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Der Untergang der IRIS Dena: Wie ein "stiller Tod" im Indischen Ozean alles verändert

Ausland ✍️ Steve Braunias 🕒 2026-03-05 01:05 🔥 Aufrufe: 2
Die iranische Fregatte IRIS Dena auf See, bevor sie von einem Torpedo eines US-U-Boots versenkt wurde.

Man könnte meinen, der Indische Ozean sei unser friedlicher Hinterhof – ein Ort, an dem unsere Marine humanitäre Hilfe leistet und unsere Sportteams zu Spielen reisen. Doch diese Illusion wurde am Mittwoch zerstört. Ein US-U-Boot feuerte einen Torpedo ab und versenkte ein iranisches Kriegsschiff direkt vor den Gewässern Sri Lankas. Plötzlich rückt dieser Konflikt erschreckend nah.

Das getroffene Schiff war die IRIS Dena, eine Fregatte der Moudge-Klasse, die erst vor wenigen Wochen als Ehrengast an den Marinemanövern "Milan 2026" der indischen Marine in Visakhapatnam teilgenommen hatte. Man stelle sich die Szene vor: Iranische Offiziere schütteln Hände mit indischen Kollegen, gemeinsame Essen, der ganze diplomatische Austausch. Augenzeugen berichten, dass das östliche Marinekommando Indiens anlässlich des Empfangs der Dena sogar eine Erklärung über die "langjährigen kulturellen Verbindungen" veröffentlichte. Es war durchaus zivilisiert.

Dann, auf ihrer langen Rückreise durch internationale Gewässer vor Sri Lanka, wurde sie getroffen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete den Vorfall als einen "stillen Tod". Er trat im Pentagon vor die Presse und sagte: "Ein amerikanisches U-Boot versenkte ein iranisches Kriegsschiff, das sich in internationalen Gewässern in Sicherheit wähnte. Stattdessen wurde es von einem Torpedo getroffen." Er betonte, dass dies das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sei, dass ein feindliches Schiff mit einem Torpedo versenkt wurde.

Die Bilanz ist verheerend. Fast 180 Besatzungsmitglieder waren an Bord. Die srilankische Marine, die nach dem Notruf sofort Hilfe leistete, konnte bisher 32 schwer verletzte Seeleute aus dem Wasser retten. Zudem wurden 87 Leichen geborgen. Das Suchgebiet ist nun ein Ölteppich, wo einst ein Schiff voller Seeleute war.

Warum dieser Vorfall alles verändert

Wir haben in der vergangenen Woche alle die Eskalation im Nahen Osten verfolgt. Die Angriffe auf Teheran, die Vergeltungsschläge, die Schliessung der Strasse von Hormus. Es war im Fernsehen zu sehen, aber schien weit weg. Doch die Versenkung der IRIS Dena fand nicht im Golf statt. Sie geschah hier, vor unserer Haustür.

Ein hochrangiger Marinevertreter aus der Region brachte es auf den Punkt: Dies sei eine alarmierende "Realitätsprüfung". Indem die USA ein Schiff angriffen, das faktisch ein diplomatischer Gast Indiens war, haben sie den Krieg direkt in die neutralen Gewässer des Indischen Ozeans getragen. Es zeigt, dass es jetzt keine tabuisierten Zonen mehr gibt. Interne Verteidigungsanalysen deuten darauf hin, dass die USA bereits 17 iranische Schiffe zerstört haben. Sie dezimieren systematisch die iranische Marine – und das direkt vor unserer maritimen Haustür.

Was das für uns in der Schweiz bedeutet

Und jetzt? Was bedeutet das für uns, während wir hier unseren Kaffee trinken? Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Lage natürlich genau im Blick. Auch wenn die Schweiz nicht direkt militärisch involviert ist, sind die Auswirkungen auch für uns spürbar. Die Schweizer Gemeinde im Ausland, besonders in den Golfstaaten, ist gross. Rund 4'500 Schweizer Staatsangehörige leben in der Golf-Region, viele davon in den VAE. Sollte die Lage weiter eskalieren, könnten auch für sie die Heimreise oder die Konsulatshilfe schwieriger werden. Die offizielle Reiseberatung des EDA für die Region wurde bereits verschärft, und man appelliert an die Schweizerinnen und Schweizer vor Ort, die Lage aufmerksam zu verfolgen und die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.

Hier der aktuelle Stand der Dinge vor Ort:

  • Die Strasse von Hormus ist de facto geschlossen. Die iranischen Revolutionsgarden drohen, jedes Schiff, das die Durchfahrt versucht, in Brand zu setzen. Die Ölpreise sind bereits deutlich gestiegen.
  • Der Luftraum ist chaotisch. Grosse Drehkreuze wie Dubai sind beeinträchtigt, was kommerzielle Flüge aus der Region erschwert.
  • Der Konflikt weitet sich aus. Es geht nicht mehr nur um Iran und Israel. Der Libanon wird schwer getroffen, und Saudi-Arabien, Katar und Kuwait wurden ebenfalls mit Raketen oder Drohnen angegriffen.

Auch die humanitäre Dimension darf nicht vergessen werden. Man denke nur an die iranische Fussball-Nationalmannschaft der Frauen, die sich derzeit in Australien auf das Asien-Cup-Spiel gegen die "Matildas" vorbereitet. An einer Pressekonferenz waren die Spielerinnen sichtlich betroffen. Sie sprachen über ihre Familien in der Heimat, die schwierige Erreichbarkeit wegen Internetausfällen und die Hoffnung, ihrem Land mit einem guten Spiel zumindest einen kleinen Lichtblick zu schenken. Es ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass das Leben – und der Sport – trotz allem weitergeht.

Für alle, die sich in der Region aufhalten, gilt weiterhin: In Sicherheit bleiben, sofern möglich, und die Entwicklung der Lage genau verfolgen. Die Konsulate und Botschaften stehen in Kontakt mit den lokalen Behörden. Aber nachdem ein US-U-Boot vor Sri Lanka den ersten Torpedo seit dem Zweiten Weltkrieg abgefeuert hat, ist der Begriff der "Sicherheit" leider relativ geworden. Wir sind nicht mehr nur Zuschauer. Der Konflikt ist in unserer Nachbarschaft angekommen.