Rachel Zegler über ihre «innovative» Evita-Balkonszene und warum sie The Hunger Games für immer lieben wird
Wenn man sich in letzter Zeit nur in der Nähe des West Ends aufgehalten hat, hat man die Aufregung gespürt. Und es ist nicht nur das übliche Theaterpublikum. Es liegt eine neue Energie in der Luft, eine ganz besondere Spannung, und alles dreht sich scheinbar um einen Namen: Rachel Zegler. Der Star gab ihr Debüt in London in der ikonischen Rolle der Eva Perón in Evita, und ich kann euch sagen: Es ist alles, was wir uns erhofft haben und noch viel mehr. Das Gerede dreht sich aber nicht nur um die Vorstellung im Theater – sondern auch um das, was direkt davor passiert ist.
Ich berichte schon lange genug über die Theaterszene hier, um zu wissen, wann ein Moment in Erinnerung bleiben wird, und ihr jüngster Auftritt auf dem Balkon war einer dieser Momente. Zum ersten Mal während dieser Produktion versammelten sich die Menschen für Rachel Zeglers Balkon-Auftritt, und das Gefühl war weniger das einer inszenierten Szene, sondern vielmehr das einer echten, spontanen Huldigung. Das passiert, wenn eine Performerin so tief mit einer Rolle verbunden ist, dass die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwimmt. Sie trat auf diesen berühmten Balkon hinaus, und man spürte, wie unten auf dem Pflaster der Atem der Menge stockte. Wie ich von Leuten aus der Branche gehört habe, nannte sie es hinterher «erstaunlich und innovativ» – und sie hat recht. Es ist eine neue Interpretation eines klassischen Moments, aber auch ein Beweis für ihre schiere Ausstrahlungskraft.
Das ist natürlich nicht das erste Mal, dass sie mit riesigen, eingeschworenen Fangemeinden zu tun hat. Wer ihre Karriere verfolgt, weiss, dass sie mit Kulturphänomenen bestens vertraut ist. Bevor sie das West End eroberte, führte sie durch das Prequel zu einem der grössten Film-Franchises des Jahrhunderts. Ich erinnere mich noch an den Hype, als The Hunger Games: The Ballad of Songbirds & Snakes herauskam. Ihre Darstellung der Lucy Gray Baird war nicht nur gut; sie war eine Offenbarung. Und wenn es euch geht wie mir, läuft bei euch immer noch The Hunger Games: The Ballad of Songbirds & Snakes (OST) in Dauerschleife. Stücke wie «The Hanging Tree» bekamen in ihren Händen ein völlig neues Leben.
Es ist lustig, denn in gewisser Weise verbindet sie zwei völlig unterschiedliche Welten. Da ist die düstere, dystopische Welt von Panem, mit der sie nun eine Verbindung hat – vergessen wir nicht, sie ist Teil des grösseren Universums, zu dem auch Filme wie The Hunger Games 3: Mockingjay – Deluxe Edition gehören, den Fans wegen seiner Intensität immer wieder anschauen. Und dann ist da der Glamour und die historische Schwere von Argentinien in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Aber Zegler schafft es, alles miteinander zu verbinden. Es geht immer ums Geschichtenerzählen, um eine Figur, die ihre Performance als Waffe, als Schutzschild oder als Mittel zur Inspiration einsetzt.
Bei ihrem West End-Debüt singt sie nicht einfach nur die Lieder; sie verkörpert den Ehrgeiz und die Tragik von Eva Perón auf eine Weise, die verblüffend modern wirkt. Es heisst, sie habe sich kürzlich mit Claudia Winkleman hingesetzt und ein grossartiges Gespräch über den Druck geführt, eine solche legendäre Rolle zu übernehmen. Es ist eine Sache, sie in einem Film zu sehen, aber sie live zu erleben, wie sie diese Töne trifft und die Bühne beherrscht? Das ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Und sie meistert das mit einer Anmut, die man in ihrem Alter kaum für möglich hält.
Warum dieser spezielle West End-Moment noch jahrelang Gesprächsthema sein wird:
- Die Balkonszene: Sie ist zu einem Anziehungspunkt für sich geworden. Die Leute kaufen nicht nur Karten für die Show; sie hoffen, diese magischen Minuten vor dem Theater mitzuerleben. Das hat einen theatralischen Moment zu einem gemeinsamen Stadterlebnis gemacht.
- Ihre Stimme: Schauen wir mal: Dass sie singen kann, wussten wir. Aber die Kraft und die emotionale Bandbreite, die sie in dieser Produktion zeigt, sind nochmal eine andere Liga. Es ist die Art von Stimme, die einen verstehen lässt, warum Andrew Lloyd Webber sie unbedingt haben wollte.
- Die Überschneidung der Fangemeinden: Hier treffen Hunger Games-Fans auf traditionelles Theaterpublikum. Das sorgt für ein jüngeres, lauteres und leidenschaftlicheres Publikum, als man es sonst im West End gewohnt ist – und das ist grossartig zu sehen.
Egal, ob ihr ihre Stimme in der Arena von Panem geliebt habt oder sie jetzt zum ersten Mal im Herzen Londons entdeckt – es ist unbestreitbar, dass wir hier eine Ausnahmekünstlerin auf dem Höhepunkt ihres Könnens erleben. Wenn ihr die Gelegenheit habt, sie in Evita zu sehen, oder euch einfach in der Nähe des Theaters befindet, wenn sich die Balkontüren öffnen, tut euch selbst einen Gefallen und bleibt stehen. Es ist einer dieser seltenen Momente, in denen der Hype tatsächlich und wirklich real ist.