Juliane Snekkestad erwägt Beschwerde: «Ich bin mit dieser Sache noch nicht fertig»
Es ist ein paar Tage her, seit die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Marius Borg Høiby eingestellt hat, aber für Juliane Snekkestad ist die Sache noch lange nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Die junge Frau, die sich mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit wandte, ist nun dabei, ihre nächsten Schritte gründlich zu prüfen. «Ich bin mit dieser Sache noch nicht fertig», sagt sie.
Letzte Woche entschied die Staatsanwaltschaft Oslo, die Ermittlungen gegen Høiby einzustellen. Der Entscheid kam für viele überraschend, und ganz besonders für Snekkestad selbst. Sie hatte sich stets gewünscht, dass der Fall vor Gericht verhandelt wird, und reagiert heftig darauf, dass die Staatsanwaltschaft nun einen Schlussstrich zieht.
Jetzt bekommt sie Hilfe vom renommierten Anwalt John Christian Elden, um die Möglichkeiten einer Beschwerde zu prüfen. «Wir prüfen, ob es Gründe für eine Beschwerde gegen die Einstellung gibt und erwägen auch, ob eine Zivilklage in Frage kommen könnte», sagt Elden. Er betont, dass sie sich die Zeit nehmen, die Unterlagen gründlich zu studieren, bevor sie ein Fazit ziehen.
Reaktion auf Aussagen
Im Nachgang der Verfahrenseinstellung gab es auch mehrere Aussagen, die Snekkestad als unangemessen empfindet. Unter anderem kommentierten einige, dass der Fall «gar nicht erst in die Medien gehört hätte». Das bringt sie auf die Palme. «Es ist verletzend zu hören, wie Leute das, was ich durchgemacht habe, verharmlosen. Hier geht es um mehr als nur eine Schlagzeile», sagt sie.
Sie erlebt, dass viele den Ernst der Lage nicht verstehen und dass es eine grosse Belastung war, sich zu offenbaren. «Ich wusste, dass es hart wird, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich mich zusätzlich noch gegen Angriffe von aussen verteidigen müsste», fügt sie hinzu.
Prüfung mehrerer Optionen
Snekkestad selbst zufolge ist sie fest entschlossen, weiterzukämpfen. Sie möchte ihrer Meinung nach vorhandene Schwächen in der Ermittlung und der Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft aufzeigen. Zusammen mit Elden prüft sie nun mehrere Spuren:
- Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft: In erster Linie erwägen sie, Beschwerde gegen die Einstellung bei der Generalstaatsanwaltschaft (Riksadvokaten) einzulegen, in der Hoffnung, dass das Verfahren wieder aufgenommen wird.
- Zivilklage auf Schadenersatz: Sollte die Beschwerde keinen Erfolg haben, könnte eine Zivilklage in Frage kommen, um Schadenersatz für die behaupteten Verletzungen zu erhalten.
- Veröffentlichung von Dokumenten: Snekkestad erwägt auch, Einsicht in alle Ermittlungsakten zu verlangen, um Vorwürfe, die in der Öffentlichkeit aufkamen, entgegentreten zu können.
«Ich habe nichts zu verbergen, und ich möchte, dass die Leute sehen können, worum es hier eigentlich geht. Es ist mir wichtig, die Wahrheit ans Licht zu bringen», sagt sie entschlossen.
Unterstützung aus unerwarteter Ecke
Während die Kritik niedergeprasselt ist, hat Snekkestad gleichzeitig auch Unterstützung von verschiedenen Seiten erhalten. Mehrere Frauenrechtsorganisationen und Einzelpersonen haben sich gemeldet und ihr Mitgefühl ausgedrückt. «Es tut gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die mich sehen und mir glauben. Das gibt mir die Kraft, das durchzustehen», sagt sie.
Sie erzählt, dass sie nun versucht, eine Balance zu finden zwischen dem Kampf für ihre Sache und der Sorge um ihre eigene Gesundheit. «Es ist anstrengend, aber ich habe gute Leute um mich herum. Ich weiss, was ich will, und ich gebe nicht auf.»
Für Juliane Snekkestad ist dies noch lange nicht vorbei. Mit Elden im Rücken und einem klaren Plan für den weiteren Weg blickt sie nun nach vorne. «Ich hoffe, dass wir dadurch dazu beitragen können, dass andere in ähnlichen Situationen sich ebenfalls trauen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das ist den Kampf wert», schliesst sie.