Keir Starmers Chaos im Kabinett: Der Streit um US-Stützpunkte und die Iran-Strategie
Wer dachte, die größten Kopfschmerzen in der Downing Street wären diese Woche die Aufarbeitung der jüngsten Nachwahlschlappen, der irrt gewaltig. Aus den obersten Etagen verlautet, dass der Premierminister eine gehörige Schlappe einstecken musste – von den eigenen Kabinettskollegen. Wie es heißt, haben führende Minister Keir Starmer daran gehindert, den USA grünes Licht für die Nutzung britischer Stützpunkte für einen Militärschlag gegen den Iran zu geben – eine Operation, die offenbar für diesen Freitag geplant war. Eine Form von Befehlsverweigerung, die die üblichen politischen Sonntagsinterviews wie harmlose Kaffeekränzchen aussehen lässt.
Der geplatzte Freitagsplan
Das Timing könnte peinlicher nicht sein. Während die Spannungen im Nahen Osten brodeln, klopfte Washington an und erwartete, dass der engste Verbündete an einem Strang zieht. Doch stattdessen stemmten sich einige Schwergewichte im Kabinett – jene, die die Folgen des Irak-Krieges nicht vergessen haben – mit Nachdruck dagegen und sagten entschieden 'Nein'. Aus dem Verhandlungsraum heißt es, Starmer habe angeschlagen gewirkt, gefangen zwischen seinem Bestreben, Großbritanniens Verlässlichkeit zu beweisen, und einem Flügel, der ein weiteres regionales Desaster unbedingt vermeiden will. Ein klassischer Fall, wo sich die Regierungsbank in ein Haifischbecken verwandelt.
Für einen Mann, der seine Karriere auf Präzision und Kontrolle aufgebaut hat – jeder, der mal in Keir Starmer: Die Biografie geblättert hat, weiß, dass er ein Detail-Fanatiker ist – ist diese öffentliche Zerstrittenheit ein Albtraum. Vom Chef der Staatsanwaltschaft, wo sein Wort Gesetz war, mutierte er zu einem Premier, dessen eigene Minister ihm quasi nebenbei die Außenpolitik umschreiben. Die ganze Szenerie wirkt wie aus den Seiten von Der Holzweg der Macht: Wie funktioniert diese Regierung eigentlich? – ein Buch, das plötzlich aus den falschen Gründen in Westminsters Gängen die Runde macht.
Der Spagat: Jets, Diplomatie und StarmerBaits
Starmers Verteidiger werden natürlich argumentieren, er spiele Schach, während die Kritiker nur Dame spielen. Sie werden auf den stillen Schachzug verweisen, vier RAF-Typhoon-Jets nach Katar zu verlegen – eine sichtbare Unterstützung für einen Golf-Alliierten, die jedoch nicht zu einer Beteiligung an US-geführten Schlägen verpflichtet. Ein subtiles Signal: Großbritannien ist noch im Rennen, aber zu eigenen Bedingungen. Das Problem ist nur: Jedes Mal, wenn der Premier taktieren will, legt die Opposition samt üblicher Twitter-Meute die nächste Ladung StarmerBaits nach und stellt ihn als schwach oder unentschlossen hin. Ein Etikett, das schwer abzuschütteln ist.
Unter der Oberfläche zeigt sich das Bild eines Führers, der versucht, widersprüchliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Würde man ein Farbenschema für die Regierung entwerfen, bräuchte man glatt ein Exemplar von Das große Buch der Farbenlehre, nur um die Schattierungen zu erfassen, die an ihm zerren:
- Das atlantistische Blau: Der Flügel, der Großbritanniens Sicherheit untrennbar mit den USA verbunden sieht, selbst wenn das unangenehme militärische Kooperation bedeutet. Sie sehen den Basen-Streit als selbst zugefügte Wunde, die Großbritannien unzuverlässig dastehen lässt.
- Das skeptische Rot: Minister, die von vergangenen Abenteuern im Nahen Osten gezeichnet sind und argumentieren, dass ein 'Ja' zu jeder US-Anfrage eine Katastrophe wäre. Sie sollen angeblich die Freitags-Operation zu Fall gebracht haben.
- Das diplomatische Grün: Die Fraktion, die auf weiche Macht setzt und mit Hilfe und Luftwaffe (wie den Typhoons für Katar) Einfluss aufbauen will, ohne abzudrücken. Sie finden den Ansatz der USA oft zu grob.
Diese Farben zu mischen, ohne am Ende ein einheitliches Braun zu erhalten, ist die wahre Bewährungsprobe für den Premier. Bisher sieht die Leinwand eher nach Kleinkind-Malerei aus als nach einem Rembrandt.
Was kommt als Nächstes für Starmer?
Die unmittelbare Krise ist vielleicht abgewendet – der Freitags-Schlag ist vom Tisch –, aber das Grundproblem bleibt. Der Iran verschwindet nicht, und die USA werden mit der nächsten Anfrage kommen, diesmal wahrscheinlich mit mehr diplomatischem Druck. Jetzt muss Starmer entweder sein Kabinett auf Linie bringen oder einen neuen Konsens schmieden, der alle zufriedenstellt. Ein Führungstest, der den Rest seiner Amtszeit prägen wird. Kann er sein eigenes Führungsteam bändigen, oder wird er von seinen eigenen Ministern permanent ausgespielt?
Eines ist sicher: Die Vorstellung von einem ruhigen Leben in der Downing Street ist endgültig passé. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Starmer diesen Holzweg der Macht in einen kontrollierten Brand verwandeln kann, oder ob er am Ende selbst daran verbrennt. Im Moment sind alle Wetten offen – und die Gerüchteküche in Westminster läuft auf Hochtouren.