Pernille Harder: Vom Weltstar zur nationalen Ikone – wie sie Dänemark zur WM führt
Es gibt diese Momente, in denen man einfach weiss, dass man Zeuge von etwas Besonderem ist. Der Dienstagabend war so ein Moment für alle, die den dänischen Fussball lieben. Pernille Harder trat zum WM-Qualifikationsspiel gegen Serbien an, und obwohl der Widerstand knüppelhart war und ihr Kalender mit den Top-Spielen für Bayern München vollgestopft ist, lieferte sie ab. Sie tat es, weil sie das immer tut. Nicht nur mit Technik und Torriecher, sondern mit einer Persönlichkeit, die auf das ganze Team abfärbt. Wir hatten einen perfekten Start in eine ansonsten denkbar enge Gruppe. Aber lasst uns die Zeit ein wenig zurückdrehen und verstehen, warum dieses Spiel so viel mehr war als nur drei Punkte.
Die Maschine aus Ikast läuft und läuft
Man vergisst manchmal, wenn man sie in der besten Gesellschaft der Bundesliga agieren sieht, dass Pernille Harder in erster Linie unsere ist. Eine von uns. Ihre Statistik für die Saison 25/26 ist einfach absurd. Wir sprechen von 17 Toren in 24 Spielen wettbewerbsübergreifend für Bayern. Sieben davon allein in der Liga, fünf in der Champions League. Und das gegen den FC Barcelona, Arsenal und Wolfsburg – also absolute europäische Spitzenklasse. Diese Form, die sie im Herbst und Winter gezeigt hat, war ein kleiner Vorgeschmack auf das, wovon wir im Sommer träumen könnten. Aber was mich am meisten beeindruckt, sind längst nicht mehr nur die Tore. Es ist, wie sie ihr Spiel weiterentwickelt hat. Zu Beginn ihrer Karriere war sie die reine Torjägerin, die kreative Spielmacherin. Heute ist sie komplett. Sie verteilt das Spiel, kämpft nach hinten mit und setzt ihre Mitspielerinnen so in Szene, dass sich das ganze Team steigert.
Ein Abend in Horsens, der den Trend bestätigt
Ich sass selbst da und verfolgte die tausenden Zuschauer, die nach Horsens gekommen waren. Noch vor fünf Jahren wäre eine solche Menschenmenge bei einem Frauen-Länderspiel in einer WM-Qualifikationsrunde undenkbar gewesen. Das sagt alles über die Entwicklung, die dieser Sport durchgemacht hat. Pernille Harder ist wie keine andere das Symbol dieser Reise. Sie half mit, den Weg zu ebnen, von der Zeit in Viborg als 15-Jährige, über Schweden und Wolfsburg, bis zum Rekordtransfer zum Chelsea im Jahr 2020, der Schockwellen durch die gesamte Fussballwelt sandte. Damals sprachen wir über 300.000 Euro als eine astronomische Summe für den Frauenfussball. Heute hat sich die Messlatte verschoben, und das ist nicht zuletzt ihr Verdienst. Sie zeigte, dass es möglich ist, ein globaler Star zu sein und dennoch die Wurzeln fest in der jütländischen Erde verankert zu haben.
Was bedeutet das für die kommerzielle Präsenz?
Hier kommen wir zum Kern dessen, worauf ich hinauswill. Wenn wir eine Spielerin wie Pernille Harder Leistungen zeigen sehen, wie die gegen Serbien, und in einer Woche erneut gegen Italien versuchen wird, dann ist das nicht nur Sport. Das ist Big Business. Die dänischen Siege in dieser Qualifikation sind nicht nur Tickets für Brasilien 2027. Sie sind Präsenz auf den ganz grossen Bühnen. Denken wir mal darüber nach:
- Die TV-Verträge wachsen, wenn dänische Star-Namen im UEFA-Umfeld Schlagzeilen machen.
- Die Sponsoren stehen Schlange, um mit einem Siegerteam in Verbindung gebracht zu werden, und niemand ist attraktiver als eine Spielerin, die sowohl auf dem Platz Gewicht hat als auch daneben Integrität ausstrahlt.
- Das Rebranding der dänischen Frauenliga, die nun A-Liga und B-Liga heisst, um eigenständig dazustehen, ergibt plötzlich Sinn, wenn sich die Nationalmannschaft für Endrunden qualifiziert.
Hier müssen wir den Wert verstehen. Pernille Harder ist nicht einfach eine Fussballspielerin. Sie ist ein Exportgut, eine Marke, die dänischen Fussball im Ausland verkauft. Ihre Präsenz beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft hilft, neue Rechte auszuhandeln, neue Investoren anzuziehen und nicht zuletzt die nächste Generation von Mädchen zu inspirieren, die davon träumen, Profi zu werden. Wir haben gerade die Einführung von Mindestverträgen in Dänemark gesehen. Das geschieht nicht im luftleeren Raum. Es geschieht, weil Leute wie Harder gezeigt haben, dass es eine Zukunft im Frauenfussball gibt. Eine Zukunft, die sich auszahlt.
Das Spiel gegen Italien wird entscheidend
Jetzt wartet also am Samstag auswärts Italien. Das wird ein ganz anderes Kaliber als Serbien. Die Italienerinnen haben Tradition in starken Defensivsystemen und werden versuchen, unsere Profilin zu neutralisieren. Hier wird sich zeigen, ob das Trainerteam den Schlüssel findet. Eines ist sicher: Die Italienerinnen werden rund um die Uhr Videos von Pernille Harder studieren. Sie wissen, wenn sie sie ausschalten, schalten sie einen grossen Teil unserer Offensive aus. Aber genau hier kommt ihre Fussballintelligenz ins Spiel. Sie hat die Fähigkeit, die nur die wenigsten haben, sich aus dem Schatten zu lösen und neue Räume zu finden. Das wird ein faszinierendes taktisches Duell, und ich freue mich zu sehen, ob sie das Kunststück wiederholen kann.
Eines ist jedenfalls sicher: Mit Pernille Harder an der Spitze hatte der dänische Frauenfussball noch nie eine grössere Chance, sich dauerhaft auf der globalen Landkarte zu etablieren. Wenn wir uns im Sommer die Tickets nach Brasilien buchen, werden die Präsenz und die kommerziellen Möglichkeiten explodieren. Das ist längst nicht mehr nur ein Traum. Es ist eine greifbare Realität. Und sie trägt sie mit einer Selbstverständlichkeit auf ihren Schultern, die es fast leicht aussehen lässt.