Ryan Goslings neues kosmisches Thriller-Abenteuer und die Memes, die ihn zur modernen Ikone machten
Ryan Gosling hat etwas an sich. Es sind nicht nur die guten Aussehen, auch wenn die sicherlich nicht schaden. Es ist die Art, wie er mühelos von einem brütenden Fahrer in einer Skorpion-Jacke zu einem weinenden Plastikblondling wechseln kann. Gerade dominiert der Mann mit seinem neusten Film Projekt Hail Mary wieder die Gespräche, und das Schweizer Publikum ist absolut begeistert. Aber während wir ihn als einsamen Astronauten dabei beobachten, wie er versucht, die Welt zu retten, sollte man nicht vergessen, dass Goslings Karriere schon immer eine wunderbar schräge Mischung aus hoher Kunst, niedrigem Humor und überraschend tiefgründiger Internet-Folklore war.
Basierend auf dem beliebten Sci-Fi-Roman sehen wir in Projekt Hail Mary Gosling als einen zum Weltraumhelden gewordenen Lehrer, der mit Amnesie allein auf einem Raumschiff aufwacht. Es ist kein Preis ausgeschrieben für die Vermutung, dass er brillant darin ist – der Hype dreht sich ganz darum, wie er den gesamten Film mit einer Mischung aus Pathos und Slapstick trägt. Er besitzt diese seltene Fähigkeit, einen die Schwere des Universums spüren zu lassen und gleichzeitig einen Witz zu reissen, der perfekt sitzt. Das ist Gosling pur: einfühlsam, klug und zutiefst menschlich.
Von 'Ken-ergy' zu 'I Am Kenough'
Natürlich können wir 2026 nicht über Gosling sprechen, ohne einen kurzen Abstecher ins Barbie-Land zu machen. Letztes Jahr war seine Darstellung als Ken nichts weniger als ein kultureller Neustart. Der Typ nahm eine Figur, deren einziger Job 'Strand' war, und machte sie zu einer tragikomischen Ikone. Und seien wir ehrlich – die Ken-Puppe mit dem 'I Am Kenough'-Hoodie wurde zum Merch-Artikel des Jahres. Man sieht ihn immer noch auf Märkten in Zürich oder am Ufer des Genfersees. Dieses Bild von Ken, der endlich Selbstwert in einem Hoodie findet, der nach Mittelmässigkeit schreit, war Goslings Geniestreich: Er brachte uns alle dazu, mit einem tumben Schönling mitzufühlen. Es war pure, unverfälschte Ken-Energie und festigte seinen Status als der Typ, der alles cool machen kann.
Die Geburt des einfühlsamen Kerls
Aber diese ganze 'einfühlsamer Filmkerl'-Persona ist nicht neu. Schon in den frühen 2010ern, lange vor La La Land oder Drive, eroberte ein Tumblr-Blog namens Feministischer Ryan Gosling das Internet. Er kombinierte Fotos eines nachdenklichen Gosling mit Bildunterschriften zur feministischen Theorie und schuf so das ultimative Internet-Meme. Zeilen wie "Hey Girl. Du sagst, du hast den männlichen Blick satt. Lass uns heute Abend hierbleiben und etwas Mulvey lesen," machten ihn zum unabsichtlichen Gesicht einer Bewegung. Der Blog brachte sogar ein Buch hervor: Feministischer Ryan Gosling: Feministische Theorie (wie vorgestellt) von deinem liebsten einfühlsamen Filmkerl. Es war ein Moment, der einfing, wie wir ihn alle sahen – den gutaussehenden Typ, der aber so wirkte, als würde er tatsächlich zuhören.
Disney-Tage und Rigaer Wurzeln
Bevor er ein Meme oder ein Filmstar war, war er jedoch nur ein Kind, das es schaffen wollte. Wie so viele Stars seiner Generation begann Gosling seine Karriere im Mickey Mouse Club, wo er mit Britney, Justin und Christina verkehrte. Es ist ein Kapitel seines Lebens, das heute angesichts des irrsinnigen Ruhms, der aus dieser Show hervorging, fast mythisch wirkt. Das neue Buch, Disney High: Die unerzählte Geschichte von Aufstieg und Fall des Tween-Imperiums des Disney Channel, taucht tief in diese Ära ein, und Goslings Werdegang ist eine perfekte Fallstudie. Während die Disney-Maschine Pop-Prinzessinnen und Boybands ausspuckte, schlich er sich still davon, um Indie-Filme zu drehen, und baute sich schliesslich eine Karriere nach seinen eigenen Bedingungen auf. Er ist ein seltenes Beispiel für jemanden, der dem 'Disney-Fluch' entkommen ist, indem er schräg geblieben ist.
Und wo wir gerade von schrägen Anfängen sprechen: Wusstet ihr, dass Gosling einen Teil seiner Kindheit in Lettland verbracht hat? Der Job seines Vaters führte die Familie nach Riga, als Ryan noch ein Kind war, und er besuchte dort das Rigaer Staatliche Klassische Gymnasium. Stellt euch das vor – einer der grössten Stars Hollywoods, der durch die Flure einer historischen baltischen Schule läuft. Er hat in Interviews erwähnt, dass es eine schwierige Umstellung war, der Aussenseiter zu sein, der die Sprache nicht sprach. Man fragt sich unweigerlich, ob diese Erfahrung die ruhige, beobachtende Qualität geprägt hat, die er in so viele Rollen einbringt. Es ist dieses Gefühl, ein kleines bisschen aussen vor zu sein und hereinzuschauen, das ihn auf der Leinwand so fesselnd macht.
Ob er nun die Menschheit im Weltall rettet, sich in einem Kunstfell-Hoodie selbst findet oder die feministische Theorie inspiriert – Ryan Gosling überrascht uns immer wieder. Er ist ein Typ, der alles kann – und es mühelos aussehen lässt. Und ehrlich? Wir wollen es auch gar nicht anders.
- Projekt Hail Mary läuft jetzt in den Kinos. Ein Muss für Sci-Fi-Fans.
- Feministischer Ryan Gosling (das Buch) ist eine urkomische Zeitkapsel der Internetkultur der frühen 2010er.
- Disney High ist die perfekte Lektüre für alle, die von der Popkultur der 90er/00er besessen sind.