Irlandia gegen Tschechien: Eine Nacht voller Hochspannung, Herzschmerz – und eine Anleitung zum Prager Schmerz
Also, seien wir ehrlich was die letzte Nacht angeht. Eine solche Nacht in Prag durchlebt man nicht, ohne danach ein ruhiges Bier und einen langen Spaziergang zu brauchen. Ein WM-Playoff-Halbfinale. Auf ihrem Platz. Und 89 Minuten und 40 Sekunden lang waren wir diejenigen, die das Skript diktierten. Dann drehte sich das Blatt komplett, und plötzlich stehen wir da und versuchen zu begreifen, wie uns die Geschichte entglitten ist. Gehen wir es durch – denn ein so bitteres Ergebnis verdient eine gründliche Analyse und vielleicht auch eine kleine Anleitung, wie man das Ganze einordnen kann, ohne sein Trikot vor dem Fernseher zu zerknüllen.
Das Spiel, das uns entglitt
Man geht an einen solchen Ort in dem Wissen, dass die Tschechen sich nicht kampflos ergeben werden. Sie sind körperlich stark, sie sind diszipliniert, und ihre Fans machen jeden Einwurf zu einem Spektakel. Aber unsere Jungs? Sie hatten einen Plan, und verdammt nochmal, sie hielten sich daran. Die erste Halbzeit war eine echte Gala der Arbeitseinstellung. Wir haben uns nicht tief in die eigene Hälfte zurückgezogen – wir sind sie aggressiv angelaufen. Jedes Mal, wenn sie sich festsetzen wollten, war ein Grünhemd da, um ihnen klarzumachen, dass sie keine Zeit am Ball bekommen würden. Und wenn wir im Ballbesitz waren, strahlten wir eine Ruhe aus. Keine Hektik. Keine sinnlosen Befreiungsschläge. Man spürte, dass sich etwas anbahnte.
Die zweite Hälfte begann, und man konnte es an ihrer Körpersprache ablesen. Die Tschechen, die erst vor ein paar Tagen ein irres Spiel gegen Italien überstanden hatten, wirkten zunehmend nervös. Sie warfen immer mehr Leute nach vorne und ließen Räume in der Abwehr. Wir hatten sie genau da, wo wir sie haben wollten. Ein Moment individueller Klasse – und ich frage mich immer noch, wie ihr Torwart den Ball erreichen konnte – verhinderte unsere Führung. Aber man spürte, wie der Glaube an den Sieg um sich griff. In Dublin wurde schon die Anreise zu den Auswärtsspielen geplant. Dann, ganz am Ende, eine Standardsituation, etwas Chaos im Strafraum, und der Ball landet in unserem Netz. Das Auswärtsfach verstummte. Das ist die Grausamkeit dieses Formats. Kein Rückspiel. Keine Chance, es zu Hause wieder gutzumachen. Es ist vorbei.
Was dort wirklich passierte
Wenn ich versuche, dieses Ergebnis zu verarbeiten, schaue ich nicht nur auf das Gegentor. Ich schaue auf die 89 Minuten, die davor lagen. Das war kein „Einschüchtern“ von ihrer Seite. Es war ein langsamer Abnutzungskampf. Sie hatten mehr Ballbesitz, aber sie konnten unsere Formation nicht durchbrechen. Unsere Viererkette war überragend – sie hat alles mit dem Kopf, mit dem Fuß weggemacht. Das Mittelfeld war von Anfang bis Ende ein Kampf. Niemand hat sich gedrückt.
Die Frage, die heute in der Kneipe alle stellen, betrifft nicht das System – es geht um den entscheidenden Moment. Und soweit ich von einigen Jungs aus dem Teamumfeld nach dem Schlusspfiff erfahren habe, lag es letztlich an schlichter Erschöpfung. Wenn man so lange Zeit einer Mannschaft mit dieser Qualität nachläuft, versagen einem am Ende die Beine. Es lag nicht daran, dass wir die schlechtere Mannschaft waren. Es lag daran, dass im Tank nichts mehr übrig war, als der letzte Schlag kam. Das ist die brutale Wahrheit des K.-o.-Fußballs.
Wie man dieses Spiel abhakt
Was bedeutet das also für uns? Der Kater wird hart sein. Aber wenn du eine echte Anleitung suchst, wie man das verarbeitet – wie man dieses Ergebnis nicht nur als puren Schmerz nutzt –, dann ist es das, woran ich mich festhalte:
- Das junge Gerüst ist real. Eine so unerfahrene Mannschaft hat sich auf dem Platz eines europäischen Spitzenteams verbissen geliefert und war über die weit überwiegende Spielzeit drauf und dran, sie zu schlagen. Das ist kein Scheitern. Das ist das Fundament für etwas.
- Es gibt eine klare Identität. Wir wissen jetzt, wer wir sind. Schwer zu knacken, gefährlich im Konter. Das ist mehr, als wir lange Zeit hatten.
- Der Schmerz gehört zum Weg. Jede Mannschaft, die jemals etwas erreicht hat, hatte eine solche Nacht. Diejenigen, die daran zerbrechen, sind nicht die, an die man sich erinnert. Diejenigen, die daraus Kraft schöpfen? Dann nimmt die Geschichte eine Wendung.
Für die Spieler ist diese Art von Enttäuschung der Antrieb für eine Kampagne. Für uns alle ist sie eine Erinnerung daran, warum uns das so wichtig ist. Man klopft sich den Staub ab, trifft sich mit den Kumpels auf ein Bier und schaut nach vorne. Denn das tun wir. Wir stehen wieder auf. Haben wir immer getan.