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Explosion an jüdischer Schule in Amsterdam erschüttert die Stadt – "Dies hat eine neue Dimension erreicht"

Nachrichten ✍️ Matti Virtanen 🕒 2026-03-15 04:01 🔥 Aufrufe: 1

Man kennt dieses Gefühl, wenn man am Samstagmorgen aufwacht und die Nachrichten einen treffen wie ein nasser Lappen. Amsterdam hat sich immer gerne als Hort der Toleranz gerühmt – das liegt in der DNA dieser Stadt. Doch die Ereignisse der letzten Nacht im idyllischen Vorort Buitenveldert haben mir eiskalte Schauer über den Rücken gejagt. Ich spreche vom Anschlag auf die Amsterdamer jüdische Schule Cheider. Das ist kein kleiner Vandalismus mehr; das ist ein direkter Angriff auf unser aller Zusammenleben.

Spuren der Explosion an der jüdischen Schule in Amsterdam

Ein Knall in der Dunkelheit der Nacht

Gehen wir durch, was wir wissen. In der Nacht, genauer gesagt in der Nacht auf Samstag, bog jemand mit einem Motorroller in das ruhige Wohnviertel Buitenveldert ein. Auf einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie eine Person absteigt und einen Sprengsatz an die Aussenwand der Cheider-Schule legt. Kurz darauf zerriss eine Explosion die nächtliche Stille. Zum Glück war die Schule leer, niemand wurde verletzt. Der Sachschaden hielt sich in Grenzen, aber die seelischen Wunden sind tief. Anwohner berichten, dass es dieselbe Schule ist, die in der Vergangenheit wegen einer Bedrohungslage mit einem Stahlzaun geschützt werden musste. Nun hat also auch das nicht gereicht.

Die Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema liess keinen Zweifel aufkommen. Sie verurteilte die Tat umgehend als "gezielten Anschlag auf die jüdische Gemeinschaft" und als "feigen Akt". Ihre Worte beschreiben die trostlose Stimmung, die unter den Jüdinnen und Juden in Amsterdam derzeit herrscht: eine Mischung aus Angst und Wut, gepaart mit Ohnmacht. Und wer könnte es ihnen verdenken? Wenn die oberste Chefin der Stadt feststellen muss, dass nicht einmal mehr eine Schule sicher ist, dann sind wir gewaltig in der Sackgasse.

Die Regierung ist wach, aber war sie rechtzeitig wach?

Auch die politische Spitze des Landes reagierte schnell. Premierminister Rob Jetten bezeichnete den Anschlag als "schrecklich" und betonte, dass Antisemitismus in den Niederlanden keinen Platz habe. Er sagte, er verstehe die Wut und Angst der Gemeinschaft und versprach rasche Gespräche mit ihr. Justizminister David van Weel wies auf ein besorgniserregendes Muster hin: Es ist bereits die zweite Nacht in Folge, in der jüdische Einrichtungen angegriffen werden – in der vorherigen Nacht wurde in Rotterdam vor einer Synagoge Feuer gelegt. Die Behörden sind jetzt sicher hellwach, aber die Kernfrage lautet: Waren sie früh genug wach?

Ein sich ausweitender Kreis der Gewalt

Dies ist leider kein Einzelfall. Es ist Teil eines grösseren und beängstigenden Phänomens. Schauen wir uns die Ereignisse der letzten Tage an:

  • Rotterdam: Am Freitag wurden vier Jugendliche festgenommen, die verdächtigt werden, eine Synagoge angezündet zu haben.
  • Lüttich: Anfang der Woche erschütterte eine Explosion die Synagoge im belgischen Lüttich.
  • Detroit: Und aus den USA erreicht uns düstere Kunde, wo ein Mann mit einem Auto in eine Synagoge raste.

Zufälle? Wohl kaum. Und jetzt, das i-Tüpfelchen, verbreitet sich in den sozialen Medien ein Video, in dem eine unbekannte Gruppe namens "Islamische Bewegung der Gefährten des Rechten" die Verantwortung für den Anschlag übernimmt und behauptet, es sei "die Rache Irans". Die Gruppe ist neu und ihre Verbindungen sind unklar, aber die Botschaft ist dennoch klar: Sie verbindet den Konflikt im Nahen Osten direkt mit unseren Strassen. Behördenkreise bestätigen, dass nach den Tätern gesucht wird und dies eine von mehreren Ermittlungslinien ist.

Die Seele des alten Amsterdam

Wenn ich davon höre, denke ich unweigerlich an die Geschichte der Stadt. Amsterdam – oder Neu Amsterdam, wie es auf Kolonialkarten eingezeichnet war – war schon immer eine Stadt der Händler, Seefahrer und Flüchtlinge. Die jüdische Gemeinschaft hat hier tiefe Wurzeln, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Es ist erschütternd, dass wir im Jahr 2026 darüber reden müssen, die Schulen unserer Kinder vor Bombenanschlägen zu schützen. Das ist nicht das Amsterdam, das wir kennen. Das ist nicht die Welt des AFC Ajax, in der Multikulturalität schon immer eine Stärke und eine Quelle des Stolzes war.

Die Regierung von Amsterdam verspricht nun eine Verschärfung der Sicherheitsmassnahmen und eine Intensivierung der Ermittlungen. Sie suchen nach zwei Verdächtigen, die mit einem Motorroller geflohen sind. Das ist gut und notwendig. Aber es beseitigt nicht die Kernfrage: Wie konnte es so weit kommen, dass eine kleine, aber lebendige jüdische Gemeinschaft schon wieder in Angst in ihrer eigenen Stadt lebt? Dieser Anschlag war nicht nur ein Anschlag auf eine Mauer. Er war ein Anschlag auf unser aller Sicherheitsgefühl. Und das spürt man bis ins Mark.