Noni Madueke: Der Chelsea-Flügel, der nicht schmollt – und warum Arsenal grossen Grund zur Sorge hat
Man entwickelt einen gewissen Stallgeruch, wenn man weiss, dass man gerade den amtierenden Meister vorgeführt hat. Das ist keine Arroganz, sondern dieser ruhige, unerschütterliche Glaube an sich selbst, der die Spieler, die eine gute Karriere machen, von denen unterscheidet, die eine Ära prägen. Im gemischten Bereich nach diesem eindrucksvollen Sieg gegen Manchester City strahlte Noni Madueke genau das aus. Nicht laut, nicht prahlerisch. Nur ein wissendes Lächeln, das sagte: «Ja, ich gehöre hierher.»
In den letzten 18 Monaten drehte sich das Gerede an der Stamford Bridge um Potenzial. Um die astronomischen Ablösesummen und langfristige Projekte. Aber wenn Sie jetzt auf die Tabelle schauen, auf den Schlussspurt, dann erkennen Sie, dass dieses Projekt langsam aber sicher bedrohlich nach einem Titelrennen aussieht. Und an der Spitze dieses Sturms, mit einer Direktheit, die Aussenverteidigern kalten Schweiss auf die Stirn treibt, steht der 23-Jährige aus Southwark. In einer Saison, in der die Erzählung von Erling Haalands Toren und Arsenals Defensivstabilität dominiert wurde, hat sich Noni Madueke leise zum Unruhestifter gemausert, den niemand haben will.
Die Leistung gegen City war kein Strohfeuer; sie war der Höhepunkt einer mentalen Wandlung. Im modernen Fussball, vor allem bei Flügelspielern, gibt es viel Gerede über «Körpersprache» und «Einstellung». Sieht man einen Spieler auf der Bank, geht man sofort von Schmollerei aus. Aber hinter den Kulissen auf dem Trainingsgelände heisst es, Noni Madueke sei nicht im Mindesten zum Schmollen zumute. Ihm war nach Arbeit. Als der Trainer ihn im Frühjahr für ein paar Spiele draussen liess, gab es keine Interviews für die Hinterbänkler, keine kryptischen Instagram-Posts. Stattdessen gab es extra Abschlusstrainings nach dem offiziellen Programm – diese Art von Knochenarbeit, aus einem vielversprechenden Flügelspieler einen Matchwinner macht.
Und genau das macht das bevorstehende Duell im Emirates so ungemein spannend. Denn wenn Sie Mikel Arteta sind, haben Sie ein Problem. Nicht nur ein taktisches, sondern ein psychologisches. Da ist ein Spieler, der genau in dem Moment seinen Zenit erreicht, in dem sein Team ihn am dringendsten braucht – und der zudem einen Punkt beweisen will, und zwar gegen den Mann, der aktuell das englische Nationaltrikot trägt, das er selbst haben möchte.
Reden wir über diese Rivalität, denn sie ist das Gesündeste und Aufregendste im englischen Fussball derzeit. Es ist Bukayo Saka gegen Noni Madueke. Und anders als bei den erzwungenen Erzählungen, die wir sonst so bekommen, basiert diese hier auf echtem, gegenseitigem Respekt mit einer scharfen Wettbewerbskante. Wenn man sie bei England-Lehrgängen sieht, merkt man die Verbindung, aber auch das gegenseitige Verständnis. Jedes Mal, wenn Saka für die Gunners einen Traumtor erzielt, können Sie sicher sein, dass Noni Madueke zusieht, es im Hinterkopf abspeichert und denkt: «Okay, das ist die Messlatte.»
Diese Art von internem Druck macht eine ganze Nation stärker, aber in einem Titelrennen macht sie eine Mannschaft sehr, sehr nervös. Arsenal hatte den Luxus, dass Saka unangefochtener Leitwolf auf dem rechten Flügel war. Aber Chelsea hat ein anderes Kaliber. Sie haben einen Spieler, der im direkten Vergleich aufblüht, der seinen englischen Nationalmannschaftskollegen nicht als verhassten Rivalen sieht, sondern als Massstab, den es zu übertreffen gilt.
Deshalb traue ich Noni Madueke zu, in diesem Schlussspurt den Unterschied auszumachen:
- Der Angstfaktor: Verteidiger fürchten seinen Tempowechsel. Gegen City demütigte er seinen Gegenspieler nicht nur, er führte ihn vor. Auf einem grossen Platz wie dem Emirates, gegen einen müden Linksverteidiger, ist das für Arsenal eine tickende Zeitbombe.
- Der Tunnelblick: Er ist komplett auf Sieg fokussiert. Die Zeiten von effektheischenden Übersteigern ohne Endprodukt sind vorbei. Er liefert jetzt den entscheidenden Pass – und, noch wichtiger, er erzielt die dreckigen Tore im Fünfmeterraum. Das ist das Zeichen eines Flügelspielers, der der Mann sein will, auf den es ankommt.
- Der Saka-Faktor: Wenn das Titelrennen darauf hinausläuft, wer mit dem Druck besser umgehen kann, dann weiss Noni Madueke, dass er auf der grössten Bühne glänzen und Saka überstrahlen muss, um seinen Platz in der Startelf der Three Lions endgültig zu zementieren. Das ist eine mächtige Motivation.
Ich komme immer wieder auf diesen Satz zurück: «nicht im Mindesten zum Schmollen zumute». Das klingt simpel, aber in der knallharten Welt eines Premier-League-Titelrennens ist es alles. Es ist der Unterschied zwischen einem Spieler, der beim Auswechseln den Kopf hängen lässt, und einem, der die nächsten 20 Minuten von der Bank aus die Defensivordnung des Gegners studiert, bereit, sie bei seiner Einwechslung auszunutzen. Diese Mentalität haben wir gegen City gesehen. Wir haben sie vor ein paar Wochen gegen Tottenham gesehen.
Wenn wir nun in die Länderspielpause gehen, während die Tabelle so eng ist wie ein Trommelfell, hat sich die Erzählung verschoben. Es geht nicht mehr nur darum, ob Arsenal die Reife hat, es über die Ziellinie zu schaffen, oder ob City seinen üblichen Schlussspurt hinlegen kann. Es geht darum, ob Chelsea, mit dieser plötzlich unaufhaltsamen Kraft auf dem rechten Flügel, den Glauben hat, die Party zu crashen.
Wenn Sie Arsenal-Fan sind, werden Sie hoffen, dass Sakas Magie den Lärm übertönt. Aber wenn Sie neutral sind oder einfach Liebhaber von richtigem, unverfälschtem Fussball, dann schnallen Sie sich an für die Noni Madueke-Show. Der Junge aus Southwark spielt nicht mehr nur für einen Titel. Er spielt, um zu beweisen, dass er der Beste auf seiner Position im ganzen Land ist. Und derzeit liefert er verdammt gute Argumente dafür.