Liverpool feiert 4:0-Comeback gegen Galatasaray und zieht ins CL-Viertelfinale ein (Spielbericht)
Das Anfield-Stadion ist eben doch eine ganz eigene Fußball-Welt. Nach der schmerzhaften 0:1-Hinspielniederlage in der Türkei präsentierte sich der Liverpool FC im Rückspiel wie verwandelt. Während viele schon mit einem erneuten Rückschlag rechneten, zeigte die Mannschaft von Trainer Arne Slot auf der europäischen Bühne, wie man verlorenen Stolz wiederherstellt. Im Rückspiel des Achtelfinals der UEFA Champions League 2025/26 am frühen Donnerstagmorgen (19. März, MEZ) fegte Liverpool Galatasaray mit 4:0 aus dem Anfield und sicherte sich damit dramatisch den Einzug ins Viertelfinale. Mit einem Gesamtscore von 4:1 war das Comeback perfekt.
Anfield bricht sein Schweigen – Liverpools Offensivfeuerwerk zündet
Liverpool hatte zuletzt in der Premier League gepatzt und die Fans verunsichert. Doch in den "großen Spielen" ist das Team eine andere Hausnummer. Trainer Slot hatte am Wochenende im Ligaspiel gegen Tottenham einige Stammkräfte geschont – eine Entscheidung, die sich zu 200 Prozent auszahlte. Von der ersten Minute an erstickte Liverpools aggressives Pressing Galatasaray im Keim. Die überwältigende Unterstützung der fast ausschließlich heimischen Fans im ausverkauften Anfield schien den Spielern Flügel zu verleihen. Branchenkreisen vor Ort zufolge war die gesamte Galatasaray-Mannschaft von Liverpools Wucht in der ersten Halbzeit völlig überfordert.
Für Galatasaray wurde das Spiel zum Albtraum, der die schlimmsten Befürchtungen wahr werden ließ. Früh im Spiel hatte Victor Osimhen, der die türkische Liga nach Belieben beherrscht, bei einem Zusammenprall mit Ibrahima Konaté das Nachsehen und laborierte über die gesamte erste Hälfte an den Folgen. Letztlich musste er mit Beginn der zweiten Halbzeit ausgewechselt werden – ein herber Rückschlag. Mit der Situation vertraute Kreise berichten, Osimhen habe eine Zerrung im Oberschenkel gespürt. Trainer Okan Buruk, der mit Galatasaray in dieser Saison zweimal mit 1:0 gegen Liverpool gewinnen konnte, fand an diesem Abend in Anfield kein Mittel gegen die Übermacht.
Salas verschossener Elfmeter und seine glanzvolle Wiederauferstehung
Die erste Halbzeit war eine einzige Machtdemonstration Liverpools. In der 25. Minute war es Dominik Szoboszlai, der eine flache, schnelle Hereingabe von Alexis Mac Allister nach einer Ecke aus kurzer Distanz mit einem Gefühlvollen linken Schuss im Tor unterbrachte. Fragt man nach dem herausragenden Liverpool-Spieler der Saison, führt kein Weg an Szoboszlai vorbei. Doch es gab auch den Moment, der den Liverpool-Fans den Atem stocken ließ. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte vergab Mohamed Salah einen Elfmeter – ein unnötiger Fehlschuss, der an seine zuletzt schwankende Form erinnerte.
Doch Salah bewies seine Weltklasse. Die zweite Hälfte gehörte ganz dem Ägypter. Mehrere mit der Kabinenstimmung vertraute Personen berichteten nach dem Spiel übereinstimmend, Salah habe seinen Teamkollegen direkt nach dem Fehlschuss gesagt: "Ich übernehme dafür die Verantwortung" – und dann in der zweiten Halbzeit buchstäblich wie entfesselt gespielt.
- 6. Minute der zweiten Hälfte (51. Minute gesamt): Salah legt von rechts präzise flach nach innen, und Hugo Ekitiké vollendet souverän zum 2:0.
- 8. Minute der zweiten Hälfte (53. Minute gesamt): Keine zwei Minuten später! Salahs strammer Schuss wird vom Torwart abgewehrt, doch Ryan Gravenberch staubt aus kurzer Distanz ab und macht den Deckel drauf.
- 17. Minute der zweiten Hälfte (62. Minute gesamt): Dann war es Zeit für Salah selbst. Er zog von rechts nach innen, nahm einen klugen Rückhandpass von Florian Wirtz auf und schlenzte die Kugel unhaltbar mit seinem starken linken Fuß ins lange Eck. Dieser Traumtor war sein 50. Treffer in der Champions League – ein Meilenstein! Als erster Afrikaner überhaupt erreicht er diese Marke.
Hier sind die drei zentralen taktischen Punkte des Spiels von Liverpool kurz zusammengefasst:
- Intensität im Pressing: Durch das enge Zusammenschieben von Abwehr und Mittelfeld wurde Galatasarays Spielaufbau komplett unterbunden.
- Salas kluge Laufwege: Selbst nach dem verschossenen Elfmeter ließ er sich nicht beirren, wechselte in der zweiten Hälfte geschickt zwischen Außenbahn und Zentrum und verwirrte so die gegnerische Abwehr.
- Effizienz bei Standards: Wie schon beim Führungstreffer durch Szoboszlai wurden Standardsituationen konsequent genutzt.
Schlussphase und Viertelfinal-Auslosung
Danach war das Spiel natürlich gelaufen. Salah versuchte danach noch, ein weiteres Tor nachzulegen, musste dann aber verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Glücklicherweise ergab die erste Untersuchung durch die medizinische Abteilung des Klubs, dass es sich um keine schwerwiegende Verletzung handelt, wie es aus dem Verein hieß. Galatasaray zeigte sich in dieser Saison zwar gegen Liverpool ungewöhnlich stark, aber ausgerechnet im wichtigsten Spiel in Anfield erlebte das Team ein Debakel und muss den Traum vom ersten Viertelfinaleinzug seit der Saison 2012/13 (13 Jahre) auf unbestimmte Zeit verschieben.
Durch diesen Sieg trifft Liverpool nun im Viertelfinale erneut auf Paris Saint-Germain (PSG), das Team, das die Reds in der Vorsaison im Achtelfinale aus dem Wettbewerb geworfen hatte. Eine perfekte Gelegenheit zur Revanche für das bittere Aus im Elfmeterschießen der vergangenen Spielzeit. Ob Liverpool die Formschwäche in der Liga nun mit dem Gewinn der Champions League wettmachen kann? Die erste Saison von Trainer Arne Slot wird immer spannender. Mehrere gut informierte Kreise im europäischen Fußball bezeichnen dieses Viertelfinal-Duell bereits als "Verlängerung der Rivalität aus der Vorsaison" und blicken gespannt auf Liverpools mögliche Revanche.