Niels Hintermann beendet seine Karriere: Krebs-Besieger kämpft vergeblich gegen Panikattacken
Es ist eine Nachricht, die die Skiwelt mit Fassungslosigkeit und tiefer Trauer erfüllt: Niels Hintermann, der Schweizer Speed-Spezialist, der vor wenigen Jahren den Krebs besiegte und sensationell auf die Piste zurückkehrte, hängt die Skier an den Nagel. Der 28-Jährige gab am Freitagnachmittag bekannt, dass er seine Karriere mit sofortiger Wirkung beendet. Die Gründe sind erschütternd: Immer wiederkehrende Panikattacken haben den Kämpfer endgültig bezwungen.
Ein Kämpferherz, das nicht mehr im Renntempo schlägt
Man muss sich das einmal vorstellen: Da kämpft sich ein junger Athlet nach einer niederschmetternden Krebsdiagnose (Hodenkrebs, 2018) mit einer unglaublichen Willensstärke zurück, feiert 2020 sein Weltcup-Comeback, fährt 2022 in Kitzbühel auf den vierten Platz – und dann ist da dieser unsichtbare Feind im Kopf, der stärker ist als jeder Gegner auf der Strecke. Niels Hintermann sprach in seinem Abschiedsbrief von einer „Qual, die kein Training der Welt heilen kann“. Die Freude am Skifahren, der ultimative Antrieb jedes Athleten, sei ihm durch die Angstzustände genommen worden.
Der Geist sagte Stopp, das Herz wollte weiter
Sein Leidensweg begann schleichend. Nach der überstandenen Krebserkrankung schien alles möglich, der Körper war stark, die Technik brillant. Doch dann kamen die ersten Schatten. Panikattacken, die ihn oft völlig unerwartet überfielen: im Start Haus, beim Einfahren, sogar nachts im Hotelzimmer. „Man hat das Gefühl, zu ersticken, der Puls rast, und du kannst nichts dagegen tun“, vertraute er engen Vertrauten an. Die Skisaison ist ein einziger Kampf gegen die Uhr und die Angst – wenn die Angst aber zum ständigen Begleiter wird, ist der Weg das Ziel nicht mehr erreichbar.
Für uns Zuschauer war er immer der Fels in der Brandung, der eiskalte Abfahrer. Doch hinter der Fassade tobte ein Orkan. Die Entscheidung, jetzt Schluss zu machen, ist die einzig richtige – auch wenn sie unendlich schwerfällt. Die gesamte Ski-Familie, von Kollegen bis zu Funktionären, zollt ihm Respekt. Sein Rücktritt ist ein schwerer Schlag für den Schweizer Skisport, aber vor allem ein Signal: Die Gesundheit geht immer vor. Wir wünschen Niels Hintermann von Herzen, dass er jetzt den Frieden findet, den er auf der Piste so vergeblich gesucht hat.
Seine Karriere in Zahlen und Momenten
Bevor der Vorhang fällt, lohnt ein Blick auf das, was war. Niels Hintermann hat uns Momente geschenkt, die Gänsehaut verursachen:
- Die Krebs-Diagnose (2018): Ein Schock für alle. Kaum einer glaubte an ein Comeback auf höchstem Niveau.
- Das sensationelle Comeback (2020): Nur zwei Jahre nach der Chemo stand er wieder im Weltcup – und fuhr auf Anhieb in die Punkte.
- Der vierte Platz in Kitzbühel (2022): Auf der legendären Streif, der schwierigsten Abfahrt der Welt, verpasste er das Podest nur um Hundertstelsekunden. Ein Triumph des Willens.
- Die letzten Rennen: Trotz der inneren Kämpfe biss er sich durch, kämpfte um jedes Zehntel. Bis der Körper zwar wollte, aber der Geist nicht mehr konnte.
Servus, Niels, und vergelt’s Gott für alles! Du bleibst ein Vorbild – nicht wegen der Medaillen, sondern wegen deiner Art zu kämpfen.