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WM 2026: Iran trotzt der FIFA und träumt von einem Exil in Mexiko

Sport ✍️ Pierre-Étienne Durand 🕒 2026-03-18 00:04 🔥 Aufrufe: 1
Stadion der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

Man fühlt sich an einen waschechten geopolitischen Thriller erinnert. Während die Fußballwelt gespannt auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ wartet, stellt eine Nationalmannschaft alle Protokolle auf den Kopf. Der Iran, in eine Gruppe gelost, die ihn theoretisch in die USA führen würde, hat bei der FIFA offiziell beantragt, seine Spiele nach Mexiko zu verlegen. Ein brisantes Ansinnen, das der Fußball-Weltverband umgehend abblitzen ließ, das aber in Mexiko-Stadt auf offene Ohren stieß.

Hinter dem Anschein einer simplen logistischen Anfrage verbirgt sich die ganze Problematik der internationalen Beziehungen, die nun Einzug auf den Rasen hält. Teheran, das mit Washington mehr als eisige Beziehungen pflegt, will schlichtweg keinen Fuß auf US-amerikanischen Boden setzen. Die Spannungen um das Atomprogramm, die Sanktionen und die kampfbetonte Rhetorik beider Seiten lassen die Idee einer Reise der iranischen Nationalmannschaft durch die USA alles andere als banal erscheinen. Die iranischen Machthaber haben hinter den Kulissen deutlich gemacht: "Unsere Jungs werden keine politischen Geiseln sein."

Die FIFA zeigt die Rote Karte

In Zürich lässt man nicht mit sich spaßen, wenn es um die Regularien geht. Die Antwort kam knochentrocken und endgültig: Die FIFA wird weder den Spielplan noch die geografische Verteilung der Partien, die seit Monaten feststeht, auch nur antasten. Die Auslosung war eindeutig, die Gruppen stehen. Dem Iran zu erlauben, alle seine Gruppenspiele unter dem Vorwand diplomatischer Spannungen in Mexiko auszutragen, würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Morgen wäre es Israel, Russland oder jedes andere Konfliktland, das die gleiche Vorzugsbehandlung fordern würde. Für Gianni Infantino und sein Team heißt es Nein, und dabei bleibt es bis zum Schluss.

Doch diese kategorische Ablehnung hat das Thema nicht vom Tisch genommen. Ganz im Gegenteil. Denn es gibt einen dritten Akteur in diesem Stück, und zwar einen hochkarätigen: Mexiko.

Claudia Sheinbaum macht einen Schritt auf den Iran zu

Gestern sorgte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum für Aufsehen, als sie erklärte, ihr Land sei "bereit, die Spiele des Iran auszurichten". Eine ausgestreckte Hand, die alles andere als naiv ist. Erstens ist Mexiko neben den USA und Kanada eines der drei Gastgeberländer der WM 2026. Es verfügt also über Weltklasse-Infrastruktur und eine fußballerische Volksleidenschaft, die seit den Zeiten des legendären Aztekenstadions nie nachgelassen hat. Zweitens spielt Mexiko auf diplomatischer Ebene oft die Karte der Vermittlung in Lateinamerika. Dem Iran sportliches Asyl anzubieten, ist auch eine Möglichkeit, seine Souveränität gegenüber dem mächtigen Nachbarn im Norden zu demonstrieren.

Es bleibt jedoch ein gewaltiger Haken: die sportliche Logik und die Fairness des Wettbewerbs. Wenn der Iran alle seine Spiele in Mexiko bestreitet, was ist dann mit seinen Gegnern (wahrscheinlich England, Wales und ein Team aus der Quali)? Müssen sie dann zweimal den Atlantik überqueren? Könnten iranische Fans leichter Visa für Mexiko bekommen als für die USA? Das sind die Fragen, die bereits die TV-Talkshows und die Gazetten erhitzen.

Um das ganze Ausmaß des Problems zu verstehen, muss man sich die Grundprinzipien vor Augen halten, die die FIFA um jeden Preis bewahren will:

  • Die sportliche Integrität: Alle Gegner müssen in Bezug auf Reiseaufwand und Erholung gleich behandelt werden.
  • Die Sicherheit: Der Verband kann keinen optimalen Schutz garantieren, wenn die Spiele außerhalb des vorgesehenen Rahmens stattfinden.
  • Der rechtliche Präzedenzfall: Dem Druck des Irans nachzugeben, würde die Büchse der Pandora für politische Forderungen öffnen.
  • Das Image der WM: Ein Turnier, das bereits wegen seiner CO2-Bilanz kritisiert wird, kann sich keine zusätzlichen transkontinentalen Flüge leisten.

Unterdessen werden alte Erinnerungen wach. Viele erinnern sich an den FIFA Arab Cup, der 2021 in Katar stattfand und zu dem der Iran aus offensichtlichen Gründen des politischen Boykotts nicht eingeladen war. Heute ist es umgekehrt: Der Iran fordert eine Sonderbehandlung, aber diesmal spielt sich das Kräftemessen auf der Weltbühne ab. Aufmerksame Beobachter merken an, dass die Fußballdiplomatie schon immer ein paralleles Schlachtfeld war und dass sich diese Art von Krise in Zukunft häufen könnte, da Weltmeisterschaften immer häufiger von mehreren Ländern mit komplexen Bündnissen ausgerichtet werden.

Was also wird jetzt passieren? Offiziell ist der Fall für die FIFA erledigt. Aber hinter den Kulissen weiß man, dass die Iraner nicht locker lassen werden. Die Regierung in Teheran könnte sogar den medialen Druck erhöhen, mit einem Boykott des Turniers drohen oder versuchen, die Unterstützung anderer muslimischer Nationen zu gewinnen. Und wenn Mexiko darauf beharrt, sich als Retter in der Not zu profilieren, dann fängt das Pokerspiel gerade erst richtig an.

Eines ist sicher: Acht Monate vor dem Anpfiff der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ hält die Fußballwelt den Atem an. Zwischen sportlichen Interessen, politischem Druck und den Egos der Funktionäre ist das Gleichgewicht fragiler denn je. Und wir Fans lieben genau diese Art von Dramen … solange am Ende der Ball rollt.