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Tina Weirather: Nach der Karriere ist vor der Klasse – Wo die Ski-Legende heute steht

Sport ✍️ Marco Bütler 🕒 2026-03-28 21:17 🔥 Aufrufe: 3

Tina Weirather

Man muss nicht lange überlegen, wenn es um die prägendsten Gesichter im alpinen Skisport der letzten Dekade geht. Tina Weirather gehört in diese Riege. Auch wenn wir sie heute nicht mehr im Startraum der Speed-Disziplinen sehen, ist die gebürtige Liechtensteinerin mit Schweizer Wurzeln dem Sport verbunden geblieben. Bei jedem Klassiker in St. Moritz oder Wengen huscht einem der Gedanke durch den Kopf: Mann, wie souverän sie damals den Hang runtergezogen ist.

Die Nachricht ihres Rücktritts im Frühjahr 2020 schlug damals ein wie ein Blitz. Aber ehrlich: Wer ihre Karriere verfolgt hat, wusste, dass dieser Körper nach all den harten Landungen und den Verletzungen ein Zeichen setzen würde. Tina war nie diejenige, die um jeden Preis jeden Start erkämpfen musste – sie war diejenige, die mit einer fast schon unverschämten Coolness fuhr, wenn es drauf ankam. Ihr Stil war dieses elegant-weiche Gleiten, das die harte Piste wie einen flauschigen Teppich aussehen liess.

Für die junge Tina Weirather, die Tochter von Hanni Wenzel und Harti Weirather, war der Druck natürlich immens. Aber sie hat den Namen nicht nur getragen, sie hat ihm eine neue Bedeutung gegeben. Der Gewinn der kleinen Kristallkugel 2018 im Super-G war der krönende Abschluss einer Saison, in der sie schlicht unantastbar war. Wer die Rennen in Lake Louise verfolgt hat, weiss: Dort war ihre persönliche Wohlfühl-Arena. Da hat sie gezeigt, dass sie nicht nur die "Prinzessin" aus dem Fürstentum ist, sondern eine knallharte Konkurrentin auf Weltcup-Niveau.

Ihre Erfolge im Weltcup lesen sich wie das Who-is-Who der Speed-Elite:

  • Weltcup-Disziplinenwertung im Super-G (Saison 2017/18) – die kleine Kristallkugel für absolute Konstanz über die ganze Saison.
  • Sieben Weltcup-Siege in den Speed-Disziplinen, davon mehrere auf den klassischen Strecken in Nordamerika und Europa.
  • Fünf weitere Podestplätze bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, inklusive Rang 4 in Pyeongchang 2018 – eine Platzierung, die jeder Rennläufer kennt: So nah dran und doch so fern, aber ein Beleg für ihre Klasse.

Was macht Tina Weirather heute? Nach dem Rücktritt ist sie nicht einfach im weissen Rauschen der Sportgeschichte verschwunden. Sie hat sich bewusst zurückgezogen, um den Körper und den Kopf zu entlasten. Zusammen mit ihrem Mann, dem Schweizer Skirennfahrer Andreas Sander, pendelt sie heute zwischen dem österreichischen Vorarlberg und ihrer Heimat im Rheintal. Wer ihr heute begegnet, spürt diese Gelassenheit. Sie geniesst es, ohne Startnummer durchs Leben zu gehen, ist ab und zu als Expertin im Fernsehen zu Gast – und ja, sie bringt ihrem Nachwuchs den Spass am Schnee bei. Ganz ohne Leistungsdruck, nur mit Freude.

Für uns in der Schweiz und im benachbarten Liechtenstein bleibt Tina Weirather eine der charismatischsten Athletinnen, die wir je hatten. Diese Mischung aus lässiger Lockerheit und eisernem Willen zeichnete sie aus. Und genau deshalb freut es mich, dass man sie ab und zu noch auf der Piste sieht – nicht mehr im Rennanzug mit Zeitmessung, sondern mit der Familie, ein Lächeln im Gesicht. Das ist der beste Beweis: Man kann die Karriere beenden, ohne die Leidenschaft zu verlieren.

Wenn an Tina Weirather denkt, kommt einem das Sprichwort in den Sinn: Alte Liebe rostet nicht. Für die Schweizer und Liechtensteiner Ski-Community ist sie nicht einfach eine ehemalige Fahrerin. Sie ist eine der Unseren. Solange es Weltcup-Rennen in der Schweiz gibt, wird es Momente geben, in denen der Funke überspringt – und wir denken an die Zeit zurück, als Tina ganz oben auf dem Podest stand und mit diesem unnachahmlichen Lächeln die Kristallkugel in die Höhe stemmte. Genau das nenne ich Klasse, die bleibt.