Ryanairs "Geisterflug"-Taktik: Werden wir am Gate für dumm verkauft?
Na gut, wer kennt das nicht? Man steht am Gate am Flughafen Wien-Schwechat, eine Bordkarte in der Hand, die weniger gekostet hat als ein Heurigen-Schnitzel, und lauscht dieser bekannten, schnellen Durchsage mit irischem Akzent über Gate-Änderungen und strenge Gepäckregeln. Man kennt das Spiel: Man fliegt mit Ryanair und hält sich an die Regeln, denn, na ja, der Preis hat halt gestimmt. Aber was passiert, wenn die Airline einem erzählt, man hätte einen Flug verpasst, den es eigentlich gar nicht gegeben hat? Genau das ist das skurrile und ärgerliche Szenario, das sich derzeit für immer mehr Passagiere abspielt und einen fragen lässt, ob man am Gate nicht vielleicht doch einfach für dumm verkauft wird.
Die unsichtbare Bedrohung (am Gate B15)
Der neueste Aufreger betrifft ein Paar, das alles richtig gemacht hat. Sie waren früh genug am Flughafen, stellten sich in die Warteschlange und warteten auf den Boarding-Aufruf. Aber als sie dran waren, wurden sie abgewiesen. Der Flug sei voll, hieß es. Keine Entschädigung, keine Umbuchung, nur die brüske Aufforderung, sich selbst um Alternativen zu kümmern. Als sie versuchten, die 240 Euro, die sie gelöhnt hatten, zurückzufordern, kam Ryanairs Standard-Antwort: Man bestand darauf, dass das Paar schlicht nicht zum Boarding erschienen sei. Eine 'Geisterflug'-Verteidigung, wenn man so will. Die Passagiere standen da, 250 Kilometer von zuhause entfernt, und fragten sich, ob sie das Ganze nur geträumt hatten.
Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das stark nach systemischer Verbrauchertäuschung riecht. Einem wird gesagt, man sei selbst schuld, das eigene Gedächtnis wird in Frage gestellt, während das starre System der Fluglinie als unfehlbar dargestellt wird. Aber wer Ryanair schon länger kennt, der weiß: Das System ist nur so lange unfehlbar, wie es der Airline in den Kram passt.
Ryanair 101: Das Geschäftsmodell gegen den Kunden
Wir alle kennen das Modell. Es wird in Wirtschaftsbüchern – ja, genau in dem einen über 55 Geschäftsmodelle, die die Welt revolutionierten – als Meisterklasse der Kostenreduzierung gefeiert. Und man muss ihnen lassen: Sie haben das Fliegen für viele erschwinglich gemacht. Aber dieses Modell basiert auf hauchdünnen Margen und, seien wir ehrlich, einem gewissen Maß an Konflikt mit dem Kunden. Das Problem ist: Wenn dieser Konflikt in glatte Leistungsverweigerung umschlägt, wirkt das Modell weniger wie eine Revolution, sondern eher wie Abzocke.
- Gepäck-Gerangel: Man zahlt nicht nur für den Koffer, sondern für das Privileg, ihn nicht doch noch am Gate aufgeben zu müssen.
- Check-in-Roulette: Online-Check-in vergessen? Dann wird's teuer – genug für ein Wochenende in Budapest.
- Sitzplatz-Abzocke: Sie wollen neben Ihrem Kind sitzen? Das kostet dann nochmal extra, bitte sehr.
- Die Geisterflug-Taktik: Pünktlich erscheinen, anstehen und dann hören, man wäre gar nicht erschienen. Viel Glück, das Gegenteil zu beweisen.
Das sind keine bloßen Ärgernisse; das sind versteckte Einnahmequellen, getarnt als Strafen. Und die 'Geisterflug'-Taktik fühlt sich an wie der Endgegner in diesem frustrierenden Spiel. Wie beweist man, dass man für einen Flug angestanden ist, von dem die Airline jetzt behauptet, man hätte ihn gar nicht antreten wollen?
Ein neuer Tiefpunkt, selbst für sie
Ich fliege mit dieser Airline, seit es noch Papp-Tickets und keine Sitzplatzreservierung gab. Ich habe ihren No-Frills-Ansatz gegenüber Freunden verteidigt, die sich über die Kosten für Wasser beschwerten. Wer billig kauft, kauft zweimal, nicht wahr? Aber das hier ist anders. Hier sagt die Fluggesellschaft ihren Kunden im Grunde, dass ihre eigene Erfahrung – am Flughafen zu stehen und aufs Boarding zu warten – eine Lüge sei. Das ist eine Form von Unternehmens-Manipulation, bei der jedem Therapeuten schlecht würde.
Wo wir schon auf den Sommerreiseverkehr zusteuern, sollte man besser auf der Hut sein. Machen Sie ein Foto mit Zeitstempel am Gate. Bewahren Sie Ihre Bordkarte gut auf, selbst nachdem sie gescannt wurde. Und wenn man Ihnen erzählt, Sie hätten einen Geisterflug verpasst, lassen Sie sich nicht abwimmeln. Machen Sie Rabatz. Denn wenn wir eines in all den Jahren über Ryanair gelernt haben, dann, dass sie nur eines respektieren: Lärm. Und ich meine nicht das Dröhnen ihrer Triebwerke.