Irans Lebensader, die Insel Kharg, erzittert... Schwarze Rauchwolken über der Straße von Hormus
Im März 2026 färbt sich der Himmel über dem Nahen Osten erneut aschgrau. Die US-Administration unter Donald Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sprechen offen über die Option eines "Präventivschlags" gegen Irans Atomanlagen, was im gesamten Golfgebiet höchste Alarmbereitschaft auslöst. Und im Zentrum all dieser militärischen Szenarien steht stets ein und derselbe Ort: das Herzstück iranischer Ölexporte, die Insel Kharg.
Für österreichische Leser vielleicht ein eher unbekannter Name, ist diese kleine Insel praktisch die Lebensader der iranischen Wirtschaft. Über 90% der gesamten iranischen Rohölexporte werden über sie abgewickelt. Die im Nordosten des Persischen Golfs gelegene Insel Kharg ist weit mehr als eine bloße Verladestation. Für Iran ist sie die Arterie, die Devisen heranschafft, für den Westen der größte Unsicherheitsfaktor, der den Ölpreis ins Wanken bringen kann.
'Schritte im Sand der Zeit'
Unter den einheimischen Fischern wird die Insel poetisch als 'Schritte im Sand der Zeit' bezeichnet. Denn von der Zeit des Elamiterreiches über das Persische Reich bis zum modernen Iran haben sich Jahrtausende der Geschichte in diesem Sand abgelagert. Doch die Schritte, die heute über diesen Sand gehen, sind nicht mehr die rudernden Schritte friedlicher Fischerboote. Über ihnen ziehen die Start- und Landegeräusche von Kampfjets und die Bahnen von Marschflugkörpern dahin.
Das Schicksal der Insel Kharg war schon immer eng mit Krieg verbunden. Während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren bombardierte Saddam Hussein die Insel gezielt, um Irans wirtschaftliche Basis zu zerstören. Hier, am Schauplatz des sogenannten 'Tankerkrieges', gingen Hunderte von Öltankern in Flammen auf, und die gesamte Insel war oft von schwarzen Rauchschwaden bedeckt. Gut vierzig Jahre später scheint sich die Geschichte zu wiederholen.
Warum gerade jetzt die Insel Kharg?
Die Geheimdienste der USA und Israels gehen davon aus, dass der Iran die 'Schwelle' zur Entwicklung von Atomwaffen erreicht hat. Die Atomanlagen selbst sind jedoch tief unter der Erde durch Verteidigungssysteme geschützt und schwer mit einem einzigen Schlag zu treffen. Was also wäre das nächste Ziel? Darauf geben Strategen eine einhellige Antwort: die wirtschaftliche Lebensader Irans, die Insel Kharg.
- Wirtschaftslähmung: Der größte Schmerz für das iranische Regime würde nicht durch die Zerstörung von Atomanlagen entstehen, sondern durch einen Stopp der Rohölexporte. Würde der Fluss von mehreren Millionen Barrel pro Tag unterbrochen, wäre der Verhandlungstisch in Teheran im Handumdrehen leergefegt.
- Verwundbare Verteidigung: Die mitten im Persischen Golf gelegene Insel ist im Vergleich zu den befestigten Atomanlagen relativ schwer zu verteidigen. Um Irans Drohung, die Straße von Hormus zu blockieren, zu unterlaufen, wäre es aus Sicht des US-Militärs effizienter, zuerst dieses Exportzentrum auszuschalten.
- Symbolik: Der Iran hat die Blockade der Straße von Hormus stets als Druckmittel eingesetzt. Ihm zu zeigen, dass seine eigene kritische Energieinfrastruktur verwundbar ist, könnte als wirkungsvolle psychologische Kriegsführung dienen.
Sollte die Insel Kharg angegriffen werden, würde der Iran höchstwahrscheinlich sofort die Straße von Hormus blockieren und Einrichtungen der Golf-Anrainerstaaten angreifen. In diesem Moment würde das Meer vor Dubai in Flammen aufgehen, der internationale Ölpreis würde auf über 200 Dollar steigen und die Welt wäre in einem noch größeren Chaos als während des Ölpreisschocks der 1970er Jahre. Auch Österreich, das stark von Ölimporten abhängig ist, bliebe von dieser Krise nicht verschont.
Das stille Spiel um die schwarze Perle
Berichten zufolge hat das iranische Militär rund um die Insel Kharg moderne chinesische C-802 Schiffsabwehrraketen und das russische Flugabwehrsystem S-300 stationiert. Schnellboote der Marine der Revolutionsgarden patrouillieren um die Insel und bereiten sich auf "Märtyreroperationen" vor. Unterdessen wartet eine Flugzeugträgergruppe der US-Marine, angeführt von der USS Abraham Lincoln, auf See vor Oman, und es gibt Hinweise, dass die israelische Luftwaffe mit ihren F-35I Jets die kürzeste Route durch den saudischen Luftraum simuliert.
Jedes einzelne Sandkorn der Insel Kharg wird zum tickenden Sekundenzeiger der globalen Energiemärkte. Der Krieg hat noch nicht begonnen, aber wir stehen bereits am Vorabend. Die Welt beobachtet mit angehaltenem Atem, welcher nächste Schritt sich in den Sand dieser kleinen Insel eingraben wird, von der das Schicksal Irans abhängt.