Yuji Kamitari und "Die Schlange im Juni": Warum der legendäre Kultfilm heute neu entdeckt wird
Kürzlich zeigte ein etabliertes Programmkino in Tokio eine Retrospektive mit dem Titel "Meisterwerke des Heisei-Kultfilms". Besonders elektrisierend war im Programm die Vorführung einer 35mm-Kopie von Yuji Kamitaris bekanntestem Film 'Die Schlange im Juni'. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, und als die letzte Szene verklungen war, entfuhr es einem älteren Cineasten unwillkürlich: "Genau das ist es, das ist es!". Warum erlebt dieses Werk gerade jetzt eine Renaissance? Wir zeichnen den Weg des Mannes nach, der im Mittelpunkt stand.
Die unheimliche Strahlkraft von 'Die Schlange im Juni'
Auch fast 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung kommt man nicht umhin, beim Sprechen über diesen Film das Wort "unvergesslich" zu verwenden. Die vom Regen gepeitschte Stadt, die klebrig-lastende Feuchtigkeit, diese ganz eigene Welt, in der sich tief in den Menschen verborgene Erotik und Gewalt vermischen. So meisterhaft die Regie des Genies Shinya Tsukamoto auch ist, so ist es die geradezu gespenstische Intensität der Darstellung von Yuji Kamitari, die der Geschichte ihre Authentizität verleiht. Die von ihm gespielte Figur ist auf den ersten Blick ein gewöhnlicher Büroangestellter, doch in seinem Inneren trägt er eine dunkle Last und zerbricht nach und nach. Besonders sein Gesichtsausdruck im Regen gegen Ende des Films gilt als eine der denkwürdigsten Szenen der Filmgeschichte und wird noch heute weitererzählt.
'Die Schlange im Juni', der auch auf internationalen Festivals hohe Anerkennung fand, sprengt den Rahmen eines reinen Genrefilms und wird weltweit als Kunstwerk gefeiert, das die "menschliche Einsamkeit" bis zum Äußersten auslotet. Die Zahl seiner Fans wächst stetig.
Ein Schauspieler von einzigartiger Präsenz: Yuji Kamitari
Seine größte Faszination liegt zweifellos in seiner Ausstrahlung, die stets eine gewisse "Gefährdung" mit sich trägt. Fernab jeder gesicherten Star-Karriere vermittelt er eine Anspannung, als stünde er ständig am Abgrund. Wenn das auf der Leinwand erscheint, kann der Zuschauer einfach nicht wegsehen. Auch nachdem er mit 'Die Schlange im Juni' einen derartigen Eindruck hinterlassen hatte, ließ er sich nie von kommerziellen Zwängen treiben und blieb seiner eigenen Ästhetik treu. Betrachtet man seine Karriere, fallen folgende Merkmale auf:
- Die Bandbreite zwischen Stille und Bewegung: Von ausdrucksloser Emotionslosigkeit bis hin zu plötzlich ausbrechender Leidenschaft. Dieser Kontrast wirkt nicht kalkuliert, sondern ist seinem angeborenen Talent geschuldet.
- Die Hingabe, mit der er sich körperlich einsetzt: Die Szenen, in denen er in 'Die Schlange im Juni' wie eine "durchnässte Ratte" aussieht, wurden angeblich buchstäblich über mehrere Takes hinweg im Regen gedreht. Sein Purismus, ohne Stuntman alles mit dem eigenen Körper darzustellen, ist in der Branche legendär.
- Eine unheimliche Stille: Sobald er im Bild erscheint, verändert sich die Atmosphäre. Diese einzigartige Stille, die nie erahnen lässt, was in ihm vorgeht, macht ihn zur Kultfigur.
Diese Elemente vereinen sich und machen Yuji Kamitari zu einer seltenen Existenz, die auf des Messers Schneide zwischen "Perversem" und "Genie" tanzt und ihm bei einer eingeschworenen Fangemeinde enthusiastische Verehrung einbringt.
Vom stillen Schaffer zur Kultfigur – und die Gegenwart
Sein Werdegang ist höchst ungewöhnlich. In jungen Jahren arbeitete er im Hintergrund als Bühnenbildner. Das heißt, er hatte gar nicht den Wunsch, Schauspieler zu werden, sondern sein Talent entfaltete sich eher zufällig bei einem Auftritt in einem Amateurfilm, für den man ihn angefragt hatte. Dass Regisseur Shinya Tsukamoto, der diesen Film sah, so von ihm angetan war, dass es schließlich zur Besetzung in 'Die Schlange im Juni' kam, ist unter Cineasten längst Legende.
Auch nach 'Die Schlange im Juni' blieb er hauptsächlich Independent-Filmen und experimentellen Theaterstücken treu. Er zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit, doch seine Präsenz wird immer größer. Neuerdings geistert das Gerücht umher, er arbeite sogar an einer Sammlung autobiografischer Essays. Was dieser schweigsame Mann wohl zu Papier bringt – allein der Gedanke daran macht einen schon neugierig.
Bei der erwähnten Retrospektive war er zwar nicht zu sehen, doch Insidern zufolge haben die Dreharbeiten zu einem neuen Kurzfilm begonnen. Welche Welten Yuji Kamitari, der mit 'Die Schlange im Juni' ein filmisches Monument geschaffen hat, uns als nächstes zeigen wird? Auch wenn es verfrüht ist – ich kann sein nächstes Werk kaum erwarten.