Mika Myllylä: Die Geschichte einer gefallenen Legende – Doping, Scham und ein Dokumentarfilm, der den Menschen zeigt
Die finnischen Loipen haben selten eine solche Ausstrahlung und rohe Kraft erlebt, wie Mika Myllylä sie mitbrachte. In den späten 1990er-Jahren war er ein Star, der heller strahlte als jeder andere. Doch wie in den antiken Tragödien verglühte auch in Myllyläs Geschichte der Komet. Nun, mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Tod, sprechen wir wieder über ihn. Der Grund dafür sind zwei Dinge: Marko Lempinens viel diskutiertes Werk Die gefallene Legende - Mika Myllylä und ein kommender Dokumentarfilm, der verspricht, den Mann in einem völlig neuen Licht zu zeigen.
Der Bär, der die Welt eroberte
Vor seinem Fall war Myllylä schlichtweg unaufhaltsam. Der Höhepunkt seiner Karriere war das olympische Gold 1998 in Nagano und die drei Weltmeistertitel 1999 in Ramsau. Insgesamt sammelte er beeindruckende 15 Medaillen bei internationalen Großereignissen, was ihn zu einem der erfolgreichsten finnischen Skisportler aller Zeiten macht. Wir erinnern uns an ihn als den Mann, der immer ein bisschen mehr konnte, der Schmerzen ertrug und dem keine Maschine hinterherkam. Im Nachhinein betrachtet, war das nicht nur die Kraft reinen Ehrgeizes. Wie in Lempinens Buch offen dargelegt wird, gab Myllylä vor Gericht im Frühjahr 2011 selbst zu, das Hormon EPO verwendet zu haben. Es war eine Art Absolution, die zu spät kam, um seinen Ruf zu retten, aber früh genug, um die Gnadenlosigkeit dieser Ära zu dokumentieren.
"Die gefallene Legende" und die Wahrheit über die Doping-Ära
Marko Lempinens Buch ist keine gewöhnliche Sportlerbiografie. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Das Werk taucht tief in die Frage ein, warum Myllylä und andere Finnen zu verbotenen Substanzen griffen. Es sucht keine Ausreden, sondern den Kontext. Das Buch deutet stark an, dass man in der Trainingsführung erkannte: Wenn man gegen Nationen wie Norwegen, Russland und Schweden bestehen wollte, gab es nur eine Alternative. Das gefiel den Konkurrenten natürlich gar nicht. Schwedische Stars wie Torgny Mogren wiesen die Behauptungen empört zurück und forderten handfeste Beweise. Aber Fakt ist, dass Myllylä diese Last allein trug. Er war der Einzige, der den Mut hatte, es zuzugeben.
In den Online-Diskussionen hat Die gefallene Legende - Mika Myllylä für rege Debatten gesorgt. Leser loben besonders Lempinens journalistischen Ansatz und dass endlich jemand den Mut hat, die Dinge beim Namen zu nennen. Ein Leser bringt es treffend auf den Punkt:
"Das ist das erste wirklich ehrliche Buch über den finnischen Spitzenskilauf, das ich gelesen habe. In anderen Büchern wird um den heißen Brei herumgeredet, wenn es um EPO geht, hier nicht."
Andererseits erhält das Werk auch Lob für seine Menschlichkeit. Es zeigt Myllylä nicht nur als Sportler, sondern auch als Menschen, der mit Gefühlen der Unzulänglichkeit kämpfte und schon während seiner Karriere zu Rauschmitteln griff.
Die Scham, die nicht verblasste
Die WM 2001 in Lahti war der Wendepunkt. Myllylä wurde bei der Verwendung eines Blutplasma-Expanders erwischt, und obwohl es nicht direkt EPO war, war es Teil desselben Systems. Die Folge war eine zweijährige Sperre und die Ächtung durch die gesamte Nation. Nur wenige von uns erinnern sich daran, wie brutal die Öffentlichkeit mit ihm umsprang. Wie damals geschrieben wurde, erholte sich Myllylä nie von dieser Scham. Er fühlte sich allein, und dieses Gefühl fraß ihn von innen auf. Schließlich verlor er sich selbst. In seinen letzten Tagen feuerte er mit einem Gewehr aus dem Fenster seines Hauses und musste von der Polizei in Gewahrsam genommen werden. Es war eine traurige Endstation einer Reise, die in Haapajärvi so hoffnungsvoll begonnen hatte.
Der Mensch Mika - Ein Dokumentarfilm, der alles verändert
Glücklicherweise bleibt die Geschichte nicht dabei stehen. Der Dokumentarfilm, der 2027 Premiere feiern soll und von Sean Ricks, Ville Hakonen und Jussi Sandhu inszeniert wird, möchte Myllylä seine Menschlichkeit zurückgeben. Der Film verwendet einzigartiges Filmmaterial aus dem Privatbesitz der Familie, das Myllylä selbst gedreht hat. Sean Ricks, der als Kind Myllylä als Helden vergötterte, erzählt, wie sich seine Beziehung durch die Arbeit verändert hat.
"Ich bewundere ihn heute sogar noch mehr. Ich kann auch die schwierigen und menschlich schwachen Momente in seinem Leben sehen. Wir alle durchleben solche Momente," so Ricks.
Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms stehen zwei Worte, die in Myllyläs Geschichte am meisten gefehlt haben: Gnade und Vergebung. Die Regisseure wünschen sich, dass Mika, wenn er den Film sehen könnte, sich selbst darin wiedererkennen und ihn als eine ehrliche Erzählung empfinden würde. Das ist ein schöner Gedanke. Vielleicht lernen wir Zuschauer endlich, dass es keine Legenden ohne den Menschen gibt.
Was bleibt?
Die Geschichte von Mika Myllylä ist eine Warnung, aber auch eine Erinnerung. Sie erzählt davon, wohin extremer Leistungsdruck führen kann, aber auch davon, wie schwer es ist, zurückzukommen, wenn man gefallen ist. Wenn wir in die Zukunft und auf den für 2027 angekündigten Dokumentarfilm blicken, haben wir die Chance zu verstehen. Lempinens Buch liefert die Fakten und Enthüllungen. Der Dokumentarfilm gibt der Geschichte eine Seele. Zusammen erinnern sie uns daran, dass hinter dem größten Sportler nur ein Mensch stand – und dieser Mensch verdient es, als Ganzes gesehen zu werden.
- Die Höhepunkte der Karriere: Olympia-Gold in Nagano 1998 und drei Weltmeistertitel in Ramsau.
- Die tragische Wende: Der Doping-Skandal von Lahti 2001 und eine lebenslange Sperre (Anm.: faktisch das Karriereende).
- Neue Erkenntnisse: Lempinens Buch enthüllt die Hintergründe des systematischen Dopings.
- Der kommende Dokumentarfilm: Der 2027 erscheinende Film konzentriert sich auf Gnade und Vergebung, untermalt mit Myllyläs eigenen Privatvideos.
Obwohl Mika Myllylä im Juli 2011 im Alter von nur 41 Jahren verstarb, lebt sein Vermächtnis weiter. Jetzt haben wir endlich die Mittel, es in seiner Gesamtheit zu verstehen.