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Hubert Védrine, der Iran und die Lektion in Realismus, die die Macron-Regierung irritiert

International ✍️ Pierre Lellouche 🕒 2026-03-03 18:03 🔥 Aufrufe: 3

Es gibt Stimmen, die sich im lärmenden Nachrichtentrubel durch ihre Klarsicht abheben. Während sich die Nachrichtensender mit Berichten über die Angriffe im Iran überbieten und die Kommunikationsabteilung des Élysée-Palasts nach den richtigen Worten sucht, trotzt eine Analyse dem oberflächlichen Geschehen: jene von Hubert Védrine. Der ehemalige Außenminister unter François Mitterrand und Lionel Jospin ist nicht der Typ, der der Emotion nachgibt. Und genau deshalb verdient sein Blick auf die Enthauptung des iranischen Regimes – um einen Begriff zu verwenden, der derzeit die Schlagzeilen beherrscht – unsere Aufmerksamkeit. Nicht für den simplen Kommentar, sondern für die Methode.

Hubert Védrine bei einem geopolitischen Vortrag

Der Vergrößerungseffekt und der blinde Fleck der Realpolitik

Seit Beginn der Woche hagelt es offizielle Reaktionen. Man hörte Emmanuel Macron zur Deeskalation aufrufen – eine Haltung, die der ehemalige Minister Pierre Lellouche kürzlich nicht ohne Ironie mit den Friedensappellen des Papstes verglich. Eine Formulierung, die die Frage aufwirft: Was wiegt die Moral, wenn die Raketen fallen? Hier wird der Pragmatismus von Hubert Védrine zu einem starken Gegenmittel. Er, der stets die Notwendigkeit einer selbstbewussten "Realpolitik" für Frankreich theoretisiert hat, erinnert im Kern daran, dass die symbolische Enthauptung eines Staatsapparates niemals dessen Ende bedeutet. Das ist eine optische Täuschung.

Worauf Hubert Védrine uns den Blick lenken möchte, ist der Eisberg unter der Wasseroberfläche. Im Iran erschöpft sich das Regime nicht in einer Handvoll Generälen oder einem obersten Führer. Es ist ein System, eine politische Theologie, ein weit verzweigtes Sicherheitsnetz. Zu glauben, ein noch so chirurgischer Angriff werde "die Arbeit beenden", entspringt demselben magischen Denken, das schon die Interventionen im Irak oder in Libyen bestimmte. Ich habe es selbst oft in den Studios wiederholt: Ein Staat kann seinen Kopf verlieren, ohne seine Seele zu verlieren. Und es ist diese Seele, diese tiefe Widerstandsfähigkeit eines schiitischen Regimes in der Krise, die uns die Analyse von Hubert Védrine zu bedenken zwingt.

Drei Säulen der Védrine'schen Vision angesichts des Chaos

Um zu verstehen, warum die Position des ehemaligen Ministers so unumgänglich ist, muss man ihre Logik entfalten. Sie basiert auf Grundlagen, über die jeder Entscheidungsträger, von Bercy bis Davos, in diesem Moment nachdenken sollte:

  • Strategische Demut: Der Westen, und insbesondere Frankreich, muss akzeptieren, dass er nicht die Hebel besitzt, um gewaltsam einen "Regimewechsel" herbeizuführen. Das ist eine teure Trugvorstellung. Hubert Védrine erinnert uns daran, dass unsere Macht im Nahen Osten vor allem normativer und wirtschaftlicher Natur ist, nicht militärischer.
  • Dialog der Pragmatiker: Es geht nicht darum, das iranische Regime zu mögen, sondern mit denen zu sprechen, die das Land kontrollieren, selbst nach einer Enthauptung. Diplomatie ist die Kunst, mit seinen Feinden zu reden. Diese Möglichkeit auszuschließen, heißt, Mächten wie Russland oder China das Feld zu überlassen.
  • Der wirtschaftliche Aspekt: Ein anhaltendes Chaos in Teheran bedeutet explodierende Ölpreise, wackelnde Staatsanleihen und zerreißende Lieferketten. Große französische Konzerne, von der Luxusgüterindustrie bis zur Energiebranche, beobachten diese Erschütterungen genau. Hubert Védrine hat diese globale Sichtweise: Geopolitik und Wirtschaft sind zwei Seiten derselben Medaille.

Die von der Macron-Regierung hinterlassene Leere und die Chance eines französischen Realismus

Was in der aktuellen Krise auffällt, ist der Kontrast. Auf der einen Seite eine Präsidentschaftskommunikation, die nach der "richtigen Formel" sucht, zwischen atlantistischer Härte und französischer diplomatischer Tradition schwankend. Auf der anderen Seite die kristallklare Deutlichkeit eines Mannes wie Hubert Védrine. Es geht nicht darum, politische Fiktion zu betreiben, sondern eine Leere festzustellen. Die "Enthauptung", von der im Fernsehen so viel die Rede ist, schafft ein sofortiges Sicherheitsvakuum. Wer wird es füllen? Die Milizen? Die Nachbarn? Die regionalen Mächte?

Für Unternehmen und Investoren, die diese Zeilen lesen, ist die Botschaft von Hubert Védrine ein Weckruf. Lassen Sie sich nicht vom medialen Storytelling des "schnellen Sieges" einlullen. Die Realität ist weitaus komplexer. Sie erfordert, die nächsten drei Züge auf dem Schachbrett vorauszusehen, nicht den ersten geschlagenen Bauern zu feiern. Hier liegt der Mehrwert einer Analyse, die sich von politischen Posituren löst. Hier liegt die Chance für diejenigen, die über den unmittelbaren Horizont hinausschauen können, die neuen Regeln eines globalen Spiels zu verstehen, in dem das Wort eines Hubert Védrine schwerer wiegt so manches offizielle Kommuniqué. Klarsicht ist in diesen nebeligen Zeiten der einzige Kompass, der zählt.