WM 2026: Iran trotzt der FIFA und träumt vom Exil in Mexiko
Das könnte glatt die Handlung eines geopolitischen Thrillers sein. Während die Fussballwelt gespannt auf die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ blickt, stellt eine Nationalmannschaft sämtliche Protokolle auf den Kopf. Der Iran, in eine Gruppe gelost, die ihn theoretisch in die USA führen würde, hat bei der FIFA offiziell beantragt, seine Spiele nach Mexiko zu verlegen. Ein explosives Gesuch, das der Weltverband umgehend ablehnte, aber in Mexiko-Stadt auf offene Ohren stiess.
Hinter dem Anschein einer simplen logistischen Anfrage verbirgt sich die ganze Komplexität der internationalen Beziehungen. Teheran, das mehr als frostige Beziehungen zu Washington pflegt, will schlichtweg keinen Fuss auf US-amerikanischen Boden setzen. Die Spannungen um das Atomprogramm, die Sanktionen und die kriegerische Rhetorik beider Lager machen die Vorstellung einer Reise der iranischen Nationalmannschaft durch die USA zu einem heiklen Unterfangen. Die iranische Führung liess hinter den Kulissen verlauten: «Unsere Jungs werden nicht zu politischen Geiseln.»
Die FIFA zeigt die Rote Karte
In Zürich lässt man nicht mit sich spaßen, wenn es ums Reglement geht. Die Antwort kam knapp und endgültig: Die FIFA wird weder den Spielplan noch die geografische Verteilung der Partien antasten, die seit Monaten feststehen. Die Auslosung war klar, die Gruppen sind gesetzt. Dem Iran zu erlauben, alle seine Gruppenspiele unter dem Vorwand diplomatischer Spannungen in Mexiko auszutragen, würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Morgen könnten Israel, Russland oder jedes andere Konfliktland die gleiche Vorzugsbehandlung verlangen. Für Gianni Infantino und sein Team ist das ein klares und endgültiges Nein.
Doch diese kategorische Ablehnung hat das Kapitel nicht beendet. Ganz im Gegenteil. Denn es gibt einen dritten Akteur in diesem Stück, und zwar einen gewichtigen: Mexiko.
Claudia Sheinbaum macht den ersten Schritt
Gestern sorgte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum für Aufsehen, als sie erklärte, ihr Land sei «bereit, die Spiele des Iran auszutragen». Eine ausgestreckte Hand, die alles andere als uneigennützig ist. Zum einen ist Mexiko neben den USA und Kanada eines der drei Gastgeberländer der WM 2026. Es verfügt somit über erstklassige Infrastrukturen und eine ungebrochene Fussball-Leidenschaft, die seit den Zeiten des legendären Aztekenstadions anhält. Zum anderen schlüpft Mexiko auf diplomatischer Ebene in Lateinamerika oft in die Rolle des Vermittlers. Dem Iran sportliches Asyl anzubieten, ist auch ein Akt der Souveränität gegenüber dem mächtigen nördlichen Nachbarn.
Bleibt ein gewaltiges Problem: die sportliche Logik und die Fairness des Wettbewerbs. Wenn der Iran alle seine Spiele in Mexiko bestreitet, was ist dann mit seinen Gegnern (voraussichtlich England, Wales und ein Team aus der Barrage)? Müssen sie dann zweimal den Atlantik überqueren? Könnten iranische Fans leichter Visa für Mexiko bekommen als für die USA? Das sind Fragen, die die Diskussionen in den TV-Studios und in den Gazetten bereits anheizen.
Um das ganze Ausmass des Problems zu verstehen, muss man sich die Grundprinzipien vor Augen führen, die die FIFA um jeden Preis wahren will:
- Die sportliche Integrität: Alle Gegner müssen in Bezug auf Reiseaufwand und Erholungszeit gleich behandelt werden.
- Die Sicherheit: Der Verband kann keinen optimalen Schutz garantieren, wenn die Spiele ausserhalb des geplanten Rahmens stattfinden.
- Der rechtliche Präzedenzfall: Dem iranischen Druck nachzugeben, würde die Büchse der Pandora für politische Forderungen öffnen.
- Das Image der WM: Ein Turnier, das bereits für seine CO2-Bilanz kritisiert wird, kann nicht noch mehr transkontinentale Flüge verursachen.
Unterdessen werden alte Erinnerungen wach. Viele erinnern sich an den FIFA Arab Cup, der 2021 in Katar stattfand und zu dem der Iran aus offensichtlichen Gründen des politischen Boykotts nicht eingeladen war. Heute ist das Gegenteil der Fall: Der Iran fordert eine Sonderbehandlung, aber diesmal spielt sich das Kräftemessen auf der Weltbühne ab. Beobachter merken an, dass die Fussballdiplomatie schon immer ein paralleles Schlachtfeld war und dass sich solche Krisen in Zukunft häufen könnten, da immer mehr Weltmeisterschaften von mehreren Ländern mit komplexen Bündnissen ausgetragen werden.
Was also passiert jetzt? Offiziell ist der Fall für die FIFA erledigt. Aber hinter den Kulissen weiss man, dass die Iraner nicht locker lassen werden. Die Regierung in Teheran könnte sogar die mediale Schraube anziehen, mit einem Boykott des Turniers drohen oder versuchen, die Unterstützung anderer muslimischer Nationen zu gewinnen. Und wenn Mexiko weiterhin als Retter in der Not auftreten will, dann fängt das Pokerspiel gerade erst richtig an.
Eines ist sicher: Acht Monate vor dem Anpfiff der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ hält die Fussballwelt den Atem an. Zwischen sportlichen Interessen, politischem Druck und den Egos der Funktionäre ist das Gleichgewicht fragiler denn je. Und wir Fans lieben genau solche Politdramen… solange am Ende der Ball rollt.