Ryan Goslings neuer Science-Fiction-Thriller und die Memes, die ihn zur modernen Ikone machten
Ryan Gosling hat etwas an sich. Es sind nicht nur die guten Aussehen, auch wenn die sicherlich nicht schaden. Es ist die Art, wie er mühelos von einem brütenden Fahrer in einer Skorpion-Jacke zu einem weinenden Plastikblondling wechseln kann. Gerade dominiert der Mann mit seinem neuesten Film, Projekt Erde, wieder die Gespräche, und das deutsche Publikum ist absolut begeistert. Doch während wir ihn als einsamen Astronauten dabei beobachten, wie er versucht, die Welt zu retten, sollte man nicht vergessen, dass Goslings Karriere schon immer eine wunderbar seltsame Mischung aus hoher Kunst, niedrigem Humor und überraschend tiefgründiger Internet-Folklore war.
Basierend auf dem beliebten Science-Fiction-Roman, sehen wir in Projekt Erde Gosling als Lehrer, der zum Weltraumhelden wird und mit Amnesie allein auf einem Raumschiff aufwacht. Es ist keine Überraschung, dass er brillant darin ist – der Hype dreht sich ganz darum, wie er den gesamten Film mit einer Mischung aus Pathos und Slapstick trägt. Er besitzt diese seltene Fähigkeit, einen die Schwere des Universums spüren zu lassen und gleichzeitig einen perfekt sitzenden Witz zu reißen. Das ist Gosling pur: einfühlsam, klug und zutiefst menschlich.
Von 'Ken-ergie' zu 'I Am Kenough'
Natürlich kann man 2026 nicht über Gosling sprechen, ohne einen kurzen Abstecher ins Barbie-Land zu machen. Letztes Jahr war seine Darstellung als Ken nichts weniger als ein kultureller Neustart. Der Typ nahm eine Figur, deren einziger Job 'Strand' war, und machte sie zu einer tragikomischen Ikone. Und seien wir ehrlich – der Ken-Puppe mit dem 'I Am Kenough'-Kapuzenpulli wurde zum Merchandising-Artikel des Jahres. Man sieht ihn immer noch auf Märkten in Berlin und am Strand von Sylt. Dieses Bild von Ken, der endlich Selbstwert in einem Pulli findet, der nach Mittelmäßigkeit schreit, war Goslings Geniestreich: Er ließ uns alle für einen tumben Schönling mitfühlen. Es war pure, unverfälschte Ken-ergie und festigte seinen Status als derjenige, der alles cool machen kann.
Die Geburt eines einfühlsamen Kerls
Aber diese ganze 'einfühlsamer Filmheld'-Persönlichkeit ist nicht neu. Schon in den frühen 2010ern, lange vor La La Land oder Drive, eroberte ein Tumblr-Blog namens Feministischer Ryan Gosling das Internet. Er kombinierte Fotos eines nachdenklichen Gosling mit Bildunterschriften voller feministischer Theorie und erschuf so das ultimative Internet-Meme. Zeilen wie "Hey Girl. Du sagst, du bist den männlichen Blick leid. Lass uns heute Abend zu Hause bleiben und etwas Mulvey lesen," machten ihn zum unfreiwilligen Gesicht einer Bewegung. Der Blog brachte sogar ein Buch hervor: Feministischer Ryan Gosling: Feministische Theorie (wie vorgestellt) von deinem liebsten einfühlsamen Filmhelden. Es war ein Moment, der einfing, wie wir ihn alle sahen – den gutaussehenden Typen, der aber so wirkte, als würde er tatsächlich zuhören.
Disney-Tage und Rigaer Wurzeln
Bevor er ein Meme oder ein Filmstar war, war er jedoch nur ein Kind, das es schaffen wollte. Wie so viele Stars seiner Generation begann Gosling seine Karriere im Mickey Mouse Club, wo er mit Britney, Justin und Christina verkehrte. Es ist ein Kapitel seines Lebens, das heute fast mythisch anmutet, angesichts des wahnsinnigen Ruhms, der aus dieser Show hervorging. Das neue Buch, Disney High: Die unerzählte Geschichte von Aufstieg und Fall des Disney Channel Tween-Imperiums, taucht tief in diese Ära ein, und Goslings Werdegang ist eine perfekte Fallstudie. Während die Disney-Maschine Pop-Prinzessinnen und Boygroups ausspuckte, verzog er sich still und leise, um Independent-Filme zu drehen, und baute sich schließlich eine Karriere nach seinen eigenen Bedingungen auf. Er ist ein seltenes Beispiel für jemanden, der dem 'Disney-Fluch' entkam, indem er seltsam blieb.
Und wo wir gerade von seltsamen Anfängen sprechen: Wusstet ihr, dass Gosling einen Teil seiner Kindheit in Lettland verbrachte? Die Arbeit seines Vaters führte die Familie nach Riga, als Ryan noch ein Kind war, und er wurde am Staatlichen Klassischen Gymnasium Riga eingeschult. Stellt euch das vor – einer der größten Hollywood-Stars, der durch die Flure einer historischen baltischen Schule läuft. Er hat in Interviews erwähnt, dass es eine schwierige Umstellung war, der Außenseiter zu sein, der die Sprache nicht sprach. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Erfahrung die stille, beobachtende Qualität geprägt hat, die er in so viele Rollen einbringt. Es ist dieses Gefühl, ein kleines bisschen außen vor zu sein und hereinzuschauen, das ihn auf der Leinwand so fesselnd macht.
Ob er nun die Menschheit im Weltall rettet, sich in einem Kunstfell-Kapuzenpulli selbst findet oder feministische Theorie inspiriert – Ryan Gosling überrascht uns immer wieder. Er ist ein Typ, der alles kann – und dabei mühelos wirkt. Und ehrlich? Wir wollen es gar nicht anders.
- Projekt Erde läuft jetzt in den Kinos. Ein Muss für Science-Fiction-Fans.
- Feministischer Ryan Gosling (das Buch) ist eine urkomische Zeitkapsel der Internetkultur der frühen 2010er Jahre.
- Disney High ist die perfekte Lektüre für alle, die von der Popkultur der 90er/00er besessen sind.