment-Trust verkauft: EPR Properties. Aber keine Sorge, dass Ihre Saisonkarte bald gegen einen Timeshare-Vertrag eingetauscht wird. Hier kommt die Analyse, was dieser Deal ganz praktisch für den normalen Besucher bedeutet, der gerade beim Titan ansteht.
Eine Änderung nur auf dem Papier, nicht im Park
Es geht hier nicht um eine Schließung von La Ronde oder den Bau eines Parkplatzes. Für die allermeisten Besucher wird dieser Deal völlig unsichtbar bleiben. Stellen Sie es sich am besten so vor: Six Flags ist der Profi im Parkbetrieb – sie wissen, wie man Warteschlangen managt, Teig ausbackt und die Fahrgeschäfte wartet. EPR Properties hingegen ist der Immobilien-Tycoon. Sie sind auf das "Eigentum" spezialisiert – also auf Grund und Boden sowie die Gebäude.
Was ändert sich also? Hauptsächlich, wer den Scheck schreibt. Six Flags hat im Rahmen eines Sale-Leaseback-Vertrags im Wesentlichen die Immobilien von La Ronde an EPR Properties Ltd. verkauft. Das ist ein gängiger Schachzug in der Geschäftswelt, um dem Betreiber (Six Flags) liquide Mittel zu verschaffen, die er in sein Kerngeschäft investieren kann: das Besuchererlebnis. EPR wiederum kassiert die Miete und hat ein wertvolles Freizeitgrundstück im Portfolio. Das ist klassische EPR Properties-Strategie; sie sind ganz vorne mit dabei im Bereich der "Erlebnis-Immobilien" und besitzen auf dem ganzen Kontinent alles von Großkino-Komplexen bis hin zu Skigebieten.
Was bedeutet das für Ihren Sommer-Spaß?
Für uns, die wir schon als Kinder im Monstre mitgefahren sind, ist das Fazit ganz einfach: Der Park bleibt, wo er ist. Tatsächlich könnte das sogar eine gute Nachricht für Adrenalin-Junkies sein. Durch den Verkauf der Immobilien macht Six Flags Kapital frei. Und wofür wird dieses Kapital üblicherweise verwendet?
- Neue Fahrgeschäfte: Ein neuer Rekord-Achterbahn im Visier? So wird sie finanziert.
- Park-Upgrades: Frische Farbe, reibungslosere Abläufe und bessere Gestaltung der Themenbereiche.
- Events: Größere und bessere Feuerwerke für L'International des Feux Loto-Québec.
Die operative Erfahrung verbleibt bei Six Flags, die auch weiterhin für das tägliche Parkleben (und -chaos) verantwortlich zeichnen. Der einzige Unterschied: Wenn jetzt das Wartungsteam ein undichtes Rohr repariert, gehört das Gebäude, in dem das Rohr steckt, technisch gesehen der EPR Properties.
Der größere Zusammenhang für Montreal
Dieser Deal ist ein starkes Bekenntnis zum Tourismusmarkt Montreals. Ein großer US-Konzern wie EPR investiert keine Millionen in eine Immobilie, wenn er darin keinen langfristigen Wert sieht. Er verankert La Ronde finanziell und stellt sicher, dass dieses Stück Montrealer Kulturgut der Insel auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleibt.
Also, wenn Sie das nächste Mal den ersten Abhang des Le Monstre hinunterdonnern, nehmen Sie sich einen Moment Zeit für die Aussicht. Sie blicken auf den Sankt-Lorenz-Strom, die Skyline der Stadt – und auf ein Stück Immobilie, das für die Finanzwelt gerade ein ganzes Stück interessanter geworden ist. Die Fahrgeschäfte sind sicher, die Zuckerwatte ist sicher, und das Einzige, was sich nächste Saison ändern könnte, ist der Name auf den Firmenunterlagen. Wenn sie nur endlich mal die Warteschlange für die Autoscooter richten würden.