Meningokokken-Ausbruch in England: Müssen wir uns in Deutschland Sorgen machen?
Ich bin seit Jahren im deutschen Gesundheitswesen tätig und kann Ihnen sagen: Wenn man die Nachrichten ein wenig verfolgt, bekommt man schon einen Schrecken bei dem, was gerade in England passiert. Man sieht es vor sich: Reihen von jungen Leuten, die für vorbeugende Antibiotika anstehen. Ein schwerer Meningokokken-Ausbruch. Mein erster Gedanke, und der vieler Menschen in meinem Umfeld, ist natürlich: Kommt das auch zu uns? Lassen Sie uns einen klaren Kopf bewahren und schauen, was das für uns bedeutet.
Was spielt sich jenseits der Nordsee ab?
Die dortige Situation ist nicht ohne. Nach mehreren Infektionen mit dem Meningokokken-Bakterium – das zu Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung führen kann – hat man dort im großen Stil vorbeugend Antibiotika an enge Kontaktpersonen verteilt. Man sah sie vorsorglich anstehen. Leute, die sich auskennen, deuten bereits an, dass wir solche Ausbrüche häufiger sehen werden. Aber gilt das auch für uns auf dem europäischen Festland?
Wie sieht es mit dem Risiko hier aus?
Die Wahrscheinlichkeit eines großen Ausbruchs in Deutschland ist derzeit zum Glück gering. Unser Impfquoteliegt hoch, wir haben in den letzten Jahren stark auf Impfungen für Babys und Jugendliche gegen dieses Bakterium gesetzt. Dennoch bedeutet 'gering' nicht, dass wir uns zurücklehnen können. Gerade wenn Sie Kinder haben, die noch nicht alle Spritzen hatten, oder wenn Sie in der Nähe von jemandem waren, der möglicherweise infiziert ist, ist es entscheidend zu wissen, worauf man achten muss.
Symptome: Ein einfacher Leitfaden
Die Symptome ähneln anfangs oft einer starken Grippe, können sich aber rasant verschlimmern. Das ist kein Moment, um auf bessere Zeiten zu warten. Hier ist ein übersichtlicher Leitfaden mit dem, worauf Sie achten müssen:
- Plötzlich hohes Fieber, oft mit Schüttelfrost.
- Starke Kopfschmerzen, die nicht weggehen, manchmal mit Übelkeit und Erbrechen.
- Nackensteifigkeit: Das Kinn nicht auf die Brust bekommen können.
- Lichtempfindlichkeit.
- Flecken oder punktförmige Hautblutungen, die sich nicht wegdrücken lassen (Petechien). Das ist ein Alarmzeichen.
Sehen Sie eines dieser Anzeichen bei sich, Ihrem Kind oder jemandem in Ihrer Umgebung? Dann rufen Sie sofort den Hausarzt oder die 112 an. Schnelles Handeln ist entscheidend.
Was können Sie selbst tun? Ein kurzer Überblick
Sie können sich vorbereiten, ohne in Panik zu geraten. Ein praktischer Überblick der wichtigsten Schritte, die Sie in Betracht ziehen sollten:
- Überprüfen Sie Ihren Impfstatus: In Deutschland werden Säuglinge seit 2015 gegen Meningokokken (Typ C) geimpft, und die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken ACWY für Jugendliche im Alter von 12 bis 23 Jahren. Sind Sie älter und nicht geimpft? Informieren Sie sich beim Robert Koch-Institut oder Ihrer Krankenkasse, ob Sie für eine Nachholimpfung in Frage kommen. Es ist eine kleine Mühe.
- Achten Sie auf Symptome: Nutzen Sie den obigen Leitfaden. Meningokokken können sich innerhalb weniger Stunden verschlimmern, warten Sie also nicht ab, bis es 'von selbst' wieder vorbeigeht.
- Halten Sie es einfach mit der Hygiene: Das Bakterium verbreitet sich durch Husten, Niesen und Küssen. Vermeiden Sie engen Kontakt mit Menschen, die offensichtlich krank sind.
- Antibiotika bei engem Kontakt: Hatten Sie engen Kontakt zu jemandem, der tatsächlich Meningokokken hat? Dann erhalten Sie auch in Deutschland vorbeugend Antibiotika. Das ist das festgelegte Protokoll.
Dieser Leitfaden gibt Ihnen Orientierung, damit Sie wissen, was zu tun ist, ohne Angst haben zu müssen. Denn wie man hier so schön sagt: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Bleiben Sie gelassen, aber wachsam
Ich kenne die deutsche Gelassenheit; wir geraten nicht schnell in Panik. Aber genau darum ist es gut, jetzt schon zu wissen, was zu tun ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs wie in England ist gering, aber die Signale aus dem Ausland gibt es nicht ohne Grund. Fachleute warnen, dass wir möglicherweise häufiger mit solchen Ausbrüchen zu tun bekommen könnten, auch bei uns. Sorgen Sie also dafür, dass Sie die Symptome erkennen, wissen, was zu tun ist und Ihren Impfstatus überprüfen. Einfach, um sicherzugehen. Für sich selbst, für Ihre Familie und für die Menschen in Ihrem Umfeld.